«Druse kann jeden Stall treffen»
Fieber, Husten, Schläfrigkeit, Appetitlosigkeit und geschwollene Lymphknoten – zeigt ein Pferd diese Symptome, sollten ihre Besitzer einen Tierarzt kontaktieren. Die Chance besteht, dass das Tier die Infektionskrankheit Druse hat, von der kürzlich auch Fälle in Illnau-Effretikon aufgetaucht sind.
«Druse ist lebensgefährlich für die Tiere, wenn Komplikationen auftreten», sagt Tierarzt Thomas Schweizer aus Bäretswil. Die Krankheit trete immer wieder auf. Zuletzt habe er im Frühling mehrere Pferde in Ottikon behandelt.
Kein Grund für Hysterie
Wegen der hohen Ansteckungsgefahr sind einige Pferdebesitzer und Stallbetreiber in der Region verunsichert. Kaum jemand will etwas zur Krankheit sagen, niemand will damit in Verbindung gebracht werden. «Es gibt keinen Grund für diese Hysterie», sagt Martin Weber, der einen Stall in Effretikon betreibt. Die elf Pferde, die bei ihm untergebracht sind, haben keine Druse. «Klar ist die Krankheit mühsam und für die Pferde unangenehm. Es ist so etwas wie ein gröbere Grippe.»
Weber findet, dass betroffene Ställe aktiv über die Krankheit informieren sollten. Es gehe nicht darum, einen Schuldigen zu finden. So könne man aber den Kontakt zu den Ställen meiden. «Druse kann jeden Stall treffen, entweder man hat Glück oder Pech», so Weber.
Wirtschaftliche Folgen
Ähnlicher Meinung ist auch Tierarzt Schweizer. Tauche irgendwo Druse auf, würden die Auswirkungen der Krankheit häufig übertrieben. «Wichtig sind die Verhaltensregeln. Diese werden dem betroffenen Stall in der Regel vom behandelnden Tierarzt vermittelt.» Auch Schweizer ist dafür, dass Krankheitsfälle kommuniziert werden.
Er kann aber nachvollziehen, dass betroffene Ställe das «nicht an die grosse Glocke hängen wollen». Die Aufruhr rund um die Krankheit sei zwar nicht gerechtfertigt. Trotzdem bleibe oft ein schlechter Ruf an einem Stall hängen, der von Druse betroffen war. Das könne gerade bei Handelsställen einschneidend sein.
Sie würden am häufigsten von der Krankheit heimgesucht, weil die dort eingestallten Pferde oft wechselten. «Dort kann Druse wirtschaftliche Folgen haben», so Schweizer.
Denn zum einen sollten keine neuen Pferde mehr in den Stall gebracht werden, solange kranke Tiere dort sind. Zum anderen dauert es lange, bis ein Pferd wieder als komplett gesund gilt (siehe unten).
Keine Meldepflicht
Eine offizielle Meldepflicht gilt für Druse trotz der hohen Ansteckungsgefahr nicht. Lange nicht alle Infektionskrankheiten seien als Tierseuche meldepflichtig, sagt Regula Vogel vom Veterinäramt. Ein Kriterium für die Aufnahme einer Krankheit in die Tierseuchenverordnung sei, dass der Tierhalter allein nicht in der Lage sei, eine Infektionskrankheit zu bekämpfen. Und dieses Kriterium treffe bei Druse nicht zu.
Massnahmen bei Auftreten von Druse:
In erster Linie sollten Pferde, die an Druse erkrankt sind, separiert werden. Die Bakterien verbreiten sich vor allem durch den direkten Kontakt, am häufigsten über Maul und Nüstern, oder über sogenannte Träger.Dazu gehören auch Menschen, Futterkübel oder Trensen. Folglich sollte jemand, der mit dem kranken Tier in Kontakt war, danach die Kleidung wechseln sowie die Hände waschen und desinfizieren. Wichtig ist, dass den vermeintlich gesunden Pferden in einem betroffenen Stall täglich Fieber gemessen wird, damit man erkrankte sofort erkennt und ebenfalls absondern kann. Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 14 Tage.
Laut Tierarzt Thomas Schweizer klingt die Krankheit häufig ohne Probleme wieder ab. In schweren Fällen müsse man allenfalls mit Antibiotika nachhelfen. Bis das Pferd wieder als gesund gilt, dauere es oft lange. Dafür seien über sechs Wochen drei Proben zu entnehmen. Das mache aber erst Sinn, wenn die Symptome wie das Fieber weg sind. (fse)
