Politik

Sprechstunde bei der Coiffeuse

Die Leute kommen nicht nur zum Haareschneiden in Denise Schläpfers Coiffeur-Salon in Bauma. Hier können sie auch über ihre Alltagssorgen reden. Für die Coiffeuse gehört das zu ihrem Beruf. Dieses Jahr feiert sie das 10-Jahr-Jubiläum.

In ihrem kleinen Salon in Bauma empfängt Denise Schläpfer seit zehn Jahren Kunden. Die meisten kennt sie persönlich. (Bild: Manuel Bleibler)

Sprechstunde bei der Coiffeuse

Der Coiffeur-Salon von Denise Schläpfer liegt etwas versteckt in einer kleinen Seitenstrasse im Baumer Dorfzentrum. Erst wenn man kurz davor steht, sieht man den blauen Schriftzug von Coiffeur Sky in der Fensterfront. «Geschadet hat mir diese Lage bisher nicht», sagt die Coiffeuse. Inzwischen ist es zehn Jahre her, seit sie an diesem Standort ihren eigenen Salon eröffnet hat.

Zurück zum alten Beruf

Aufgewachsen ist Denise Schläpfer in Saland, die Lehre als Coiffeuse machte sie in Bauma. Danach arbeitete sie in Winterthur und Zürich. «Im Alter von 29 Jahren hatte ich genug. Ich wollte etwas Neues ausprobieren.» Sie beschloss, die Handelsschule zu besuchen, und arbeitete anschliessend mehrere Jahre in einem Büro. «Irgendwann zog es mich aber doch wieder zu meinem alten Beruf zurück.»

Auch nach dem Wechsel ins Büro hatte sie das Haareschneiden nie ganz aufgegeben. «Anstellen lassen wollte ich mich aber nicht mehr», sagt sie. Darum habe sie sich nach einem eigenen Lokal umgeschaut.

Als Standort kam für Denise Schläpfer nur ihre alte Heimat Bauma in Frage. «Ohne Kundenstamm an einem neuen Ort anzufangen, ist schwierig», sagt sie. Die Beziehung zu den Kunden sei zentral. «Dennoch war ich anfangs nicht sicher, ob ich mich hier behaupten kann», sagt sie.

Schliesslich gab es im Dorf bereits einige Coiffeursalons. «Ich gab mir ein Jahr. So lange würde ich durchhalten können, falls die Kunden ausblieben.» Bald zeigte sich, dass sie sich umsonst Sorgen gemacht hatte. «Schon am Tag der offenen Tür kamen viel mehr Leute, als ich erwartet hatte. Es schlug ein wie eine Bombe. Seither hatte ich nie Kundenmangel.» Die anderen Salons im Dorf sieht Schläpfer darum auch nicht als Konkurrenz, sondern eher als Mitbewerber. «Ich wünschte mir, dass wir stärker zusammenarbeiten könnten. Manchmal vermittle ich Kunden an die anderen, wenn ich keine freien Termine mehr habe.»

Persönliche Kontakte

Denise Schläpfer kennt die meisten Kunden persönlich. «Viele kommen schon jahrelang zu mir», sagt sie. Mit der Zeit baue man so eine Beziehung auf. «Ich glaube, die Leute suchen das in letzter Zeit wieder vermehrt.» Viele Leute seien so beschäftigt, dass der Besuch beim Coiffeur als eine willkommene Auszeit wahrgenommen werde. «Die Leute erzählen mir viel Persönliches», sagt sie. Vielleicht habe das auch damit zu tun, dass in ihrem kleinen Salon keine anderen Leute seien. «Wenn man allein ist, trauen sich die Leute eher, offen zu sein.» Sie höre gern zu, sagt Schläpfer. «Für mich gehört das zu meinem Beruf.»

In all den Jahren als Coiffeuse habe sich vieles verändert. «Früher merkte man den Unterschied zwischen Land und Stadt viel stärker, was Mode und Frisuren angeht. Heute hat sich das angeglichen», sagt die Coiffeuse. Manche Dinge, die einst sehr beliebt waren, seien völlig verschwunden. «Früher hat man stärker gegen den natürlichen Haarwuchs geschnitten und frisiert. Aufdüpierte und steife Frisuren wie damals gibt es heute nicht mehr. Die Leute legen wieder mehr Wert auf Natürlichkeit.»

Kurse im Ausland

Um sich über die neusten Trends auf dem Laufenden zu halten, besucht Denise Schläpfer regelmässig Kurse – auch im Ausland. «Dieses Jahr gehe ich nach Mailand», sagt sie. Davon erhoffe sie sich neue Einflüsse und Ideen. «Ich habe mir von Anfang an geschworen, dass ich diesen Beruf nur so lange mache, wie ich bei den aktuellen Trends mithalten kann.» Bisher habe sie das geschafft. Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. «Ich hoffe, dass es die nächsten zehn Jahre so gut weiterläuft wie bisher.»

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