Politik

Winterthurer Partyangebot für 16-Jährige schrumpft

Nach dem anstehenden Aus des Halli Gallis in Winterthur sind die Ausgangsmöglichkeiten für 16-Jährige eingeschränkt. Die Betreiber von anderen Clubs sehen in der Einlasskontrolle und im Jugendschutzgesetz die grössten Schwierigkeiten.

Die Partyangebote für Minderjährige sind in Winterthur nur mässig vorhanden. (Bild: tas)

Winterthurer Partyangebot für 16-Jährige schrumpft

Das Ausgangslokal Halli Galli in Winterthur schliesst seine Türen. Dies bestätigte der Besitzer auf Anfrage («Stadi» vom 6. April). Es sei noch unklar, zu welchem Zeitpunkt, aber eine umgebaute Location und ein neues Konzept seien angedacht. Dieses wird vermutlich keine Partys für 16-Jährige mehr beinhalten.

Das Halli Galli war jedoch gerade für diese Altersgruppe ein beliebtes Ziel am Wochenende. Aufgrund der Schliessung stellt sich nun die Frage: Wohin mit den 16-Jährigen? In vielen Partylokalen ist das Eintrittalter auf 18 Jahre oder höher angesetzt. Minderjährige werden strikt abgewiesen.

Erste Erfahrung mit Alkohol ist problematisch

Hänse Schegg, General Manager des Boleros, kann dies gut nachvollziehen. «16-Jährige können grossen Ärger und Umtriebe verursachen. In diesem Alter macht man erste Erfahrungen mit Alkohol. Die Umsätze sind niedrig, da oft vorkonsumiert wird. Dazu verläuft die Ausweiskontrolle nicht immer ganz ohne Schwierigkeiten», so Hänse Schegg.

Deshalb erhalten Partygänger fürs Bolero, direkt beim Bahnhof Winterthur, erst ab 21 Jahren Einlass. «Diese Altersgruppe ist meist schon reifer und ausgabefreudiger. Sie ist berufstätig, verdient Geld und hat ihre ersten Erfahrungen im Partyleben und mit Alkohol bereits gemacht», begründet er.

Mehr Qualität statt Quantität

Roland Mages, Geschäftsführer der Albani Music Club AG, sieht in den fehlenden Ü-16-Partys ein Nischenprodukt.

«Meiner Meinung nach sollte das Angebot bestehen bleiben. Qualität sollte aber vor Quantität stehen – Jugendliche in diesem Alter sollten nicht jedes Wochenende nur ans Feiern denken.» In der Albani Bar sind alle Altersgruppen willkommen. Dort werde das Jugendschutzgesetz in Bezug auf die Getränke strikt eingehalten.

Wenn der Club um 23 Uhr öffnet, wird eine Ausweiskontrolle durchgeführt. «Meist sind zu diesem Zeitpunkt aber keine Minderjährigen mehr vor Ort», weiss Roland Mages.

Musik vor Alter
Anders sieht die Situation im Kraftfeld Winterthur aus. Bei den meisten Anlässen beträgt das Mindestalter 16 Jahre. Claudio De Boni, Mitverantwortlicher des Kraftfelds, begründet dies wie folgt: «Wir machen keine Partys für ein bestimmtes Alter, sondern für musikalisch interessierte Gäste.»

Ausserdem würden sich die Besucher fast immer benehmen und sehr wenig Probleme machen – egal wie tief oder hoch der Altersdurchschnitt sei.

Party für Minderjährige als fester Bestandteil

Auch im Salzhaus Winterthur nimmt man sich der 16-Jährigen an. Die Konzerte sind generell ohne Altersbeschränkung. Zudem veranstaltet die Winterthurer
Location einmal im Monat die Partyreihe «Was isch Winti», die sich gezielt auf 16-Jährige richtet.

«Diese ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil unseres Programms. Wir wollen abwechslungsreiche Events anbieten, für alle Altersgruppen», erklärt Kajo Böni, Mitglied der Geschäftsleitung. Die grössten Schwierigkeiten hätten sie mit den Jugendschutzbestimmungen.

«Wir wollen und müssen verhindern, dass Minderjährige an Spirituosen gelangen. Diese Gäste erhalten ein anderes Eintrittsbändchen wie die Volljährigen. So kann das Barpersonal unterscheiden, wer was erhalten darf», erklärt Kajo Böni. Shots müsse man an der Bar trinken. Dadurch gelangten sie nicht an Minderjährige.

Anstrengende Einlasskontrollen

Auch in anderen Lokalen hängen die meisten Probleme mit den Altersbestimmungen zusammen. Hänse Schegg vom Bolero: «Jedes Wochenende versuchen unter 21-Jährige in den Club reinzukommen. Das kann für die Türsteher sehr anstrengend sein», meint er.

Auch beim Albani Music Club versuchen Gäste, sich älter zu machen. «Manchmal ist es schwer zu unterscheiden, ob der Ausweis wirklich von der Person stammt oder von der älteren Schwester ist», so Roland Mages.

Claudio De Boni vom Kraftfeld sieht eher in der Party-Grossstadt Zürich ein Problem: «Oft wünschen wir uns dieses Zürich weg. Es lockt auch Winterthurer Gäste an. Feiern kann man hier genauso gut. Wenn nicht sogar besser», ist er sich sicher.

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