Endstation Sennhof – S11 fährt nicht bis Wila
Mehr Züge, bessere Verbindungen, neue Linien – der übernächste Fahrplanwechsel im Dezember 2018 bringt für die Benutzer des öffentlichen Verkehrs einige Veränderungen. Grösstelteils können diese als Aufwertung des Angebotes verstanden werden. Aber nicht unbedingt im Tösstal. Zwar erhält Wila mit der neuen S11 eine direkte und schnelle Verbingung nach Zürich. Indessen nicht so häufig wie ursprünglich kommuniziert worden war.
Die IG Tösstallinie, die für die bessere Anbindung der Tösstallinie an das ÖV-Netz kämpft, ist deshalb erneut aktiv geworden. Im Zuge der öffentlichen Auflage der Fahrplanentwürfe für die Jahre 2018 und 2019 hat man gleich mehrere Einwendungen eingereicht.
Gute Entwürfe…
Dabei ist man bei der IG Tösstal nicht unzufrieden mit den jetzt aufgelegten Fahrplanlösungen. «Insgesamt sind das sehr gute Entwürfe», räumt IG-Präsident Ralf Wiedenmann denn auch ein. «Sehr erfreulich ist, dass nun die neue S11 bereits ab Dezember 2018 auch in Rikon hält. Bisher war vorgesehen, erst nach einjähriger Testphase zu überprüfen, ob die S11 ab Dezember 2019 in Rikon halten könne.»
… aber Versprechen nicht gehalten
Trotzdem ist Wiedenmann nicht wirklich glücklich: «Die sprichwörtliche Kröte, die man nun schlucken muss ist die Tatsache, dass die neue S11 Aarau – Zürich Hauptbahnhof – Stadelhofen – Winterthur – Sennhof-Kyburg nur in den Hauptverkehrszeiten bis nach Wila geführt wird und ansonsten bereits in Sennhof-Kyburg wendet.»
Seit 2010 sei die neue S11 in der Netzgrafik stets als ganztätiges Angebot bis Wila angepriesen worden, schreibt die IG in ihrer Begründung zu ihren Einwendungen. Im Herbst letzten Jahres habe man dann plötzlich eine neue Version dieser Netzgrafik ins Internet gestellt – mit einer abgespeckten S11. «Damit werden sämtliche Pendler, die beispielsweise ihren Wohnortentscheid von dieser Netzgrafik abhängig gemacht haben, enttäuscht. Die Fahrgäste aus dem Tösstal verlieren damit untertags nicht nur die versprochene stündliche umsteigfreie Verbindung nach Zürich, sondern auch den attraktiven stündlichen Anschluss nach Zürich-Oerlikon.»
Auch aus betrieblicher Sicht kann die IG die Entstation Sennhof-Kyburg nicht nachvollziehen: Durch das vorzeitige Wenden der S11 in Sennhof-Kyburg könne kein Fahrzeug eingespart werden. «Die S11 kommt aus Zürich in Sennhof zur Minute 05 an und fährt zur Minute 52 wieder ab, hat also 47 Minuten Aufenthalt. Sie könnte in dieser Zeit wie in den Hauptverkehrszeiten bis Wila weiterfahren, und dort wenden mit einer Aufenthaltszeit von 19 Minuten.»
S26 bis Rapperswil verlängern
Auch zu weiteren Bahnverbindungen hat die IG Tösstallinie Fahrplanbegehren eingereicht. Die S26 Winterthur – Bauma – Rüti erhält ab Dezember 2018 einen exakten Halbstundentakt von Winterthur bis Rüti und umgekehrt. In Rüt aber ist Endstation. Die IG schlägt nun vor, dass nach der Fertigstellung der Umbauarbeiten am Bahnhof Rapperswil im nächsten Dezember die S26 von Rüti nach Rapperswil verlängert wird. Vor der Einführung der S15 sei die S26 bis Rapperswil gefahren und habe dort den Anschluss an den Voralpen-Express in Richtung Luzern und in Richtung St. Gallen gewährt, argumentiert die IG.
In Rüti betsteht zwar der Anschluss zwischen der S26 und der S5 nach beziehungsweise von Rapperswil, aber nicht mehr an den Voralpen-Express in Rapperswil. «Damit bleiben das obere Töss- und Jonatal von sehr attraktiven Verbindungen zur Zentral- und Südschweiz abgeschnitten», hält die IG fest. «Fahrgäste zwischen Rikon und Wald müssen für diese Verbindungen den zeitraubenden und vor allem kostspieligen Umweg über Zürich nehmen.» Die IG Tösstallinie glaubt, dass eine Verlängerung auch für den ZVV und die SBB von Vorteil wäre, weil so die Verkehrsknoten Zürich und Winterthur entlastet würden.
Weiter schreibt die IG, dass man diese attraktiven Verbindungen am liebsten täglich hätte, vorstellen könnte man sich aber aber auch einen Kompromiss: «Als Zwischenschritt bei knappen Mittel sollte diese Verbindung zumindest an Wochenenden und Feiertagen, an welchen der Freizeitverkehr bedeutender ist, angeboten werden.» Ein zusätzliches Fahrzeug würde nicht benötigt, da die S26 hat derzeit in Rüti 23 Minuten Aufenthalt habe, was für die Fahrt nach Rapperswil ausreichen würde.
Frühzug für Fahrgäste öffnen
Ausserdem verlangt die IG Tösstallinie für den Fahrplan zu prüfen, ob als Vorlauf zum Fahrplankonzept ab Dezember 2018 nicht schon ab Dezember 2017 eine S26 von Bauma ab 5:04 in Richtung Winterthzur verkehren könnte. Viele Lehrlinge hätten einen Arbeitsbeginn um 6 Uhr morgens. Zahlreiche andere S-Bahn-Linien würden bereits zu solchen frühen Zeiten verkehren.
Zudem erkundigt sich die IG, ob ab Dezember 2017 eine zusätzliche S-Bahn ab Winterthur um 4:45 Richtung Rüti eingesetzt werden könnte. «Diese Verbindung verkehrt derzeit als Leerzug von Winterthur bis Bauma und wird erst ab Bauma Abfahrt um 5:22 Richtung Rüti an 5:48 für die Fahrgäste geöffnet. Dieser Zug kann daher praktisch ohne Zusatzkosten für Fahrgäste geöffnet werden.»
Anschluss sicherstellen
Und schliesslich bittet die IG abzuklären, ob die Abfahrtszeiten der S23 in Winterthur Richtung Zürich um zwei Minuten nach hinten verschoben werden könnten – dies, damit die Anschlüsse von der S26 gewährleistet wären: Mit dem exakten Halbstundentakt ab Dezember 2018 kommt die S26 zu den Minuten 17 und 47 an, die S23 wird neu zu den Minuten 18 und 48 abfahren, womit der Anschluss verpasst wird.
IG-Präsident Wiedenmann glaubt, dass man mit den Einwendungen durchaus Erfolg haben könnte. «Gerade was die S11 betrifft denke ich, dass wir schon gewisse Chancen haben, zumal im laufenden Verfahren in den Dokumenten stets von ganztätigem Verkehr bis Wila die Rede war.»
Aus Spargründen nicht bis Wila
Die neue S11 weckte im Tösstal berechtigte Hoffnungen, künftig eine direkte Bahnverbindung nach Stadelhofen und zum Zürcher Hauptbahnhof zu erhalten. Entsprechend gross ist die Enttäuschung, dass diese neue Verbindung nun nur zu den Hauptverkehrszeiten und nicht während dem ganzen Tag verkehren soll.
Thomas Kellenberger, der Leiter Kommunikation beim ZVV, erklärte gegenüber dem «Landbote», dass der Grund die Leistungsüberprüfung des Kantons sei. Der ZVV müsse Einsparungen von 120 Millionen Franken beisteuern. Ausschlaggebend seien die aktuellen Nachfragezahlen der S-Bahn im Tösstal gewesen, die in den letzten Jahren stagniert haben. «Mit einer integralen S11 würde also ein Überangebot geschaffen». mre
