Das «Reich Gottes» kommt ins Glattal
Die Botschaft ist klar. «Der Herr hat noch Grosses vor in der Umgebung von Zürich. Lasst uns weiterhin beten, damit sein Reich freudig und kraftvoll gebaut werden kann». Diese Sätze stehen in einem Schreiben, das vom Christlichen Zentrum Buchegg (CZB) und der Pfingstgemeinde Dübendorf für deren «Geschwister» verfasst wurde. Diese beiden Gemeinden stehen hinter der «glattal church», die ab September in Schwerzenbach Gottesdienste feiern wird.
Erweiterung Dübendorfs
Derzeit werden dafür Büroräume in der Liegenschaft der Walter Meier AG an der Wiesenstrasse 5 umgebaut. Verantwortlich für das Projekt ist André Meier von der Halter Bauservice AG aus Zürich. Er ist seit 28 Jahren Mitglied der Pfingstgemeinde Dübendorf, «einer kleinen Gemeinde im Hinterhof», wie er selber sagt. Dass die Pfingstgemeinde nun in Schwerzenbach in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof 760 Quadratmeter beziehen kann, bezeichnet Meier als «Fügung».
Denn die Verantwortlichen der «Glattal Church» haben laut eigenen Angaben nicht weniger vor, «als das Reich Gottes in der Region oberes Glattal auszubreiten.» Diesen Entschluss haben die Pfingstgemeinde Dübendorf und das CZB vor rund einem Jahr gefällt. Die «glattal church» ist eine Erweiterung der Pfingstgemeinde Dübendorf. Zur Hälfte wird sie auch aus Mitgliedern des CZB bestehen, die in der Region Oberland wohnen. Geleitet wird die Schwerzenbacher Gemeinde durch Beni Theis. Er arbeitet als Pastor am CZB und in Dübendorf. Die Räume an der Wiesenstrasse werden nach dem Umbau Platz für 190 Personen bieten. Der Umbau sei keine grosse Sache: «Eigentlich ist die Liegenschaft schon heute perfekt.» Anpassungen seien vor allem auf Grund feuerpolizeilicher Vorschriften notwendig. «Wir hoffen, einiges in Fronarbeit machen zu können.» Finanziell werde es aber sicher verkraftbar sein, auch die Miete. Die zahlt man der Walter Meier AG mit der die Kirche vorerst einen befristeten Mietvertrag bis Mitte 2020 abgeschlossen hat. Danach muss mit der Besitzerin Credit Suisse neu verhandelt werden.
Erste Freikirche vor Ort
Unter der Woche wird der Standort vor allem abends frequentiert sein, für den Besuch von Seminaren oder Gebetsabenden beispielsweise. «Am Sonntag finden Gottesdienste mit Kinderhüeti und allem Drum und Dran statt», sagt Meier. Zu diesen Zeiten stünden im Gewerbegebiet ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Auch «geistlich liegt der Standort gut», ist auf der Website www.glattal.church zu lesen. Derzeit gibt es in Schwerzenbach keine andere Freikirche. Die nächste Pfingstgemeinde liegt in Uster.
Stefan Braatz, Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Schwerzenbach, fürchtet keine Konkurrenz: «Eine Pfingstgemeinde mit charismatischer Frömmigkeit spricht eine ganz andere Klientel an als die theologisch offenen Landeskirchen.» Pastor Theis habe sich persönlich im Pfarramt vorgestellt und über die Pläne der Pfingstmission informiert. «Das hätte er nicht tun müssen, umso mehr hat es mich gefreut», sagt Braatz.
Sollte die Freikirche offen dafür sein, könnte Braatz sich eine punktuelle Zusammenarbeit vorstellen: «Wobei man natürlich die unterschiedlichen theologischen Positionen und Frömmigkeitsstile berücksichtigen muss.» Anders als sein Kollege bekam Michael Geiler, Diakon der Katholischen Pfarrei Schwerzenbach, keinen Begrüssungsbesuch: «Ich bin aber nicht enttäuscht, wir stehen bei ihnen sicherlich nicht weit oben auf der Besuchsliste.»
Jugend im Fokus
Ein Fokus der «glattal church» soll auf die Jugendarbeit gelegt werden. Man wird einen Leiter der «Royal Rangers»» beschäftigen. Das Motto der Rangers gemäss Website: «Kinder für Jesus gewinnen, bei Jesus behalten und dienstbar machen.»
Bei den Reformierten hat man gemäss Pfarrer Braatz keine Angst, dass die Freikirche ihnen die Jugend abwirbt. «Sollten einzelne Jugendliche tatsächlich in der neuen Gemeinde eine Heimat finden, die sie bei uns anscheinend nicht gefunden haben, wäre das nur zu begrüssen.»
Diakon Geiler, dessen letzter Arbeitsplatz sich in unmittelbarer Nähe zum CZB befand, attestiert der Pfingstgemeinde einen guten Draht zur Jugend: «Aber eine direkte Konkurrenz ist sie nicht, dafür sind wir zu verschieden.» An einzelnen Anlässen seien seine Pfarrei und das CZB gemeinsam präsent gewesen. Eine Zusammenarbeit kann sich der Diakon eher weniger vorstellen: «Es gibt Unterschiede, die kann man einfach nicht wegdiskutieren.»
Experte über Pfingstmission: «Unter den Freikirchen eine konservativere Institution»
Die Pfingstmission ist eine evangelische Freikirche. Für Angehörige der Pfingstgemeinde beginnt das Christsein mit einer bewussten Entscheidung: der Bekehrung, die Gott mit der Wiedergeburt beantwortet. Mitglieder von Pfingstkirchen legen die Bibel wortgetreu aus. Jedes Gemeindeglied soll in einem Hauskreis mittun, dessen Leiterperson von der Gemeinde geschult wird. Die Missionierung im In- und Ausland ist zentraler Bestandteil. Zur Schweizerischen Pfingstmission (SPM) gehören heute 70 Gemeinden mit insgesamt 9900 getauften Erwachsenen. Zusätzlich werden etwa 4800 Kinder und Jugendliche betreut. Grösste SPM-Gemeinde in der Schweiz ist das Christliche Zentrum Buchegg in Zürich. Die Finanzierung erfolgt über Spenden. Die Mitglieder entrichten im Allgemeinen den «Zehnten», das heisst rund zehn Prozent des Einkommens.
«Unter den Freikirchen gehört die Pfingstmission zu den pointierteren und konservativeren Institutionen», sagt Georg Schmid, Leiter der evangelischen Informationsstelle Relinfo. Von den Mitgliedern werde erwartet, dass sie sich nach der Bibel richten, wie die Gemeinde sie versteht, indem sie zum Beispiel nicht unverheiratet zusammenleben. «Wer dies trotzdem tut, kann nicht Leiter werden», so Schmid.
Wie andere Freikirchen sei die Pfingstmission weltanschaulich bewusst relativ einheitlich. Die Mitglieder würden zu aktivem Engagement ermuntert, Passivmitglieder seien nicht vorgesehen. Als problematisch beurteilt Schmid die Pfingstmission nicht: «Sie macht für ihren Glauben Werbung, ist aber auf keinen Fall aggressiv», sagt er.