Neue Pächter für Traditionsbeiz
Er wolle nicht mit aufs Bild, sagt Rolf Gadola, als der Fotograf den richtigen Winkel für das Sujet sucht. Heute gehe es um zwei wichtigere Personen. Gadola, Verpächter und Verwaltungsratspräsident der Gasthof Hirschen AG, beobachtet das Geschehen genau, lächelt. Er ist sichtlich zufrieden. Es ist dem Verwaltungsrat gelungen, neue Pächter für den Grüninger Gasthof Hirschen zu finden, nachdem der vorherige Wirt im vergangenen April das Restaurant schliessen musste.
Das Ehepaar Karin und Stefan Erni wird ab Januar wieder Leben in das Restaurant bringen, das seit mittlerweile sechs Monaten geschlossen ist. Die künftigen Wirte sind nicht neu in der Gastrowelt. Während 15 Jahren führten sie das Winterthurer Restaurant Goldenberg. Vor gut einem Jahr hat die Familie mit ihren zwei Kindern ihre Zelte in Winterthur jedoch abgebrochen und ist nach mit einem Touristenvisum Südafrika gezogen. «Ein Abenteuer», nennt das Ehepaar den Wohnortswechsel. Bis im Dezember werden sie nun in der Nähe von Kapstadt leben, bevor sie ihr neues Abenteuer in Grüningen anpacken.
«Wir wollen nicht vom Büro aus agieren, sondern mittendrin sein»
Die künftigen Gäste werden allerdings nicht mit südafrikanischen Gerichten verköstigt. Stattdessen setzen sie auf Schweizer Küche. «Wobei wir uns aber sicher bei einigen Rezepten davon inspirieren lassen werden», sagt Karin Erni. Wichtig sei ihnen, dass sie mit frischen Produkten aus der Region kochen können. «So macht das Kochen erst richtig Spass», sagt Stefan Erni. Auch in der Bevölkerung hat dieser Aspekt seit geraumer Zeit einen immer höher werdenden Stellenwert. Stefan Erni wird die Leitung der Küche übernehmen, während seine Frau im Service mitwirken wird. «Wir wollen nicht vom Büro aus agieren, sondern mittendrin sein», sagt er.
«Das Bauchgefühl muss stimmen»
Als die Gasthof Hirschen AG Ende März das vorzeitige Vertragsende des damaligen Pächters Markus Winkler bekannt geben musste, versicherte die Aktiengesellschaft eine Wiederaufnahme des Gastrobetriebs. «Hierfür wünschten wir uns einen Wirten, der die Herausforderung sucht und ein gewisses finanzielles Polster mitbringt». Im Ehepaar Erni wurde aus der Sicht des Verwaltungsrates die Wunschkandidaten nun gefunden. Der erste Eindruck bestätigte sich schnell: «Als wir sie das erste Mal gesehen haben, dachten wir, dass sie die Richtigen sein könnten», sagt Gadola.
«Wir haben genug Erfahrung sammeln können, um diesen Schritt zu wagen»
Ähnlich ging es Karin und Stefan Erni, als sie das Gasthaus zum ersten Mal vor Ort gesehen haben. Das Bauchgefühl müsse von Anfang an stimmen, sagt Stefan Erni. «Man muss sich vorstellen können, hier arbeiten und die Gäste verwöhnen zu können.» Obwohl ihr Vorgänger nach drei Jahren den Betrieb des Restaurants einstellen musste, weil zu wenige Gäste kamen, lassen sich die neuen Wirte des «Hirschen» nicht einschüchtern. «Wir haben genug Erfahrung sammeln können, um diesen Schritt zu wagen», sagt Karin Erni.
Auch die Konkurrenz im Dorf beunruhigt die beiden nicht. Sie haben sich bereits bei den anderen Restaurants vorgestellt. Nicht nur die Grüninger würden sich auf die Wiedereröffnung freuen, sondern auch die Konkurrenten.
Jetzt wird renoviert
Bis das Restaurant im Januar nächsten Jahres wieder geöffnet ist, wird renoviert. «Unter der strengen Aufsicht der kantonalen Denkmalpflege, bringen wir den Hirschen wieder auf Vordermann», sagt Gadola. Man werde den Gasthof aber sofort wiedererkennen und über die Veränderungen höchstens positiv überrascht sein.
Es sei eine grosse Genugtuung für ihn, dass der «Hirschen» im Stedtli schon bald wieder offen sein wird. «Nun kann ich mich langsam von der Gesamtverantwortung lösen», sagt Gadola. Er habe an der letzten Generalversammlung der Gasthof Hirschen AG bereits mitgeteilt, dass er an der nächsten Versammlung als Präsident zurücktreten wird. Dies könne er nun, da die Zukunft des Gasthofes gesichert ist, guten Gewissens machen. «Das Loslassen wird aber nicht einfach.» Schliesslich sei er immer mit Herzblut dabei gewesen.