Freud und Leid auf dem Olymp
«Ich hatte den Gedanken, Flüchtlingen zu helfen, schon lange», sagt Yannik Sgaga. Der Wetziker wollte in seinen zweiwöchigen Ferien nicht nach Bora Bora oder in die Berge. Er wollte einen humanitären Einsatz leisten. Sein Engagement für andere kommt nicht von ungefähr. Im Januar 2012 war er an Bord der auf Grund gelaufenen Costa Concordia. «Wir wurden auf dem sinkenden Schiff im Stich gelassen», sagt Sgaga. So etwas sollte niemand erleben müssen.
«Ich wurde aber auch von meinen Eltern dazu erzogen, anderen Menschen zu helfen.» So hat er sich bei der Nichtregierungsorganisation «Boarder free Association» für einen freiwilligen Einsatz gemeldet. Er durfte für zwei Wochen im griechischen Flüchtlingscamp Petra, auf dem Olymp, mithelfen. «Ich habe dort Englisch unterrichtet, mit den Kindern gespielt und Fotos gemacht.» Er wisse derzeit noch nicht, was er mit den Bildern machen soll. «Das Gesehene liegt mir auf dem Magen», sagt der 24-Jährige. Der gelernte Fotograf hat sich auf Porträtaufnahmen spezialisiert.
Familie Vom IS getötet
Diese Leidenschaft hat er auf seinen vielen Reisen entwickelt. Dabei habe ihn interessiert, wie die Menschen in anderen Ländern leben. «In Asien lassen sich die Menschen ungern fotografieren», resümiert Sgaga. Vor zwei Jahren hat der in Bettswil aufgewachsene Fotograf, zusammen mit der Hilfsorganisation World Vision einen Kalender mit Menschen aus Asien entworfen.
Im Camp Petra, in dem Sgaga auch Fotos schoss, waren mehrheitlich Syrer und Iraker, die vor dem Krieg in ihren Heimatländern geflüchtet sind. «Da war ein 12-jähriges Mädchen aus Syrien. Sie ist allein geflüchtet, weil beide Elternteile vom IS umgebracht worden waren.» Sie sei allein mit dem Boot von der Türkei nach Griechenland gekommen. Sgaga erinnert sich auch daran, dass er jeden Mittag von einem anderen Flüchtling zum Essen eingeladen wurde. Einmal habe ihn ein älterer Herr in sein Zelt gebeten. Sein Telefon klingelte, es war seine Frau. «Ich bin in Deutschland», sagte sie. Der Mann habe sich über diese Nachricht sehr gefreut, die beiden wurden auf der Flucht getrennt, und er wusste nicht wo sie war, oder ob sie noch lebt.
Projekt Weltreise
Tagsüber fühlte sich Sgaga in Griechenland von der Arbeit abgelenkt, aber am Abend hatte er Zeit über das Gesehene nachzudenken. «Ich fragte mich immer, warum das alles?» Einen solchen Einsatz würde Sgaga jederzeit wieder leisten. «Ich fände es schön, wenn mehr Menschen helfen würden.» Der Wetziker arbeitet noch bis März als Verkaufsspezialist für Asien-Reisen bei Kuoni in Zürich. Dann bricht der 24-Jährige zu neuen Ufern auf. Er unternimmt mit seiner Freundin eine Weltreise. Auftakt wird Bangkok sein, das Ticket ist bereits gebucht.