Schriftsteller Arthur «Turi» Honegger verstorben
Der 1924 in St. Gallen geborene Arthur Honegger wurde als uneheliches Kind von Amtes wegen der minderjährigen Mutter weggenommen und zu einer Pflegefamilie im Tann gegeben. Danach erlebte «Turi» eine schwere Jugend als Findel- und Verdingkind, wurde in Heimen und Arbeitserziehungsanstalten versorgt.
Später brachte er es vom Bauernknecht und Kellner zum Parteisekretär der SP Thurgau, zum «Blick»-Redaktor in den 1960-er Jahren und danach zum beachteten Schriftsteller und freien Kolumnisten.
Auf seine von Behördenwillkür geprägte Kindheit reagierte er nicht mit Verbitterung, sondern mit einem lebenslangen Engagement gegen das an Verdingkindern begangene Unrecht. 1974 verarbeitete er seine Erlebnisse im Roman «Die Fertigmacher», der ihn berühmt machte. Danach folgten zwei Dutzend weitere autobiografisch gefärbte Bücher.
Lebenslanges Engagement
Die Politik liess ihn dabei nie los: Von 1991 an war er während neun Jahren in der SP-Fraktion des St. Galler Kantonsrats aktiv.
Immer wieder wurde er mit seiner Kindheit konfrontiert: 2004 drehte Lotty Wohlwend den Dokumentarfilm «Turi» über das Leben von Honegger. Bei den Recherchen dazu erfuhr der damals 80-Jährige zum ersten Mal den Namen seiner leiblichen Mutter.
Für sein Engagement gegen Justizwillkür und Unrecht bekam er 2015 den Menschenrechtspreis der Glarner Anna-Göldi-Stiftung.
Arthur Honegger verbrachte seinen letzten Lebensjahre im Alters- und Pflegeheim in Nesslau. Dort verstarb er laut Todesanzeige am 15. August. (sda)