Divertimento-Tickets: Wir habens geschafft!
Es gibt im Schweizer Showgeschäft wohl kein Act, der gegenwärtig mehr zieht als die Komiker von Divertimento. Der gebürtige Greifenseer Manu Burkart und sein Bühnenpartner Jonny Fischer füllen auch mit ihrem seit letztem Herbst laufenden Programm «Sabbatical» problemlos alle Konzerthallen und Eventhalls, in denen sie auftreten. Bislang habe ich mich am Balgen um Tickets jeweils nicht beteiligt. Zu aussichtslos, zu aufwändig, zu hektisch schien mir das Unterfangen.
Ziel: zwei Tickets für Dübendorf
Doch heute setze ich mich dem Stress und dem Ticketfieber aus. Für die zweite Tranche an Shows ab Herbst 2017 will ich mir zwei Karten unter den Nagel reissen. Am liebsten wäre mir die Samsung Hall in Dübendorf, wo die beiden Anfang Oktober auftreten. Nur: Wie gehe ich am besten vor?
Möglichkeiten gibt es viele: Online-Vorverkauf, Telefon, Vorverkaufsstellen von Starticket. Man könne nicht pauschal sagen, welche Methode die beste sei, lassen Divertimento auf Facebook verlauten. Na gut, dann versuche ich es mal mit zweien gleichzeitig. Ich erstelle ein Konto bei Starticket und logge mich in drei verschiedenen Internetbrowsern ein. Gleichzeitig werde ich beim Start um 12 Uhr zum Hörer greifen. Weil Tickets für die Dübendorfer Shows auch bei Ticketcorner erhältlich sind, will ich zwei Hotlines gleichzeitig anrufen.
Ich gelange in meinen Vorbereitungen am Computer erst einmal zu drei Fenstern, die mir ankündigen, dass ich in einer Warteschlange gelandet bin. Dort wird mir ein zufälliger Platz zugewiesen. Irgendein Algorithmus wird dann ab 12 Uhr minütlich bestimmen, ob ich zum Zug komme oder nicht. Etwas nervös macht mich der Countdown bis zum Vorverkaufsstart. Aber so verpasse ich immerhin den richtigen Zeitpunkt für meine Telefonate garantiert nicht.
Das Social-Media-Management des Cabaretduos verdient sich gute Noten. Auf Facebook gibt es auf jede Frage von besorgten und schon leicht panischen potenziellen Käufern eine Antwort. Fragen, die sich wiederholen, werden kurzerhand noch einmal beantwortet. So erfahre ich unter anderem mehrfach, dass ich maximal 6 Tickets aufs Mal bestellen kann. Doch so viele will ich ja gar nicht, zwei reichen mir völlig.
Langsam zähle ich die Minuten bis zum mittäglichen Glockenschlag. Meine Telefone sind bereit, die Nummern habe ich mir vorsichtshalber noch einmal auf einem Notizzettel aufgeschrieben.
Los geht's!
Um Punkt 12 Uhr wähle ich die beiden Nummern, eine auf meinem Handy, eine auf dem Bürotelefon. Gleichzeitig prüfe ich meine zwei PC-Bildschirme.
«Bei Starticket sind alle Leitungen besetzt. Versuchen Sie es später noch einmal», wird mir entgegengeflötet. Na gut, ich bleibe dran. Bei Ticketcorner kommt einfach ein Besetztzeichen.
Ein Blick auf die Bildschirme und die nichtssagende Meldung: «Sie sind an der Reihe in: mehr als einer Stunde». So weit, so schlecht. Ich dachte, ich käme vielleicht sogar sofort zum Zug.
Planänderung nach einer Viertelstunde
Nach 5 Minuten Wartezeit taucht im Fenster eines meiner drei Browser ein Hoffnungsschimmer auf. In nun noch 49 Minuten sei ich an der Reihe, heisst es da. Aber Moment mal: Sind die Tickets dann nicht normalerweise schon ausverkauft? Und sollte die Anzahl Minuten nicht zurückgehen? Stattdessen steigt sie auf 51, geht zurück auf 50 ... nein, grosse Hoffnungen mache ich mir nicht mehr. Die anderen beiden Fenster erklären mir immer noch, dass ich noch über eine Stunde Geduld aufbringen soll.
Ich ändere meinen Plan um 12.15 Uhr und gehe zur nahegelegenen Post. Sicher wissen die irgendeinen Kniff und können mir Tickets verschaffen. Doch als ich den kurzen Weg zurückgelegt habe, stehe ich vor verschlossenen Türen. Natürlich, die Post am Bahnhof schliesst über Mittag und öffnet erst wieder um 13.45 Uhr. Dann ist es aber mit Sicherheit schon zu spät. Frecherweise hängt am Eingang ein Zettel, der mich auf den Top Event Divertimento und den Vorverkaufsstart hinweist. Na toll.
Online-Verkauf muss es richten
Ganz aufgeben will ich, zurück in der Redaktion, natürlich noch nicht. Noch 31 Minuten, und ich kann vielleicht doch noch meine Tickets buchen. Das eifrig marschierende Männchen auf meinem Bildschirm hat schon eine ansehnliche grüne Spur hinter sich zurückgelassen. Meine Zeit in der Warteschlange geht langsam zurück.
Und siehe da, plötzlich sind es nur noch 21 Minuten! Das war jetzt aber ein Sprung, den ich nicht erwartet hätte. Geht da tatsächlich noch was? Die anfänglich angekündigten 49 Minuten würde ich toppen, wenn die jetzige Zeitangabe tatsächlich stimmt.
Auch bei den anderen Browsern ist jetzt etwas gegangen. Noch 29 beziehungsweise 37 Minuten soll ich dort warten. Ständig drücke ich auf Rufwiederholung bei meinen beiden Telefonen, ohne Erfolg.
Der Durchbruch
Sechs Minuten vor dem Ablauf des Countdowns stockt das Ganze wieder. Und dann, um 12.45, bin ich im Buchungstool drin!
Ich habe es geschafft. Doch jetzt kommt die nächste Herausforderung: Für die Shows in Dübendorf gibts scheinbar keine Tickets mehr. Ein einzelnes, das mir angezeigt wird, will ich nicht. Ich klicke mich wahllos weiter durch die anderen aufgeführten Daten. Und siehe da: Für den 5. Juni 2018 in der Messehalle in Basel gibt es noch zwei freie Plätze, sogar nebeneinander. Ohne gross nachzudenken schlage ich zu. Geschafft! Der Beweis:
Ganz ehrlich: Daran habe ich nicht mehr geglaubt. Doch die Beharrlichkeit hat sich am Schluss doch noch ausgezahlt. Ich reise jetzt zwar ans Rheinknie statt nach Dübendorf, und das erst in über einem Jahr, doch was solls. Vielleicht sind die Basler ja doch besser als ihr Ruf, und Divertimento bleiben Divertimento.