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Neuer Notfalldienst für Kinder aus dem Oberland

Ab 1. April steht Oberländer Eltern ein Notfalldienst für ihre Kinder zur Verfügung. 23 Kinderärzte aus der Region beteiligen sich. Die Organisation des Diensts ist wohl nur eine Übergangslösung.

Eine der Initiantinnen des Notfalldiensts: Regula Neidhardt von der Kinderpraxis Floruster. (Bild: Seraina Boner)

Neuer Notfalldienst für Kinder aus dem Oberland

Noch nicht lange ist es her, da mussten Eltern um einen Termin beim Kinderarzt kämpfen. Regula Neidhardt, seit zwölf Jahren Kinderärztin in Uster, erinnert sich, dass einst Eltern ohne Termin in ihrer Praxis ­erschienen, weil sie andernorts abgewiesen wurden. In den schlimmsten Fällen nahm diese Unterversorgung gefährliche Ausmasse an. Einmal seien ­Eltern unangemeldet mit einem fünf Wochen alten Baby mit Blut im Urin in ihre Praxis gekommen. «Es stellte sich heraus, dass es eine schwere Nierenerkrankung hatte.» Neidhardt überwies das Kind direkt ins Spital, wo es am nächsten Tag operiert wurde.

In den letzten Jahren hat sich die Situation jedoch entschärft. Verschiedene Kinderärzte siedelten sich in der Region an. Nun sind diese sogar in der Lage, ­gemeinsam ab 1. April einen ­pädriatischen Notfalldienst zu betreiben. Dieser ist für akute, nicht lebensbedrohliche Krankheiten und kleinere Verletzungen gedacht. Schwer kranke ­Kinder werden hingegen direkt in die Notfallstationen des ­Spitals verwiesen. Per Notfalltelefon wird dabei eine Triage gemacht (siehe Box).

Weniger steril und günstiger

Die Behandlung im persönlichen Rahmen einer Kinderarztpraxis sei für Kinder angenehmer als in der sterilen Atmosphäre eines Spitals, so Neidhardt. «Sie ist ­weniger angstbesetzt und ausserdem auch kosteneffizienter», sagt sie. Der spezifisch kinderärztliche Notfalldienst habe ­zudem zum Vorteil, dass er die ohnehin gut besuchten Notfallstationen des Spitals entlaste.

Neidhardt betont ausserdem, dass der hausärztliche Notfalldienst nicht konkurriert werden soll. «Eltern und Kinder dürfen natürlich weiterhin auch diesen Dienst in Anspruch nehmen», sagt sie, «wir freuen uns über alle Kollegen, die mit uns an einem Strang ziehen.» Insbesondere stellt das Angebot der Kinderärzte aber auch eine Alternative zur Fahrt in die Permanence – etwa diejenige in Zollikerberg oder in Zürich – dar.

Wohl nur Übergangslösung

Während in anderen Regionen (zum Beispiel Pfannenstiel oder linkes Zürichseeufer) ein solcher Notfalldienst schon seit einiger Zeit gang und gäbe ist, dauerte der Aufbau im Oberland meh­rere Jahre. «Wir sind stolz, dass uns dies nach jahrelangen Bemühungen endlich gelungen ist», so Neidhardt.

Insgesamt 23 Kinderärzte aus 13 Praxen beteiligen sich im ­Turnus am Dienst. Für das Vorhaben wurde im vergangenen Dezember ein Verein gegründet, dem Neidhardt als eines von vier Vorstandsmitgliedern angehört. Allerdings ist wahrscheinlich, dass die jetzige Organisation des neuen Diensts von kurzer Dauer ist. Denn es ist geplant, dass es für den pädiatrischen Notfalldienst schon ab 2018 eine kantonale Regelung geben soll.

Triage am Telefon

Für die jungen Patienten und ihre Eltern spielt dies aber keine Rolle. Ab 1. April ist das regio­nale Notfalltelefon in Betrieb – und wird es auch bleiben. Eltern können über die zentrale Telefonnummer 0900 144 000 (CHF 3.15 pro Minute) einen Termin für ihre Kinder zwischen 0 und 16 Jahren vereinbaren. Der Service steht von 8 bis 20 Uhr zur Verfügung. In der Nacht ist wie bis anhin die Notfallstation der Kinderklinik in Winterthur zuständig. Am Telefon erfolgt eine Triage. Gemeinsam wird entschieden, ob ein Termin beim Notfall-Kinderarzt oder doch besser gleich der Gang auf die Notfallstation des Spitals das Richtige ist.

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