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«Softcore-Gras» für die Jungen, Kopfweh-Tropfen für die Alten

Jung und Alt kaufen CBD-Produkte in Uster. Die Motive und der Wissenstand der verschiedenen Generationen unterscheiden sich aber wesentlich.  

Was die Ustermer vom Verkauf von CBD-Produkten halten, erfahren Sie in der Video-Umfrage. (Video: Simon Grässle)

«Softcore-Gras» für die Jungen, Kopfweh-Tropfen für die Alten

Im Tabakwarenladen «Cigars & Tobaccos zum Stadthof» greifen Kunden jeden Alters nach den CBD-Produkten von Imerio Corradin. «Was mich besonders erstaunt ist, dass viele ältere Leute CBD-Tropfen kaufen.» Oft kämen diese Leute vorbei, um die Produkte gegen körperliche Beschwerden einzusetzen. «Ich darf aber CBD nicht als Heilmittel anpreisen.» Dessen therapeutische Wirkung wird in der Wissenschaft zur Zeit diskutiert. Deshalb dürfen die Verkäufer gemäss Bundesamt für Gesundheit keine Heilversprechen abgeben. «Oft sage ich deshalb den Kunden, sie sollen es doch mal probieren, vielleicht helfe es.»

Happy nach Konsum
Corradin fragt Kunden hinterher oft nach ihren Erfahrungen mit den CBD-Produkten. «Ein Mann berichtete mir, dass seine Frau immer wieder schlecht geschlafen habe und deswegen schlechter Laune gewesen sei. Nach dem Konsum der CBD-Tropfen schlafe seine Frau besser und sei happy. Was wiederum ihn happy mache.»

Das sind doch Drogen

Corradin muss aber auch Vorurteile abbauen. Die ältere Kundschaft zuckt beim Wort «Cannabis» oft zusammen. Aussagen wie: «Das sind doch Drogen!», bekommt er oft zu hören. «Die Jungen sind da viel abgeklärter. Von ihnen habe ich viel gelernt über die Wirkung von Cannabis und CBD.» Einige seiner jüngeren Kunden sei auf CBD-Tabak umgestiegen, weil sie unter der Woche arbeiten und früh raus müssen. «Am Morgen fällt es ihnen leichter aufzustehen, wenn sie am Vorabend nur CBD geraucht haben. Am Wochenende gibt’s dann wieder den Hardcore-Stoff.»

Die Polizei testet
Ab und zu gebe es auch Leute, die nach diesem «Hardcore-Stoff» suchen. So sei auch schon einer in seinen Laden gekommen und fragte: «Haben Sie auch stärker dosierte Waren?» Diese Klientel verirre sich  meistens aus dem nahe gelegenen Stadtpark zu ihm, wenn sie dort nichts findet. 
Die Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei funktioniere gut. «Am Anfang sind sie einmal vorbeigekommen und haben ein paar Müsterchen mitgenommen, um diese zu prüfen. Das finde ich auch gut so.» Den Käufern von CBD-Tabak rät er, diesen in der Verpackung zu belassen. Dies sei im Falle einer Polizeikontrolle hilfreich, aber natürlich kein unumstösslicher Beweis. Werde man aber beschuldigt, THC-haltiges Cannabis dabeizuhaben, dürfe man von der Polizei einen Labortest verlangen.

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Zwielichtige Gestalten lauern
Corradin verkauft seit dem 1. April dieses Jahres CBD-Produkte. Diese verkaufen sich gut, wie er selber sagt. Auch wenn ihm die zunehmende Konkurrenz durch die Kioskbetreiber, die ebenfalls auf den CBD-Zug aufgesprungen sind, zunehmend das Wasser abgräbt.  
CBD wird im Zürcher Oberland aber nicht nur verkauft, sondern bald auch hier produziert. Der genau Herstellungsstandort ist wie so oft ein gut gehütetes Geheimnis. Der Jungunternehmer Steven Kretz steht der Geheimniskrämerei in nichts nach. Nur so viel war zu erfahren: «Unsere Produktionsanlage befindet sich in der Umgebung von Uster.» Er befürchtet zwielichtige Gäste in seiner Produktionsstätte. CBD übe eine grosse Anziehungskraft für ehemalige Betreiber illegaler Hanfanlagen aus, sagt Steven Kretz, einer von drei Geschäftsführern der Qualicann Gmbh aus Uster.

Kiffende Freunde als Ideengeber
Den Anstoss für die Geschäftsgründung sei vor rund eineinhalb Jahren von ihren kiffenden Freunden gekommen. Diese sagten damals, dass sie bei geschmacklich gutem CBD-Cannabis vom illegalen auf legalen Hanf wechseln würden. Die drei Freunde pflanzen das CBD selber an und wollen es unter anderem über einen Onlineshop verkaufen. 
Kretz weiss, dass derzeit eine Goldgräberstimmung rund ums CBD herrscht. Neulinge seien sie aber nicht. Schon seit über einem Jahr haben sie verschiedene Testläufe mit der Aufzucht der Pflanzen durchgeführt.

Anbauen mit Forschungshintergrund
Für die Bewirtschaftung des CBD-Hanfs hätten sie eine Fläche von 280 Quadratmeter zur Verfügung, wobei derzeit erst 100 Quadratmeter für die Aufzucht der rund 2000 Pflanzen benötigt werden. «Die Anschaffungskosten der Geräte und der Samen sind hoch, aber mit guten Beziehungen zu stemmen.»
Für den angehenden Umweltingenieur Kretz  ist die Aufzucht der Pflanzen aber nicht nur ein wirtschaftliches Unterfangen. «Ein Stück weit hängt auch noch die Forschungsleidenschaft mit drin.» So versuche er einen Teil der Pflanzen mit LED-Leuchten anstatt den energieintensiven Natriumdampflampen zu bewirtschaften. Diese Ausrichtung benötige unter anderem auch eine andere Bewässerung der Pflanzen. Über handelsübliche Sortenbezeichnungen wie «White Widow» oder «Super Skunk» kann Kretz nur schmunzeln. «Diese Sorten sind als hochdosiertes Cannabis bekannt, werden diese genetisch verändert, müssen sie auch den Anspruch verlieren, diesen Namen zu tragen.»
Kretz arbeitet zurzeit an seiner Bachelorarbeit. Die restliche Zeit arbeitet der Fehraltorfer am Aufbau des Geschäfts. Zusammen mit seinen Geschäftspartnern verfasst er zurzeit das Marketingkonzept. In den Verkauf wollen die drei Ende dieses Jahres einsteigen.

Polizeikontrolle
Ein süsslicher Duft, begleitet von bescheidenen Rauchwolken, das spricht oft für die Gegenwart eines Joints. In jüngster Zeit sind aber immer mehr CBD-Joints für den Rauch verantwortlich. Deren Geruch ist kaum vom hoch THC-haltigen, illegalen Gras zu unterscheiden. Wie unterscheiden die Streifenpolizisten auf die Schnelle den legalen CBD-Hanf, früher «Industriehanf»  genannt, vom berauschenden Hanf? Die Stadtpolizei Uster sei derzeit dazu nicht in der Lage, wie der stellvertretende Polizeikommandant, Christian Götz einräumt. Allerdings können die Polizisten in Zweifelsfällen einen Labortest beantragen. Die Konsumenten werden bei einem Verdacht, illegalen Hanf zu besitzen, von der Polizei auf den Labortest aufmerksam gemacht. Verlangt der Beschuldigte einen solchen Test, und weist dieser einen geringeren THC-Gehalt von einem Prozent auf, muss der Steuerzahler für die Kosten aufkommen. «Es wurden bereits Proben im Labor getestet», sagt Götz. Genaue Zahlen könne er aber nicht nennen. Die Proben werden von der Polizei ins forensische Institut Zürich geschickt, wo sie analysiert werden. Dieser Labortest ist aber aufwändig und deshalb wird zurzeit ein Prototyp zur Erkennung des illegalen Hanfs von der Kantonspolizei Zürich sowie der Stadtpolizei Zürich und Winterthur getestet. Diese Testphase dauert noch ein paar Wochen.
 
CBD als Heilmittel

Wie aus Berichten des Bundesamtes für Gesundheit zu lesen ist, werden die therapeutischen Wirkungen von CBD diskutiert. Werden CBD-haltige Produkte mit medizinscher Zweckbestimmung gelten sie gemäss Heilmittelgesetz als Arzneimittel und dürfen ohne eine Zulassung grundsätzlich nicht vertrieben werden. Darum dürfen die CBD-Verkäufer auch kein Heilversprechen abgeben.
 
CBD-Einfluss beim Autofahren
Der Konsum von CBD kann dazu führen, dass der erlaubte Blut-Grenzwert für THC überschritten wird. Dieser Wert liegt bei sehr tiefen 1.5 Mikrogramm THC pro Liter Blut. Ab diesem Wert gilt ein Autolenker als fahruntüchtig und darf kein Fahrzeug mehr lenken. Grundsätzlich rät das Bundesamt für Gesundheit davon ab, CBD zu rauchen und danach Auto zu fahren, weil es sich nicht sagen lässt, wann dieser Grenzwert überschritten wird.

 

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