Kletterpark ist weg: Bekommen Golfer nun ihren Platz zurück?
Noch heute verspricht die Migros in ihrer Werbung: Golf für alle. 2013 brach sie nach Ansicht von Dieter Eberle dieses Versprechen. Der 6-Loch-Golfplatz auf dem Gelände der Milandia in Greifensee wurde 2012 abgerissen und durch den «grössten Hochseilpark Europas» ersetzt. Die Migros versprach in einem Mediencommuniqué, der Platz werde nur verkleinert. Von der Ankündigung blieb nichts übrig: Die Migros errichtete den Hochseilpark, für die Golfer blieb lediglich der Abschlagplatz, die sogenannte Driving Range.
Kritik am Konzept
Die Kletteranlage war für bis zu 100 Besucher gleichzeitig ausgelegt. Auf dem Seilpark konnte fast alles beklettert werden. Von Elementen für Kinder in 1,5 Metern Höhe ging es bis auf 11,5 Meter hoch. Hangeln, hochziehen, balancieren. Da brauchte es mitunter viel Kraft. Für einige zu viel. «Die Parcours unterscheiden sich nur unwesentlich im Schwierigkeitsgrad. Leichte und schwere Elemente sind durchmischt», notierte ein User enerviert auf der Bewertungsplattform Tripadvisor.
Ein anderer User schrieb von nahezu unmöglich zu bezwingenden Hindernissen, und im Sommer kam hinzu, dass der Parcours an der prallen Sonne stand. Der Hochseilpark bekam zwar durchaus gute Bewertungen. Bei allem Positiven, bemängeln die Benutzer aber die happigen Preise von 40 Franken pro Person und die Abfolge des Parcours.
«Nicht den Erwartungen entsprochen»
Diese Faktoren könnten dazu geführt haben, dass die Besucher nach und nach ausblieben. Nach einem Jahr reduzierte die Migros die Öffnungszeiten am Abend. Hobby-Golfer Dieter Eberle aus Benglen schrieb damals in einem Brief an die Migros: «Der viel beschworene Boom ist offensichtlich bereits vorbei». Aber die Migros wolle nicht zugeben, dass der Park eine totale Fehlplanung war, und wandte sich an «Regio».
Eberle rechnete vor: Der Hochseilpark und die Driving Range hätten 2013 zusammen 500 000 Franken weniger eingebracht als die Golf Academy mit 6-Loch-Platz allein. Diese Zahlen seien ein offenes Geheimnis, sagte er damals zu «Regio». Die Milandia-Führung bezeichnete die Zahlen als falsch, wollte selber aber keine Zahlen nennen.
Nun wurde der Hochseilpark still und leise abgebaut. Der stellvertretende Zentrumsleiter Andreas Salim will sich nicht weiter zu den Gründen des Rückbaus äussern und verweist an die Migros-Genossenschaft Zürich. Pressesprecher Francesco Laratta sagt dazu: «Die Entwicklungen der Besucherzahlen haben nicht den Erwartungen entsprochen.» Zu den konkreten Zahlen will sich die Migros weiterhin nicht äussern.
Viel Personal und hohe Unterhaltskosten
Auf Tripadvisor gelobt wurde hingegen von allen Usern das freundliche Personal. Für den Betrieb der Anlage war viel Personal nötig. Die hohen Unterhaltskosten seien mit ein Grund gewesen für diesen strategischen Entscheid, so Laratta. Die Aushilfsverträge der meisten Mitarbeiter wurden nicht verlängert, und für die anderen Mitarbeiter wurde eine neue Aufgabe gefunden.
Eine gewisse Genugtuung verspürt Dieter Eberle, dass er recht behalten hat. «Aber Schadenfreude bringt uns nicht weiter», sagt er. Dass sich die Migros erneut auf die Floskel des strategischen Entscheids beruft, stört ihn. «Hinter dieser bequemen Formulierung kann man sich wunderbar verstecken. Da muss niemand die Verantwortung tragen», sagt er.
Die Migros schweigt
Trotz allem hofft Eberle, «durchaus eigennützig», wie er zugibt, dass die Migros ihre Entscheidung überdenkt und zum alten Konzept mit 6-Loch-Golfplatz zurückkehrt. «Ich würde sagen: Abwarten und Tee trinken. Bis 2018 passiert da sicher nichts.» Wenig überraschend, will sich die Migros nicht zum weiteren Projektverlauf und der alternativen Nutzung des Geländs äussern. Pressesprecher Laratta sagt lapidar: «Das ist ein laufendes Verfahren.»