Der Unfassbare auf dem Fischmarktplatz
Am Freitagabend gabs eine Wundertüte als Hauptact des Blues’n’Jazz in Rapperswil: Sir Bob Geldof. Die Queen hatte den Musiker 1986 für sein soziales Engagement gegen den Hunger in Afrika in den Ritterstand erhoben.
Einst Musikgeschichte geschrieben
Mit seinem Projekt «Band Aid» hatte Geldof 1984 Musikgeschichte geschrieben. Zusammen mit verschiedenen bekannten Musikern wie Sting, David Bowie, Phil Collins oder Paul Mc Cartney hatte er die Single «Do they know it’s Christmas?» aufgenommen. Diese landete damals in vielen Ländern auf dem ersten Platz der Charts. Der Erlös kam Hungernden zugute.
Start mit Folk
Als Ire darf Bob Geldof den Titel «Sir» zwar nicht tragen, was aber die Veranstalter nicht daran hinderte, ihn genau so anzukündigen. Pünktlich betrat der 66-jährige Ritter, der sich so nicht nennen darf, mit Schirm auf die Bühne – und griff in die Saiten seiner akustischen Gitarre. Zum Auftakt bot er zusammen mit den fünf Mitgliedern seiner Band etwas Irish Folk, um dann mit dem nächsten Stück gleich schon zum Folk Rock hinüber zu gleiten. Violine und Akkordeon waren neben der rauen Stimme Geldofs die prägenden Elemente. Das Publikum quittierte mit artigem Applaus.
Es plätscherte
Von Song zu Song wechselte der Stil, mal gab es Anklänge von Country, mal Boogie, mal Rock’n’Roll. «Wir kommen von Irland, deshalb haben wir Regen mitgebracht», meinte Geldof in einer der wenigen Ansprachen – abgesehen von seinen Anpöbeleien der Zuhörer auf der VIP-Terrasse – zu den Leuten auf dem Rapperswiler Fischmarkplatz.
Nicht nur vom Himmel tropfte es herunter, auch der musikalische Abend plätscherte mehr so dahin. Geldofs Auftritt bekam zunehmend autistische Züge und der Sound wurde dunkler. Der Funke wollte nie recht aufs Publikum überspringen. An der nassen Lunte war aber jedenfalls nicht alleine das Wetter schuld.
Viel Platz auf dem Platz
Da nützte es auch wenig, wenn mal bekanntere Songs wie «When the night comes» eingestreut wurden. Einzig bei «I don’t like Mondays», das 1979 der grösste Hit der New-Wave-Band Boomtown Rats mit ihrem Sänger Bob Geldof war, gab es so etwas wie eine Reaktion im Publikum. Alleine, dafür war es zu spät. Viele hatten nämlich den Platz schon lange vor dem Ende des über eineinhalbstündigen Auftritts verlassen.
Was Bob Geldof musikalisch abliefern würde, wussten die Organisatoren des Blues’n’Jazz im Vorfeld nicht. Was er Freitagnacht wirklich abgeliefert hat, war nach dem Konzert auch dem Publikum nicht klar. Was es davon halten sollte schon.
