Politik

Cornetti und Pasta in der Fabrik

Im Herbst haben Nino Sartorio und seine Mutter Anita in Rüti ein italienisches Restaurant mit urbanem Charme eröffnet. Nächste Woche können die Gäste im «Amici miei» dem Rütner Nachwuchskoch Sandro Zinggeler bei der Arbeit über die Schulter schauen.

«Die Gäste sollen sich fühlen wie bei Freunden.» Nino Sartorio mit «Mamma» Anita Sartorio in ihrem Restaurant Amici Miei in Rüti. (Bild: Patrizia Legnini)

Cornetti und Pasta in der Fabrik

Von aussen ist der Neubau an der Werkstrasse mitten in Rüti unscheinbar. Umso verblüffter ist der Gast, dass er drinnen im Lokal das Gefühl hat, von alten Gemäuern umgeben zu sein: Da gibt es hohe Sichtbetonwände, Fabrikfenster aus Schwarzstahl, Holzregale bis zur Decke und eine elegante Bar, wie man sie auch in italienischen Hotels antrifft.

Lange Holztische und alte Beizenstühle tragen ebenfalls ihren Teil zum Industrie-Chic bei, der perfekt ins Dorf und in dieses neue italienische Restaurant zu passen scheint: Die Einrichtung im «Amici miei» erinnert an die alten Zeiten, in denen die Gastarbeiter in den Rütner Maschinenfabriken Arbeit fanden.

Zwei Quereinsteiger

Nino Sartorio lacht, als er von diesen Überlegungen hört. Es stimme zwar, dass sein Grossvater väterlicherseits in einer Maschinenfabrik gearbeitet habe, wenn auch nicht in Rüti. «Aber es ging uns beim Einrichten vor allem darum, mit alten und neuen Sachen ein heimeliges italienisches Ambiente ohne viel Schickimicki zu schaffen. Die Gäste sollen sich so fühlen, wie wenn sie bei Freunden zum Essen eingeladen sind», sagt er.

Der 29-Jährige ist in Tann aufgewachsen, wohnt inzwischen aber in Zürich. Das Restaurant hat er im September mit seiner Mutter Anita eröffnet. Beide sind Quereinsteiger: Er hat an der Zürcher Hochschule der Künste studiert und nebenbei als Barkeeper gearbeitet, sie ist eigentlich Atem- und Körperpsychotherapeutin. «Nino mag szenige Cocktailbars in Zürich, und ich hatte schon immer den Wunsch, einen Treffpunkt für das ganze Dorf zu schaffen», sagt die 60-Jährige. «Und herausgekommen ist jetzt ein Restaurant.»

Keine Speisekarte

Während Mutter und Sohn im «Amici miei» zusammen die Gäste bewirten, steht Nino auch oft an der Bar und kümmert sich als Geschäftsführer um die Büroarbeit. Ein Barista, eine Servicefachfrau und Ninos Freundin gehen den beiden zur Hand, genauso wie Raffaella Andolfi. Die Köchin ist erst vor Kurzem aus Napoli in die Schweiz gereist und kocht an der offenen Kücheninsel vor den Augen der Gäste einfache italienische Gerichte.

Eine Speisekarte gibt es nicht, aber jeden Mittag kann zwischen einem vegetarischen Gericht und einem mit Fleisch ausgewählt werden. Abends gibt es Spezialitäten aus allen Regionen Italiens und Apéro-Häppchen wie in den italienischen Bars. Am Morgen werden zum Kaffee Cornetti mit Aprikosenmarmelade gereicht.

Restaurant und Delikatessenladen

Viele Zutaten bekommt die Köchin gleich um die Ecke. Im Fabrikgebäude hinter dem Restaurant lagert Mimmo Sartorio, Ehemann von Anita und Vater von Nino, die Delikatessen, die er seit sechs Jahren von Familienbetrieben und anderen kleinen Produzenten in Italien importiert und in der Schweiz an Spezialitätengeschäfte verkauft.

Einen kleinen Delikatessenladen führt die Familie selber: Gleichzeitig mit dem Restaurant hat sie im September im Altbau direkt gegenüber La Casetta dei Sapori eröffnet, das Häuschen des Geschmacks sozusagen. Drinnen gibt es eine Theke mit Salumi und Käse, daneben andere feine Sachen, aber noch ist der Laden im Dorf den wenigsten bekannt. «Wegen des Restaurants kommen wir im Moment leider gar nicht dazu, Werbung für ihn zu machen», sagt Anita Sartorio.

Die Arbeit wird Mutter und Sohn auch in der nächsten Zeit nicht ausgehen. Die beiden organisieren im «Amici miei» Weindegustationen, Konzerte und andere Anlässe. Nächste Woche ist es wieder so weit: Von Donnerstag bis Samstag zaubert der in Rüti aufgewachsene Nachwuchskoch Sandro Zinggeler den Gästen ein Fünf-Gänge-Menü auf die Teller. Wer ihm über die Schultern schauen möchte, hat bei den Sartorios Gelegenheit dazu.

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.