Politik

Eiszeit auf dem Rietliweiher

Ein Vergnügen der besonderen Art: Der zugefrorene Rietliweiher in Fischenthal hat sich in eine grosse Freiluft-Eisbahn verwandelt. Dank der Fronarbeit von Einheimischen präsentiert sich die Eisfläche in perfektem Zustand und sogar ein Schlittschuhverleih wurde eingerichtet.

Eiszeit auf dem Rietliweiher

Kaum habe ich das ZO/AvU-Redaktionsauto verlassen, werde ich schon bestürmt: «Sie müssen ihn unbedingt hervorheben. Er macht so viel – und das alles im Frondienst.» Die Frau, die das sagt, kommt mit ihrem Kind gerade vom Eisfeld, das Fischenthal quasi über Nacht erhalten hat, dem zugefrorenen Rietliweiher an seinem Dorfausgang.

100 Meter weiter, am Eisrand, dreht ihr Held gerade mit seinem Rapid eine Runde. Langsam bewegt sich Ernst Schoch durch die weisse Fläche aus ­Eisstaub, der sich durch die Schlittschuhkufen auf dem ganzen Weiher verteilt hat. Der Motor seines umgenutzten Mähers tuckert gleichmässig, während die Schruppwalze das weggewischte Material zur Seite bläst.

Spricht man ihn auf seinen Fan an, lacht der Mann herzlich. «Wie? Was hat die Frau gesagt?» Im Grunde stimme es aber schon, sagt der ehemalige Bauarbeiter, dessen Gesicht von der Arbeit an der frischen Luft ­gezeichnet ist. Er kümmere sich um den Schlittschuh-Weiher ganz freiwillig.

Alternative zum Skilift

Der 65-Jährige blickt auf die ­farbenfrohe Gruppe, die sich auf dem Eis tummelt: den Vater, der seiner Tochter die ersten Schritte auf den Kufen beibringt, das kleine Mädchen, das sich auf einem Plastikkissen über das Eis ziehen lässt und fast aus den Kurven schlittert, als vollführe es einen Powerdrift, die Kinder die sich mit Schneebällen beschiessen.

«Ich bin ein Kindernarr», sagt Schoch und zeigt stolz auf seine Enkeltochter, die gerade eine Runde auf der Eisfläche dreht. Jetzt, wo der Skilift den Kindern nicht zur Verfügung stehe, weil es keinen Schnee gebe, brauche es eine Alternative. «Irgend­etwas müssen wir doch für die Kinder tun», sagt Schoch.

Eis bis zu 18 Zentimeter dick

Am letzten Samstag habe er sich das Eis angeschaut und die Polizei gerufen, damit sie dessen Dicke vermesse. Die Polizisten hätten festgestellt, dass das Eis auf dem ganzen Weiher 16 bis 18 Zentimeter misst und es freigegeben werden könne. Schoch sagt: «Eigentlich würden schon 8 Zentimeter reichen, um den Weiher fürs Schlittschuhlaufen freizugeben.» Jetzt könne er mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, dass dieses Eis nicht einbreche. Bei diesen Temperaturen würde es unmöglich schmelzen.

Er zeigt hinter den Weiher nach Gibswil, dahin, wo sich die Sonne verzogen hat. «Um drei Uhr ist die Sonne hier weg. Die Temperaturen müssten tagsüber schon auf acht Grad ansteigen, damit das Eis schmelzen würde.» In den nächsten Tagen rechnet er aber nicht damit. Das Wetter bleibe wohl gut, und er könne die Eisfläche wahrscheinlich bis in den Januar hinein offenhalten.

Schoch ist verantwortlich, das Eis zu kontrollieren und den Weiher in Absprache mit der Polizei wieder zu schliessen. Verantwortlich für Unfälle sei er aber nicht, sagt Schoch. Noch in diesen Tagen werde er eine Tafel hinstellen mit dem Hinweis: Betreten auf eigene Verantwortung. Damit hafte jeder, der das Eis betrete, selbst.

Mehrere Stunden täglich im Einsatz

Wie es scheint, waren die lobenden Worte der Frau durchaus berechtigt: Ohne Schoch wäre das Eisfeld nicht so, wie es ist.
Er verlegt die Kabel für die ­Beleuchtung und putzt während dreier Stunden am Tag das Eis, ­damit es auch schön glatt bleibt. Für einen Fünfliber vermietet er mit seinem Sohn Mario auch Schlittschuhe. Von den Einnahmen habe er allerdings nichts, sagt Schoch. Er könne damit ­gerade einmal den Treibstoff für seinen Rapid und den Strom für die abendliche Beleuchtung bezahlen.

Dass er für seine Arbeit kein Geld erhält, stört ihn nicht. Er wolle für die Fischenthaler etwas machen, sagt Schoch. «Zu Hause sitzen kann ich nicht. Was sollte ich denn dort machen?»

Regelrechter Besucheransturm

Auch wenn der zugefrorene Weiher die Einbussen beim Skilift nie wettmachen wird, ist das Eisfeld für Schoch ein Erfolg. Am letzten Wochenende hätten sie 150 Besucher gezählt, und am nächsten sollen es noch mehr werden. «Wenn das über Facebook die Runde macht, kommen noch viel mehr», sagt Schoch.

Einzig Regen könnte seine Pläne durchkreuzen. Denn durch diesen würde die schöne Eisschicht unregelmässig. Doch nach Regen sieht es nicht aus. Einzig am Samstag prognos­tiziert der Wetterbericht für Fischenthal Niederschläge. Doch so wenig, dass es den Weiher kaum berühren wird.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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