Pechsträhne für Kebab-Familie geht weiter
Dieser Tage kann Mustafa Aydin nur noch eines: das Beste hoffen. Seine Familie führte 17 Jahre lang den Kebab-Stand Big Point. Den Platz an der Kempttalstrasse musste sie vor zwei Jahren verlassen, weil sie nur eine provisorische Baubewilligung hatte (wir berichteten). Dass drei Monate nach seiner Hochzeit das Aus für den Imbiss seiner Familie kam, traf Aydin tief.
Heute, zwei Jahre später, setzt sich die Pechsträhne fort: Im Sommer wollte die Familie einen Kebab-Take-away an der Bahnhofstrasse 2 eröffnen. Doch ein Nachbar reichte Rekurs gegen die Baubewilligung ein. Die Einwände betreffen unter anderem allfällige Lüftungs- und Abfallprobleme. Bis zu sechs Monate kann es dauern, bis der Entscheid über den Rekurs gefällt wird und die Familie weiss, wie es weitergeht.
Zusammen mit zwei Schwagern
Aydin hat die Liegenschaft für zehn Jahre gemietet – unter Vorbehalt. Erst wenn die Baubewilligung vorliegt, zahlt die Familie Miete. «Zum Glück haben wir uns abgesichert», sagt der 28-jährige Fehraltorfer. Er hofft, dass die Einwände des Nachbarn schnell für nichtig erklärt werden. «Es wird Zeit, dass die Fehraltorfer wieder unseren Kebab essen können.»
Den Neustart haben sich er und seine beiden Schwager Saban und Eyup Kesti unter dem Namen «Aykes» vorgestellt, eine Wortschöpfung aus ihren Nachnamen. Seit sie den «Big Point» schliessen mussten, hat Fehraltorf jedoch zwei neue Kebab-Angebote bekommen: Senay und Ümit Taskale haben sich ebenfalls an der Bahnhofstrasse niedergelassen und verkaufen neben Pizza auch Kebab. Und auf dem langjährigen Platz des «Big Points» an der Kempttalstrasse baute der Kebab-Riese Royal Döner ein Lokal.
Kebab-Konkurrenz
«Drei Kebabs in Fehraltorf ist einer zu viel, denke ich», sagt Aydin. Er ist zuversichtlich, dass sich der Take-away seiner Familie durchsetzen wird. «Die Konkurrenz hat mich nicht überzeugt.» Mit dem Fleisch hebe sich zwar keiner der Kebabs ab. «Die Lieferanten sind mehr oder weniger die Gleichen.» Umso wichtiger seien das Brot und die Sauce – «und da könnten die beiden noch einen Zahn zulegen».
Die «Aykes»-Sauce ist eine Spezialität von Aydins Vater. Er führt in Aarau einen Kebab-Imbiss. «Das Saucen-Rezept ist ein grosses Geheimnis», sagt Aydin. «Verwandte haben meinem Vater schon 10’000 Franken dafür geboten. Doch er blieb eisern.»
Süleyman Polat, dessen Familie das Royal-Döner-Lokal führt, lässt sich vom angekündigten Comeback der langjährigen Kebab-Familie nicht aus der Ruhe bringen. «Wir sind überzeugt, dass unsere qualitativ hochwertigen Produkte und die Kundenfreundlichkeit von unseren Kunden sehr geschätzt werden. Und auf diese Stärken konzentrieren wir uns weiterhin», sagt Polat. Generell sei jedoch jede Konkurrenz ernst zu nehmen.
Expansion auf einen Schlag
Die Familie Aydin und Kesti hat nun erst mal Zwangspause. In der Zwischenzeit hilft Mustafa Aydin seinem Vater ab und zu in Aarau aus. Ausserdem hat die Familie noch in Rüti am Bahnhof eine Liegenschaft gefunden. Weil sich in Fehraltorf so lange nichts ergeben hatte, haben sie nach einer Alternativgemeinde für ihren Kebab-Imbiss gesucht – und stehen nun mit zwei Liegenschaften und damit zwei Kebab-Standorten da.
Die Bauausschreibung für den Umbau in der Rütner Zentrumszone wurde im April publiziert. Doch auch in Rüti stocken die Pläne für den Take-away, sagt Aydin. «Dort haben wir ein Problem mit dem Denkmalschutz», sagt er und seufzt. Der Take-away ist in einem Denkmal geschützten Gebäude am Bahnhof geplant.
Auf der Gemeinde heisst es, dass das Projekt bisher nicht hinreichend geprüft wurde, da die letzten erforderlichen Unterlagen dem Bauamt erst diese Woche nachgereicht wurden. Nun stünde der Bearbeitung aber nichts im Wege. «Hoffentlich klappt es bald an einem der beiden Orte», sagt Aydin.