Politik

Zu gefährlich: Edelweiss landete nicht auf Madeira

Wenn Ferien aus dem Ruder laufen… Nicht immer liegt bei einem Traumurlaub der Fokus auf «Traum». Züriost-Redaktoren berichten zum Start der Sommerferien täglich von ihrem schrecklichsten Ferienerlebnis. Heute an der Reihe ist Mike Gadient.

Zu starker Seitenwind erschwert das Landen auf dem Flughafen in Madeira. (Symbolbild: Screenshot youtube) , Am Samstag, 11. März 2017, wird ein Landemanöver gar nicht erst versucht. So strandet der Edelweiss-Flug LX 8284 auf der Nachbarinsel Porto Santos. (Bild: Mike Gadient) , Über das Flugfeld können die Passagiere gegen 12.30 Uhr (MEZ) zum kleinen Flughafen laufen. (Bild: Mike Gadient) , Um 19 Uhr (MEZ) legt die Fähre pünktlich ab und erreicht den Hafen von Funchal auf Madeira zweieinhalb Stunden später. (Bild: Mike Gadient) , Ein Detail zum Flughafen auf Madeira: Die Landebahn wurde im Jahr 2000 mittels Stelzen von 1781 Metern auf 2777 Metern verlängert. (Screenshot Youtube)

Zu gefährlich: Edelweiss landete nicht auf Madeira

«Herzlich willkommen in Portugal. So viel kann ich sagen, auch wenn wir auf der Nachbarinsel von Madeira gelandet sind.» Die Worte von Edelweiss-Pilot Tom Schneider brachten mich zum Schmunzeln. Meine Ferien begannen also auf dem Flughafen von Porto Santo.

Der Grund dafür war das Wetter. Das Flugzeug wäre am Samstag, 11. März 2017, bei einem Landeversuch auf Madeira zum Spielball im Wind verkommen. Von diesen Turbulenzen, welche Edelweiss-Passagiere im Dezember durchgemacht haben, blieb ich glücklicherweise verschont: 

(Quelle: youtube)

Den Flughafen im Osten auf der Atlantikinsel anzusteuern, stellt seit jeher eine nervenzerreissende Prüfung dar. Seine Lage an einem Steilküstenhang, die windigen Verhältnisse und die eng zufliegende Rechtskurve in der Endphase beim Anflug verlangen vom Piloten einiges ab.

Deshalb bin ich froh, entschied sich Schneider gar nicht erst für einen Landeversuch. «Mit 75 km/h bläst der Wind Meilenweit ausserhalb der Toleranzgrenze. Ich hoffe Sie verstehen, dass die Sicherheit vorgeht», sagte der Pilot, der nach eigener Aussage zum ersten Mal überhaupt auf die Nachbarinsel ausweichen musste. 

Der Anflug auf Madeira aus der Sicht des Piloten: 

Schlussendlich strandeten an jenem Samstag insgesamt sieben Flugzeuge auf Porto Santo. Die hunderten von Passagieren führten dazu, dass der kleine Regionalflughafen aus allen Nähten platzte. Trotzdem war das Verständnis für den ungeplanten Zwischenhalt gross, auch wenn sich der Reisetag dadurch in die Länge zog (Zeitangaben in MEZ): 

  • 7 Uhr: Abflug in Zürich.
  • 10.50 Uhr: Statt der Landung auf Madeira dreht der Flieger eine Warteschlaufe.
  • 11.30 Uhr: Die Windverhältnisse werden nicht besser, weshalb die Landung auf Porto Santo erfolgt.
  • 12.30 Uhr: Alle Passagiere werden von der Edelweiss-Besatzung über das weitere Vorgehen informiert und können das Flugzeug jetzt verlassen. Zuvor durften die Passagiere der beiden zuerst gelandeten Flieger aussteigen und über das Rollfeld zum Flughafengebäude laufen. Die Edelweiss-Maschine fliegt leer zurück nach Zürich.
  • 16 Uhr: Die beiden Verkäuferinnen am einzigen Imbissstand in der Wartehalle haben in den letzten Stunden wohl das Geschäft ihres Lebens gemacht. Wie versprochen werden die Koffer auf dem einzigen Förderband des Flughafens ausgehändigt – das Gepäck aller sieben Flieger kommt auf einmal.
  • 17 Uhr:  Reisecars bringen uns vom Flughafen zur Fähre, welche alle Gestrandeten kostenlos benutzen dürfen.
  • 19 Uhr: Die Fähre legt pünktlich ab. Die Warteschlange an der Bar und im Restaurant ist endlos.
  • 21.30 Uhr: Ankunft im Hafen von Funchal auf Madeira. Die Müdigkeit ist den Passagieren ins Gesicht geschrieben.
  • 22.00 Uhr: Einchecken im Hotel – endlich.
  • 22.40 Uhr: Ich schaue mir zum ersten Mal die Youtube-Videos von Landemanövern auf Madeira an und bin über den Umweg gar nicht so unglücklich. 

Madeira gehört eindeutig in die Top 10 der schwierigsten anzufliegenden Flughäfen: 

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