Maharana Hinwil: brav, aber gut
«Die beiden sehen unheimlich aus», sagt ein Kollege, als wir den Eingangsbereich des Restaurants Maharana in Hinwil betreten. Auf einem 3D-Bild blicken uns ein Mann mit Turban und eine Frau im Sari mit finsterem Blick an. Sie sitzen vor einem Kamel in der Wüste. Das Testesser-Team lässt sich davon nicht beirren. Der Duft von Curry und Kardamom steig uns in die Nase. Eine Frauenstimme trällert ein indisches Lied aus den Boxen. Wir sind nicht die einzigen, die an diesem Mittag indisch essen wollen. Die meisten Tische sind besetzt. Der neue Pächter Shaqi Rana und sein Personal haben alle Hände voll zu tun.
Auf dem Mittagsmenü stehen drei Gerichte zur Auswahl: Palak Paneer (indischer Frischkäse an einer Spinatsauce mit Tomaten und Zwiebeln), Butter Chicken (Pouletfleisch mit Mandeln und Cashewnüssen an einer Tomaten-Butter-Rahmsauce) und Beef Vindaloo (Rindfleischcurry mit Kartoffeln). Die Menüs werden von Reis und indischem Fladenbrot begleitet. Zu jedem Menü gibt es entweder einen Salat mit Pakora (frittiertes Gemüsetätschli) oder eine indische Tomatensuppe als Vorspeise.
Fleisch aus dem Tandoor-Ofen
Ein Pluspunkt: Gäste können am Mittag auch Gerichte aus der normalen Speisekarte wählen. Wir bestellen den vegetarischen Frischkäse (16 Franken), Butter Chicken (17 Franken), Rindfleischcurry (18 Franken) und eine etwas schärfere Variante vom Butter Chicken namens Chicken Tikka Masala (18 Franken). Alle entscheiden sich für den Salat mit Pakora. Aus Neugier und Hunger werden wir übermütig und bestellen zusätzlich eine gemischte Vorspeisenplatte mit Samosas, Chicken Tandoori, Pakoras, Chicken Seekh Kebab und Beef Seekh Kebab. Bei letzteren handelt es sich um Rindfleisch- und Pouletfleischstücke, die an einem Spiess im Tandoor-Ofen gegart werden.
Farbige Tücher und indische Tänzer
Aus Hunger oder Unachtsamkeit schüttet der Kollege seine Cola auf dem Tisch aus. Der Service ist aufmerksam und bringt sofort einen Stapel Servietten, um die braune Pfütze zu beseitigen. Die Kollegin späht derweil zum Nachbartisch. Sie ist entzückt von den indischen Schälchen und Platten, auf denen das Essen serviert wird. Auch die Dekoration im Gasthaus lässt keinen Zweifel, dass hier indische Gastgeber wirten. Farbige Tücher und Bilder von Gewürzen hängen an den Wänden. Figuren von indischen Tänzern und Musikern schauen den Gästen beim Essen zu.
Zischende Vorspeisen
Mit einem lauten Zischen kündigt sich der erste Gang an. Die Vorspeisen werden auf zwei heissen Gusseisenplatten serviert. Auf der einen liegen die frittierten Samosas und Pakoras. Auf der anderen das Fleisch, gemischt mit Peperoni. Dazu reichen die Gastgeber eine süsslich-saure Tamarindensauce, eine Joghurt-Minzsauce und ein Mangochutney. Zudem bekommen wir den Salat. «Ich weiss nicht, ob wir das schaffen», sagt der Kollege angesichts der prall gefüllten Platten. Es gebe ja noch eine Hauptspeise. «Ein bisschen mehr Optimismus, wenn ich bitten darf», sagt die Kollegin. Die Bedenken sind unbegründet. Die Platten leeren sich in Windeseile. Die Pakoras sind schön knusprig. Das Poulet- und Rindfleisch zart und rassig gewürzt. Die drei Saucen bilden einen frischen und fruchtigen Kontrast zu den eher deftigen Vorspeisen. «Kann ich die Hälfte vom Samosa noch haben?», fragt der Kollege. Ihm mundet die Teigtasche mit Kartoffeln und Erbsli besonders. «Mit der Mangochutney schmeckt es sogar noch besser.»
«Ich weiss nicht, ob wir das schaffen», sagt der Kollege angesichts der prall gefüllten Platten.
Der Salat könnte etwas mehr Sauce vertragen. Ein weiterer Wermutstropfen: Der Joghurt-Minz-Dip ist gleichzeitig auch das Dressing für den Eisbergsalat. Etwas Abwechslung würde nicht schaden.
Die Hauptspeisen kommen auf den Tisch. Jeder kriegt ein Schälchen mit Basmatireis und ein Pfännchen mit Curry, Chicken oder Frischkäse. Die Vorspeisenplatte hat Spuren hinterlassen. Die wenigsten leeren ihre Reisschälchen. Das Chicken Tikka Masala ist lecker. Ich bin überrascht, dass die Sauce dazu so tomatig ist. Die indische Würze ist dezent. Wie eine scharfe Tomatensuppe schmeckt die Sauce. Die Mandeln und Cashewnüsse fehlen. «Das Curry hat eine gute Schärfe. Die Gewürze schmeckt man schön heraus. Das Rindfleisch ist zart, aber etwas faserig», sagt der Kollege zu seinem Beef Vindaloo.
Für den europäischen Gaumen
Das Palak Paneer fällt neben den anderen Speisen etwas ab. Es ist fade. Die Kollegin erinnert es an hundsgewöhnlichen Rahmspinat mit ein paar Käsestücken drin. Tomaten und Zwiebeln suchen wir vergeblich. Die Saucen und Curries sind einen Tick zu brav. Kreuzkümmel, Kardamom, Kurkuma, Chili, Ingwer, Koriander: alles hat es drin, was es braucht. Einfach ein bisschen zu wenig. Vermutlich extra auf den europäischen Gaumen abgestimmt.
Das Naan mundet allen. Vor allem der eine Kollege hat Gefallen am indischen Fladenbrot gefunden. Er benutzt es, um den Curry ohne Besteck in den Mund zu befördern. Wir sind uns einig: Essen mit den Händen macht mehr Spass.
Zum Abschluss wird noch ein Espresso getrunken. Auf Kosten des Hauses dürfen wir zudem noch eine Mangocreme und indische Milchbällchen probieren. Die Mangocreme ist erfrischend. Die Milchbällchen, die die Inder Gulab Jamun nennen, schwimmen in einer süssen sirupartigen Sauce. «Da könne es Rosenwasser drin haben», vermutet die eine Kollegin. Ihr munden die frittierten Kugeln besonders gut. Die Desserts sind schnell vertilgt. Spätestens jetzt sind alle pappsatt.
Der indische Schmaus kostet samt Getränken 182 Franken. Ein guter Preis für fünf Menüs und die üppig gefüllten Vorspeisenplatten. Wir kommen wieder, vielleicht nächstes Mal im Sommer zum Znacht im Garten. Dann kommen wir auch nicht am angsteinflössenden Bild vorbei.
