Politik

Wohnsituation für Flüchtlinge hat sich verbessert

Noch nie konnten in Winterthur so viele Flüchtlinge im freien Wohnungsmarkt untergebracht werden. Dies ist unter anderem dem Engagement von Freiwilligen wie dem Viwo-Verein zu verdanken.

Dank dem sozialen Engagement der Bevölkerung erhalten Flüchtlinge die Möglichkeit einer besseren Wohnsituation. (Bild: Christian Saggese)

Wohnsituation für Flüchtlinge hat sich verbessert

770 Flüchtlinge im offenen Asylverfahren leben derzeit in Winterthur. Die Stadt hat gemäss kantonalen Vorgaben ein Kontingent von 0.7 Prozent der Einwohnerzahl aufzunehmen. Die Quote wurde vor eineinhalb Jahren um 0.2 Prozent erhöht. Wird ein Asylsuchender definitiv als Flüchtling anerkannt, können sich diese Personen schweizweit eine eigene Wohnung suchen und werden nicht mehr zum Kontingent gezählt. Viele sind auf dem freien Markt jedoch chancenlos. Sie bleiben folglich in den städtischen Unterkünften. Gleiches gilt auch für vorläufig aufgenommene Flüchtlinge, die nicht mehr zum Pflichtkontingent gezählt werden, sofern sie keine Sozialhilfe beziehen.

Engagement der Kirche
«Die Situation ist momentan nicht sehr angespannt», sagt der Leiter der Sozialen Dienste, Dieter P. Wirth zur Lage in Winterthur. «Unter anderem dank des Engagements von Freiwilligen konnten wir so viele Personen wie noch nie im normalen Wohnungsmarkt unterbringen.»

Eine Organisation von Freiwilligen ist der Verein Viwo (Vinzenz Wohnungen), der im Oktober 2015 von der katholischen Kirche Winterthur gegründet wurde und seither bereits 41 Wohnungen an Flüchtlinge vermitteln konnte. Teilweise werden diese vom Verein selbst gemietet, Kautionen bezahlt oder eine Solidarhaftung übernommen. «Die Sozialberatung Abteilung Asyl wurde angefragt, welchen Beitrag die Kirche im Flüchtlingsbereich in Ergänzung zum städtischen Angebot leisten könnte. Wir haben die Initianten des Viwo darauf hingewiesen, dass der Übergang von den Asylstrukturen in den privaten Wohnungsmarkt sehr schwierig sei», so Dieter P. Wirth.

Geschätztes Privileg

Demnächst werde sich auch der reformierte Stadtverband dem Viwo-Verein anschliessen, weiss Ueli Siegrist. Der Präsident der reformierten Kirchenpflege Veltheim arbeitet als Verwalter beim Winterthurer Treuhandbüro Arnold Marcel. Nach Rücksprache mit  Eigentümern habe er bereits zwei Wohnungen an Flüchtlingsfamilien vermieten können, die er persönlich kennen lernte, als diese in der Kirche Rosenheim untergebracht waren. «Bei jedem Treffen spüre ich die Dankbarkeit und ich muss jeweils mindestens einen Tee trinken», berichtet Ueli Siegrist. «Sie möchten sich erkenntlich zeigen und etwas zurückgeben, da ihnen klar ist, dass sie privilegiert sind.»

Dieter P. Wirth von den sozialen Diensten weiss: «Das Leben in einer eigenen Wohnung ist ein wichtiger Faktor zur Integration von Flüchtlingen, speziell bei Familien. Unter anderem soll in Ruhe Deutsch gelernt werden können und die Kinder sollten ungestört Hausaufgaben machen.»

Keine Vorrechte
Die Sozialen Dienste würden darauf achten, Flüchtlinge gleich wie die anderen Einwohner Winterthurs zu behandeln, sagt Dieter P. Wirth. «Asylsuchende und Flüchtlinge erhalten ein Budget, und mit diesem Geld müssen sie zurechtkommen.» Personen im laufenden Asylverfahren hätten ein sehr tiefes Budget zur Verfügung. «Sie erhalten deutlich weniger Mittel als Sozialhilfebeziehende.»

Wer sich für Flüchtlinge engagieren wolle, könne sich an Organisationen wie Viwo, Benevol, oder Solinetz wenden. Bezüglich Geschenke und Spenden weist der Bereichsleiter darauf hin, dass es in der Regel sinnvoller sei, etablierten Organisationen wie Brockenhäuser oder Hilfswerke zu berücksichtigen als zufällige Einzelpersonen. Ueli Meier

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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