Mit positivem Denken im Spital
Da liege ich nun also. Jetzt deutlich bequemer als damals vor rund 14 Monaten, als ich durch meinen Bewegungsdrang getrieben ein bisschen zu weit ging. Tatsächlich brauchte es nicht viel für den grössten Fehltritt – im wahrsten Sinn des Wortes – meines Lebens. Der Stein, auf den ich trat, war locker. Der Abhang genügend steil. Im Gegensatz zum vorhin erwähnten losen Stein traf das auf die beiden Felsbrocken nicht zu, zwischen die mein Fuss, ja eigentlich eines meiner Beine, während des Sturzes geriet.
Und so lag ich dann da auf der Geröllhalde zwischen Brennnesseln auf hartem Untergrund. Die harte Landung verschaffte mir die Gelegenheit, einmal ein Spital in der Romandie von innen kennenzulernen, und verhalf mir unverhofft dazu, mein Französischvokabular um einige medizinische Fachbegriffe zu erweitern.
Das gebrochene Bein wieder richten liess ich mir dann jedoch lieber in der Heimat in unserem Spital in Uster. Wieso ich so alte Geschichten nun wieder auftische? Ganz einfach, ich liege aktuell wieder in ebendiesem Spital, um mich jener Schrauben und der Platte – wobei Platte ein etwas grosses Wort ist für den metallenen Lochstreifen, den ich nun nicht mehr unter der Haut, dafür in einem Plastiksäckchen trage – zu entledigen, die mir damals eingepflanzt wurden.
Dieser neuerliche Spitalbesuch bescherte mir nicht nur einen Schnitt im Bein und einen weissen Druckverband, sondern liess mich auch einige Gramm leichter werden, die ich wie erwähnt jetzt in einem Plastiksäckchen, quasi als Trophäe, heimnehmen darf. Ich glaube jedoch nicht, dass ich mir diese an die Stubenwand hänge.
Doch das ist noch nicht alles. Nein, ich durfte im Krankenhaus auch einige freundliche Personen wieder sehen, die ich von meinem letztjährigen Aufenthalt hier oder aber aus dem eigenen Dorf kenne. Und wem habe ich diese schönen Begegnungen zu verdanken? Einem kleinen Stein, den die Natur mir in den Weg gelegt hatte und ohne den ich all das nicht hätte erleben dürfen. Das nenne ich mal positives Denken.
