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Hinwiler kämpft für gerechte Geldverteilung

Ein Geldsystem, von dem alle profitieren. Das ist die Vision von Tom Zbinden aus Hinwil.

«Gigantische Geldmengen»: Tom Zbinden, Präsident des «Swiss Peace System». (Bild: Christian Merz)

Hinwiler kämpft für gerechte Geldverteilung

«Auf unserer Erde sind ­gigantische Geldmengen vorhanden», sagt Tom Zbinden. «Wir müssen diese dringend sinnvoller fliessen lassen, um dadurch Gesundheit, Wirtschaft, Umwelt und Frieden ausgeglichen fördern zu können.» So steht es auch auf seiner Website, wo der Hinwiler seine Idee erklärt: Leute mit finanziellem Überschuss zahlen Geld auf ein Konto ein. Ende Monat wird das Geld an die gesamte ­Bevölkerung verteilt. Jeder entscheidet selbst, ob er es behält oder zurück in den Pott gibt.

«Alles geschieht auf freiwilliger Basis», sagt Zbinden. «Einzahlen tut nur, wer seines Erachtens viel zu viel Geld hat. So entsteht eine Art variables Grundeinkommen, bei dem, anstatt dass der Staat dafür aufkommen muss, alle freiwillig mithelfen können.» Was nach einer verrückten Utopie klingt, hat der 44-Jährige bis ins kleinste ­Detail durchgedacht. Sein Money-Flow-System soll die Realwirtschaft stärken und die Sozialsysteme entlasten.

Ergänzen, nicht ersetzen

Als Weltverbesserer willl sich Zbinden nicht verstanden wissen. «Ich will das jetzige Schweizer Geld- und Sozialsystem nicht verbessern – es ist bereits ausgereift. Ich will es nur ergänzen.»

Grund ist seine eigene Situation. Der Hinwiler hat ein ETH-Studium als Kulturingenieur abgeschlossen, arbeitete danach in der Informatikbranche. Als ein Start-up-Unternehmen, bei dem er neu angefangen hatte, bachab ging, verlor er seine Arbeit. Er hatte Gelegenheitsjobs, wurde vor zwei Jahren arbeitslos, ist mitt­lerweile ausgesteuert. «Ich habe x Bewerbungen geschrieben, aber es gab immer andere, die noch besser passten.»

Der 44-Jährige vertreibt Gesundheitsprodukte, verdient damit aber zu wenig, als dass der fünffache Vater seine Familie damit ernähren könnte. «Bald werde ich aufs Sozialamt gehen müssen, was mein absoluter Horror ist», sagt Zbinden. «Und wie mir geht es vielen. Es gibt dank Automation und Informatik immer weniger Jobs. So kann das nicht ewig weitergehen, das Sozialsystem ist ja heute schon ausgereizt.»

Im heutigen System gefangen

Deshalb will Zbinden in der Schweiz ein neues Geldflusssystem einführen. Die Idee ist, dass Private, Firmen, Organisationen und Behörden freiwillig überschüssiges Geld auf ein Konto einzahlen können. Von dort soll es dann monatlich gerecht an alle verteilt werden – je nachdem, wie viel auf dem Konto ist. Jeder kann von Monat zu Monat selbst entscheiden, ob er das Geld benötigt oder zur Verteilung im Folge­monat zurücklässt.

Die Vision klingt utopisch, aber Zbinden ist überzeugt, dass das System funktionieren kann. «Es werden sich sicher Leute finden lassen, die gerne geben, wovon sie viel zu viel haben. Es heisst nicht umsonst, dass Geben glücklich macht.» Die Idee vom Geldflusssystem stellte Zbinden bereits 2012 online, hatte aber bis jetzt keine Zeit, das System bekannter zu machen. «Ich bin in diesem heutigen System gefangen, wie so viele von uns. Und genau da möchte ich raus und auch anderen helfen, da rauszukommen. Ich möchte, dass wir alle mehr Lebensqualität haben.»

Bestätigt wird Tom Zbinden von einem namhaften Experten. Philipp Aerni ist Direktor des Zentrums für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit mit Sitz in Zürich. Dieses hat letztes Jahr die Konferenz zum bedingungslosen Grundeinkommen an der Universität Zürich organisiert. «Auf den ersten Blick finde ich die Idee des Money-flow-Systems toll», sagt Sozialwissenschafter Aerni. «Alles was auf freiwilliger Basis und im kleinen Kreis ausprobiert wird, sollte gefördert werden, denn es lassen sich daraus immer wertvolle Erkenntnisse für künftige Projekte gewinnen.»

«Eindenk- und Einfühlphase»

Bereits hat Tom Zbinden mit einem grossen Schweizer Finanzinstitut und der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma über sein Projekt gesprochen. «Die grobe Machbarkeit ist gegeben», sagt Zbinden.

Mit Referaten und Seminaren will er seine Idee bekannter machen. Diese sogenannte Eindenk- und Einfühlphase, wie Zbinden sie nennt, soll bis zu zehn Jahre dauern. «Die Leute brauchen Zeit, um umzudenken und sich mit der Idee anzufreunden – sie eben auch zu fühlen.» Um seine Website zu finanzieren und ein Informatik-Pilotsystem erstellen zu lassen, betreibt er momentan Crowdfunding.

Weitere Informationen zur Vision von Tom Zbinden finden Sie unter www.moneyflowsystem.ch.

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