Politik

Gasversorgung Wiesendangen soll verkauft werden

Der Wiesendanger Gemeinderat will ihr Gaswerk auslagern. Abnehmerin soll die Energie 360° AG aus Zürich sein. Der verbindliche Kaufpreis beträgt 960‘000 Franken. Nun entscheidet die Dorfbevölkerung an der kommenden Gemeindeversammlung diesen Freitag, ob das Geschäft zustandekommt.

Die Wiesendanger entscheiden an der kommenden Gemeindeversammlung, ob ihr Gas künftig von der Energie 360° AG kommen soll. (Symbolbild: Claudia Hautumm/pixelio.de)

Gasversorgung Wiesendangen soll verkauft werden

Die Politische Gemeinde Wiesendangen ist seit 2008 auch Gasversorger. Sie übernahm damals von der Zivilgemeinde die Gasversorgung Wiesendangen, die vor rund 25 Jahren ins Leben gerufen wurde. Nun stellt der Gemeinderat an der nächsten Gemeindeversammlung kommenden Freitag den Antrag, das Gaswerk zu veräussern. Die Gasversorgung übernehmen will die Energie 360° AG (vormals  Erdgas  Zürich  AG).

Die Gemeindeversammlung der Politischen Gemeinde Wiesendangen ist diesen Freitag, 23. Juni, ab 20 Uhr in der Wisenthalle. Am Montag, 26. Juni, ab 19.30 Uhr ist die Gemeindeversammlung der ref. Kirchgemeinde und Schulgemeinde – ebenfalls in der Wisenthalle. Die Gemeinde orientiert am Montag auch über die neue Gemeindeordnung, die Bau- und Zonenordnung sowie die Sanierung der Wisenthalle.

Das Energieunternehmen, das zum Grossteil der Stadt Zürich gehört, zeigte im November erstmals Interesse am Kauf des Wiesendanger Werks. Nach einer umfassenden Prüfung vor Ort reichte Energie 360° Ende März ein verbindliches Übernahmeangebot über 960‘000 Franken ein, wie die Gemeinde mitteilt.

Verkauf war bereits 2008 vorgesehen

Eigentlich wollte die Gemeinde das Gaswerk bereits vor neun Jahren verkaufen – wie sie das mit dem Elektrizitätswerk tat. Doch 2008 war bloss ein Interessent vorhanden, der die Gasversorgung zum Nulltarif übernehmen wollte. Deshalb entschied sich die Gemeinde, den Betrieb selbst weiterzuführen.

Jetzt ist für den Gemeinderat aber der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Gasversorgung auszulagern. Er betrachte den Betrieb der Gasversorgung nicht als Gemeindeaufgabe, heisst es im Gemeindeversammlungsbüchlein. Ausserdem könnten auf Wiesendangen aufgrund der geplanten Energiewende mögliche Zusatzverpflichtungen zukommen, wie Gemeindepräsident Kurt Roth betont.

Er konkretisiert: «Es könnte sein, dass wir gezwungen wären die gesamte Gasversorgung zurückzubauen. Dann müssten wir uns vielleicht mit Schadenersatzforderungen auseinandersetzen.» Auch das Risiko von Schäden am Versorgungsnetz läge dann weiterhin bei der Gemeinde.

Win-Win-Situation für beide Seiten

Das Zürcher Energieunternehmen nimmt die Gasversorgung Wiesendangen im Gegenzug sehr gerne in ihr Netzwerk auf. So sagt Iris Isenschmid, Kommunikationsleiterin bei Energie 360°: «Wir sehen Gas als wichtigen Energieträger für die Zukunft an. Mit Biogas als erneuerbare Energie kann ein grosser Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie geleistet werden.»

Deshalb nennt sie den geplanten Deal auch eine Win-Win-Situation – die Gemeinde werde von einer Aufgabe ausserhalb ihres Kerngeschäfts entlastet und Energie 360° könne die langfristige Gasversorgung für Wiesendangen sicherstellen.

Dass die Zürcher Firma an einer langfristigen Sicherstellung der Gasversorgung in Wiesendangen interessiert ist, zeigt eine ausgehandelte Liefergarantie von 15 Jahren. Diese garantiere eine Vorausmitteilung von eben diesen 15 Jahren bezüglich einer allfälligen Stilllegung des Gasleitungsnetzes oder Teile davon, wie Kurt Roth ausführt. Würde sich die Firma beispielsweise 2025 dazu entschliessen die Gasversorgung einzustellen, bestünde eine Liefergarantie bis 2040.

Iris Isenschmid weist aber auch auf Folgendes hin: «Im Kontext der Energiestrategie kann es jedoch sein, dass Gasleitungen in gewissen Gebieten zurückgebaut werden müssen.» Die Auswirkungen des Volks-Ja am 21. Mai zur Energiewende kann also selbst die davon betroffene Firma heute noch nicht abschätzen.

Gaspreis wird weiter subventioniert

Der Verkauf der Gasversorgung spült Wiesendangen knapp eine Million in die Gemeindehaushaltskasse. Aber nicht nur das. Über die Jahre konnte auf einem Spezialfinanzierungskonto eine Reserve von aktuell 970‘000 Franken angehäuft werden. Mit diesem Geld hielt die Gemeinde den Gaspreis in den letzten Jahren künstlich tief auf 6,2 Rappen pro Kilowattstunde.

Der Gaspreis in Wiesendangen wird künftig steigen. Deshalb plant der Gemeinderat als Übergangsmassnahme, 450‘000 Franken aus der Spezialfinanzierung aufzuwenden, um den Gaspreis zu subventionieren und in den nächsten drei Jahren auf dem momentanen Niveau zu halten. Der Restbetrag der Reserven – 520‘000 Franken – soll nach dem Verkauf in den Gemeindehaushalt übergehen.

Nach der dreijährigen Übergangsfrist geht der Gemeinderat gemäss Kurt Roth von einem Preisanstieg von rund 300 Franken pro Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt aus. «Diese Preisanpassung nach oben wäre aber auch nötig, wenn die Gasversorgung nicht verkauft würde», so der Gemeindepräsident. Die Reserven wären ab dann so oder so aufgebraucht.

Die Wiesendanger entscheiden

Beide involvierten Parteien rechnen sich also Vorteile beim Verkauf der Gasversorgung Wiesendangen aus. Ob die Dorfbevölkerung gleicher Meinung ist, wird sich diesen Freitag zeigen.

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