Max Keller übergibt seine Metzgerei in Weisslingen
Eigentlich hat Silvio Keller Zimmermann gelernt, doch nun übernimmt er die Metzgerei seines Vaters. Der 29-Jährige wird ab Samstag alleine verantwortlich sein für die gleichnamige Metzgerei, die Max Keller vor 29 Jahren im Volg Weisslingen gegründet hat. «Nervös bin ich überhaupt nicht», sagt er. «Mein Vater wahrscheinlich viel mehr.» Max Keller bestätigt: «In den letzten Tagen habe ich gespürt, dass nun langsam Schluss ist. Das ist ein komisches Gefühl.»
Komisch vor allem deshalb, weil Max Keller weiterhin hinter der Theke der Metzgerei anzutreffen sein wird. Er reduziert zwar sein Arbeitspensum, steht aber seinem Sohn Silvano mit Ratschlägen zur Seite. «Nur zahlt er mir den Lohn aus und nicht umgekehrt.»
«Damit geht eine Ära zu Ende», sagt der Weisslinger Helmut Fröhlich, der das Mitteilungsblatt der Gemeinde herausgibt. Im Dorf kenne man Keller nicht nur als Metzger. Er sei ein geselliges Mitglied verschiedener Vereine und eine kompetente Ansprechsperson, wenn es ums Essen oder Kochen geht.
Bedürfnis sich selbstständig zu machen
Er sei ein «einheimischer Wisliger», sagt Max Keller. Als Bauernsohn in Lendikon aufgewachsen, wohnt der 63-Jährige seit jeher hier. Die Lehre machte er in der Metzgerei zum Rössli, die vor etwa zwei Jahren geschlossen wurde. Danach arbeitete er in Zürich und Zollikerberg, bevor es ihn wieder zurück zum Metzger Fenner nach Weisslingen zog. Doch schon bald hatte Keller das Bedürfnis, sich selbstständig zu machen.
Eine Lösung bot der Volg, der an der Dorfstrasse gegründet wurde und eine Metzgerei im Laden haben wollte. Drei Jahre später übernahm Keller zusätzlich die frühere Metzgerei Ehrenbold in Russikon. Diese verpachtet er, «Henry’s Metzg» produziert seit 1998 die Fleischwaren für Kellers in Weisslingen.
Max Keller bereute seine Entscheidung, Metzger zu werden, nie. «Das ist mein Traumjob», sagt er und überlegt kurz. «Bauer wäre ich auch gerne geworden.» Da sein Bruder aber schon Landwirt war, ging Keller in eine andere Richtung. Am Metzgerberuf mag er vor allem den Kundenkontakt. «Ich bin am liebsten an der Front», sagt er. Es fällt nicht schwer zu glauben, dass es für Keller mit seiner freundlichen, redseligen Art ein Leichtes ist, seine Waren zu verkaufen.
Freude an «schönem Produkt»
Auch die Herstellung eines «schönen Produkts» bereitet Keller Freude. Vor allem, wenn seine Waren gut ankommen. «Manchmal bringen Kunden uns als Dank eine Flasche Wein mit. An Weihnachten gibt es besonders häufig Geschenke», sagt Keller. Das sei schon speziell. Ganz erstaunt ist er dann aber doch nicht darüber. Er kenne halt fast alle seine Kunden. Denn Keller ist nicht nur ein Ur-Wisliger, sondern seit jeher fest im Dorfleben verankert: Er war im Fussballclub, im Turnverein, ist noch immer in der Männerriege und in einem Kochverein.
Keller ist glücklich und stolz, dass er seine Metzgerei erfolgreich aufbauen konnte. «Es läuft gut, wir konnten den Umsatz seit der Gründung verdreifachen», sagt er. Ebenso glücklich ist er darüber, dass sein Sohn das Geschäft übernimmt. Damit gerechnet habe er nicht. «Wie unsere Tochter oder der andere Sohn, wollte Silvio nie Metzger werden.» So lernte der jüngste Spross der Familie Keller zunächst Zimmermann und arbeitete vier Jahre auf dem Beruf.
Ungewisse Zukunft als Zimmermann
«Ich weiss nicht genau wieso ich entschieden habe, Metzger zu werden», sagt Silvio Keller. Er habe an seine Zukunft gedacht. Daran, dass er in ein paar Jahren den körperlichen Herausforderungen eines Zimmermanns allenfalls nicht mehr gewachsen ist. «Und ich habe gewusst, dass Vater einen Nachfolger sucht, dass war der Hauptgrund für die zusätzliche Lehre als Metzger.»
Die Arbeit mit Fleisch bereite ihm Freude. Vor allem aber der Kundenkontakt – wie seinem Vater. Auch Silvio ist durch und durch Weisslinger, kennt die Kunden – aus den Vereinen oder dem Spunten, wie er sagt.
Das Geschäft will er so weiterführen wie bisher, inklusive Catering und den Mittagsmenus – dafür hat er bei seinem Vater kochen gelernt. «Es ist gut zu wissen, dass Vater mir noch mit Rat zur Seite stehen wird.»
Die Übergabe der Metzgerei Keller findet am Samstag statt. Es gibt 10 Prozent Rabatt bei der Landi, dem Volk und der Metzgerei. Ab 12 Uhr gibt es einen Festbetrieb mit Musik und Verpflegung.