Polizeieinsatz auf ehemaligem Berliner Flughafen
Nach der Todesfahrt eines schweren Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt hat die Polizei einen Hangar auf dem früheren Flughafen Tempelhof durchsucht. Dort befindet sich Berlins grösste Flüchtlingsunterkunft.
Vier junge Männer Ende 20 aus dem Hangar 6 seien befragt worden, es gab aber keine Festnahmen, sagte Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten, am Dienstag.
Der Einsatz, an dem auch Kräfte der Spezialeinheit (SEK) beteiligt waren, habe um 3.00 Uhr mit bis zu 250 Beamten begonnen. Die Kräfte seien dann aber reduziert worden. Die Lage sei ruhig gewesen. Um 8.00 Uhr sei der Einsatz beendet gewesen.
Täter wohl über Balkanroute eingereist
Ob die Polizei nach Verbindungen des Täters suchte, der am Montagabend mit einem Sattelschlepper in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gerast war und mindestens zwölf Menschen in den Tod riss, sagte der Sprecher nicht explizit. «Die Annahme kann man aber haben.» Zur Herkunft der befragten Flüchtlinge gab es keine Angaben.
Nach Informationen aus Sicherheitskreisen ist der Verdächtige wohl im Februar als Flüchtling über die Balkanroute nach Deutschland eingereist. Demnach soll der Mann in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft gelebt haben.
Die Polizei ging am Dienstagmorgen davon aus, dass der LKW vorsätzlich in die Menge gesteuert wurde. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bezeichneten die Ermittler den tragischen Vorfall in Berlin als einen «vermutlich terroristischen Anschlag». Alle polizeilichen Massnahmen liefen mit Hochdruck und der nötigen Sorgfalt.
Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen fuhr laut Polizei gegen 20 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern mit hoher Geschwindigkeit über den Markt an der Gedächtniskirche und zerstörte dabei mehrere Buden.
Täter Pakistani oder Afghane
Der nach kurzer Flucht nahe der Siegessäule im Tiergarten festgenommene mutmassliche Fahrer könnte Pakistaner oder Afghane sein, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Er sei wohl im Februar als Flüchtling eingereist.
Letzte Gewissheit gab es zunächst noch nicht, da der Mann unterschiedliche Namen verwendet habe und damit seine Identität nicht zweifelsfrei habe geklärt werden können. Ein weiterer Mann, der auf dem Beifahrersitz sass, starb laut Polizei vor Ort. Nach neuesten Erkenntnissen der Polizei handelt es sich bei dem Toten um einen polnischen Staatsbürger.
Ob der Vorfall einen terroristischen oder islamistischen Hintergrund hatte, war zunächst offen. Die Polizei bat Anwohner, zuhause zu bleiben. In verschiedenen Kirchen wurden Kondolenzbücher ausgelegt. (sda)
