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Usters Barszene wartet noch immer auf den Boom

Vor bald einem Jahr feierte in Uster das Pub «The Porter House» Eröffnung. Andere Wirte erhofften sich vom neuen Flagschiff der Ustermer Barszene einen positiven Effekt auf ihr Geschäft. Doch die Stadt ist für Gastronomen ein hartes Pflaster geblieben.

In der Zeughausbar hoffte man vom neuen «Porter House» zu profitieren. Doch ein positiver Effekt spürte man dort bislang nicht. (Bild: Christian Merz)

Usters Barszene wartet noch immer auf den Boom

Aus allen Nähten platzt das «Porter House» an diesem Montagabend zwar nicht. Aber das Besucheraufkommen kann sich um zirka 18.30 Uhr am aus trinkerischer Sicht wohl unattraktivsten Wochentag dennoch sehen lassen. Rund zehn Gäste finden sich im Raucherbereich gleich beim Eingang, knapp ebenso viele im Nichtrauchersektor. Auf den Flachbildschirmen werden Zusammenfassungen von Premier-League-Spielen gezeigt, aus den Boxen dröhnt mainstreamiger Südstaaten-Rock.

«Heute ist es eher ruhig hier, normalerweise läuft an einem gewöhnlichen Wochentag mehr», sagt Bar­keeper Pierre auf Englisch. Man weiss nicht so recht, ob er tatsächlich kein Deutsch spricht oder ob er etwas gar strikt dem in hiesigen Pubs üblichen Grundsatz nachlebt, mit der Kundschaft ausschliesslich auf Englisch zu parlieren. «Ja, es läuft gut für uns», sagt er.

Irrtum «Event-Zuschlag»

Wohin die Reise für das «Porter House» in Uster führen würde, war am Anfang alles andere als klar: Als das Pub im vergangenen April seine Türen öffnete, war der Aufschrei in Teilen der Ustermer Bevölkerung gross: «Dieser grossspurige Auftritt!» Und vor allem: «Diese Preise!» Nicht wenige trauerten dem weniger prätentiösen, aber günstigeren «Red Ochre Grill» nach. Der «Australier», wie er im Volksmund genannt wurde, war bis im Februar 2016 am selben Standort beheimatet. Das «Porter House» wollte sich von seinem Vorgänger mit einem gepflegteren Interieur und einer qualitativ hochwertigeren Speisekarte abheben.

Dies zog die entsprechenden Preise nach sich. Ein anfangs erhobener «Event-Zuschlag» trieb diese weiter in die Höhe. «Wir regis­trierten schnell, dass der Zuschlag in Uster schlecht ankam. Er wurde deshalb zwei Monate nach der Eröffnung wieder ab­geschafft», sagt Mitbetreiber An­dreas Gröbli. Auch dass die nicht eben billigen Fleischspezialitäten anfangs ganz zuvorderst auf der Speisekarte zu finden waren, habe die Leute «erschlagen», so Gröbli. Dabei biete das «Porter House» durchaus auch preiswerte Gerichte an.

Den Gastro-Kuchen aufgelockert

Trotz der anfänglichen Kritik: In den ersten Monaten sei das «Porter House» regelrecht überrannt worden. «Es krachte im Gebälk», sagt Gröbli. Bereits nach vier Tagen habe der Geschäftsführer ersetzt werden müssen. «Das Ganze war eine Nummer zu gross für ihn», sagt Gröbli. Nach fünf Monaten kam es zu einem Wechsel auf der Position des Küchenchefs. Seit her sei das Team mehr oder weniger gleich geblieben und mittler­weile auch gut eingespielt. «Das ‹Porter House› hat in Uster Fuss gefasst», sagt Andreas Gröbli.

Diese Einschätzung wird von Kennern der Ustermer Gastroszene bestätigt: «Ich finde das Pub eine Bereicherung für ­Uster», sagt Athanasios Dailianis, der Wirt des Restaurants Poseidon, zu dem auch eine Bar gehört. «Wenn ich früher in Ustermer Bars unterwegs war, sah ich mit der Zeit immer dieselben Gesichter. Das ‹Porter House› hat neue Leute angezogen, die nicht zu diesem Kuchen gehören», sagt Dailianis.

Weniger Junge

Reto Günthard, der Inhaber des Restaurants Chabis-Chäs.ch, verspürt im «Porter House» jeweils «Zürich-Feeling»: «Es ist eine schöne Bar, die man genauso gut in einer anderen, grösseren Stadt antreffen könnte. Wenn man dort ist, kann man sich ­vorübergehend vom Dorf Uster lösen», sagt er.

Zwei Effekte werden dem «Porter House» in Uster verschiedentlich nachgesagt. Erstens: Die Jugend sei seit der Eröffnung des neuen Pubs rund um den Bahnhof gastronomisch heimatlos geworden. Reto Günthard bestätigt dies: «Das Pu­blikum hat sich im Vergleich zum ‹Red Ochre› schon verändert. Ins ‹Red› kamen viele Junge, das ‹Porter› ist eher etwas für Neuerwachsene wie mich», sagt er und lacht. «Porter House»-Barkeeper Pierre widerspricht dieser Einschätzung nicht: «Ins ‹Red Ochre› kamen jeweils viele Junge, die eine Cola bestellten und dann drei Stunden blieben. Wir schielen da schon auf eine andere Klientel.» Die im Vergleich zum «Australier» höheren Preise könnten auch mit ­dieser Strategie zu tun haben, mutmasst er.

«Poseidon»-Wirt Dailianis glaubt, dass sich seit der «Porter House»-Eröffnung ein Grossteil der trinkenden Jugend in die Zeughausbar verschoben habe.

Zeughausbar: Kein Besucherrückgang

Eben diese Zeughausbar soll vom zweiten «Porter House»-Effekt betroffen sein. Es gibt in Uster das Gerücht, wonach sie Kundschaft verloren habe, seit am Bahnhof der neue Platzhirsch seine Zelte aufgeschlagen hat.

In der Zeughausbar präsentiert sich am selben Montagabend allerdings ein ähnliches Bild wie im «Porter House». Die Gästezahl ist ungefähr gleich hoch beziehungsweise niedrig. Nur wirken die Besucher auf der riesigen, offenen Fläche etwas verlorener als diejenigen im verschachtelteren «Porter House». Er sei in der Zeughausbar gelandet, weil er hier besser parkieren könne, sagt ein Gast. «Das hier ist in Uster der beste Laden unter schlechten», sagt ein anderer und meint dies nicht ganz ernst, wie er später ergänzt.

Zeughausbar-Geschäftsleiter Ueli Fritschi widerspricht den Gerüchten vom Besucherrückgang seit der «Porter House»-Eröffnung. «Wir haben auch gar nicht dasselbe Angebot. Wir sind eher eine Bar und ein Club, das ‹Porter House› ist eine Bar mit einem Speiserestaurant», sagt er. Missgünstig gegenüber der Konkurrenz ist er nicht: Von einem allfälligen Boom des «Porter House» könnte auch seine Bar profitieren, glaubt Fritschi. ­«Gäste aus dem ‹Porter› würden je nachdem für ein nächstes Bier weiterziehen und zu uns kommen.» Einen entsprechenden positiven Effekt habe er bislang aber noch nicht gespürt. «Vielleicht ist es dafür aber auch noch zu früh», sagt Fritschi.

«Uster ist am Einschlafen!»

Auch Athanasios Dailianis glaubt, dass «mehr Lifestyle» in Uster auch mehr Ausgang­publikum an die Stadt bindet. «So könnte man sich gegenseitig pushen», sagt er. Die Barszene in Uster – zu der auch seine «Poseidon»-Bar sowie die Hölzlibar des Restaurants Frieden an der Zentralstrasse gehört – sei durchaus gut. Leider aber auch sehr klein.

Vielmehr als die gegenseitige Konkurrenz ist dieser Umstand das Hauptproblem, mit dem sowohl Ustermer Gastronomen als auch auch deren Gäste zu kämpfen haben. «Viele Bars und Restaurants machen es nicht schlecht. Aber Uster ist am Einschlafen!», schimpft ein Gast in der Zeughausbar. «Ich würde es begrüssen, wenn hier noch ein wenig mehr laufen würde», meint ein «Porter House»-Besucher.

Vorbild Starbucks

«Ja, wir sind auf Kurs. Aber die Frage ist schon, was Uster überhaupt noch hergibt», sagt auch «Porter House»-Mitbetreiber Andreas Gröbli, wenn er nach den Perspektiven gefragt wird. Er und seine Kollegen wollen nun in erster Linie dafür sorgen, dass das «Porter House» auch im Sommer gut frequentiert wird. Denn während der heissen Monate sei im letzten Jahr am wenigsten ge­laufen. «Wir werden auf diesen ­Sommer hin unsere Glacé- und Kaffeekarte erweitern und wollen ein bisschen «Starbucks»-mässiger werden», sagt Gröbli. Er, aber auch seine vermeintlichen Konkurrenten hoffen, dass dieses vor allem in Städten verbreitete Konzept dazu beitragen wird, dass auch Usters Barszene etwas urbaner und kosmopolitischer wird.

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