Wenn aus Gästen Wirte werden
«Wir waren nervös, denn wir wussten nicht, wie die Stammgäste auf uns reagieren werden», erinnert sich Melanie Honegger an die ersten Tage im eigenen Lokal. Eröffnet wurde das Restaurant Platane Mitte Mai. Um die Abläufe kennenzulernen und sich ein wenig zu akklimatisieren, gab es zunächst eine Pizzawoche. Mittlerweile herrscht Normalbetrieb. Und auch die Sache mit der Akzeptanz hat sich geklärt, freut sich Melanie Honeggers Mann Dennis, der Geschäftsführer: «Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten.»
Genug vom Pendeln
Dennis Honegger ist kein Neuling in der Gastrobranche. Seit fünf Jahren betreibt er in Rüti einen Pizzakurier. Doch das ewige Pendeln zwischen Arbeits- und Wohnort wurden dem Greifenseer mit der Zeit zu viel. «Es war Stress pur: Zwei Mal pro Tag hin und zurück, da kamen fast hundert Kilometer zusammen», rechnet er vor. «Und dann noch die Arbeitszeiten bis spät nachts – da habe ich meine Familie kaum noch gesehen.» Kurz vor einem Burn-out, kam ihm das Angebot gerade recht, in dem Lokal als neuer Geschäftsführer zu walten.
Zuvor hatte das Ehepaar Gino und Elvira Ramadani in dem Restaurant gewirtet, das damals noch «Toscana» hiess. Die Ramadanis hatten mediale Aufmerksamkeit erhalten, weil Bedürftige gratis bei ihnen essen durften. Doch die Aktion bedeutete eine grosse finanzielle Belastung. Und zuletzt wurde die Grosszügigkeit immer häufiger ausgenutzt, was das Wirtepaar neben anderen Gründen dazu bewog, das Restaurant aufzugeben.
Keine Gratispizzas
Gratisessen wird es in der «Platane» nicht mehr geben. «Wir müssen jetzt erst einmal unser Geschäft aufbauen», sagt Dennis Honegger. Später könne man sich immer noch überlegen, allenfalls einmal pro Woche eine Aktion mit verbilligten Pizzas zu machen. Seit dem Wirtewechsel habe noch niemand wegen einer Gratismahlzeit angefragt.
Das Lokal sei ein Glücksfall, sagt Melanie Honegger. «Wir wohnen gleich in der Nachbarschaft, waren Stammgäste und haben auch einen Hochzeitstag hier gefeiert.» Die Gastronomie wollen die Honeggers nicht neu erfinden. Es gibt nach wie vor italienische Spezialitäten mit Fokus auf Neapel, von wo Dennis Honeggers Mutter herkommt. Eine neapolitanische Spezialität seien zum Beispiel Spaghetti Polpette, also mit Hackbällchen, bei denen sich auch schon Susi und Strolch im gleichnamigen Disneyfilm nähergekommen sind.
Rezepte sind Staatsgeheimnisse
Besonders stolz ist Dennis Honegger auf seine Pizzas, die man so ansonsten nirgends bekomme. Und auch sein Tiramisu sei anders als die anderen. Sein Geheimrezepte will er aber nicht verraten. «Sonst wird es gleich nachgemacht.» Das habe er schon einmal bei seinem Pizzakurier in Rüti erlebt: Einmal etwas zu viel ausgeplaudert – und schön habe es die Konkurrenz kopiert. Auch den Namen seines Glacelieferanten hütet er wie ein Staatsgeheimnis.
Einige Änderungen gibt es bei der Ausstattung des Lokals. So wird der Garten neu möbliert, der Innenbereich soll neu mehr dazu einladen, einfach mal auf ein Getränk einzukehren, und das Eichhof-Schild am Eingang verschwindet, da es beim Bier eine neue Hausmarke gibt – «auf vielfachen Wunsch der Gäste», sagt Melanie Honegger.
Spielecken für die Kleinen
Für das Ehepaar ist es wichtig, ein kinderfreundliches Restaurant zu führen. Die kleinen Gäste bekommen eine eigene Karte, ein Ausmal-Tischset und dürfen sich draussen und drinnen in der Spielecke vergnügen. «Es wird auch niemand gleich reklamieren, wenn Kinder mal im Restaurant herumrennen», sagt Dennis Honegger und lacht, «es sei denn, sie betreten die Küche.» Melanie Honegger sieht darin auch eine Marktlücke. «Im Austausch mit anderen Müttern habe ich festgestellt, dass viele ein Restaurant vermissen, in dem ihre Kinder willkommen sind.»