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Blutige Spuren durchs Oberland

Köpfen für Adlige, Hängen für die Verbrecher niedriger Herkunft: In und um Grüningen können die Tatorte von früher besucht werden. Ein neues Wanderbuch bietet kulturgeschichtliche Einblicke. 4 von 22 Streifzügen führen durchs Zürcher Oberland.

In und um Grüningen gibt es verschiedene Hinrichtungsstätten zu besichtigen.(Fabio Meier), Der Landvogt von Grüningen (hier Schloss Grüningen) besass die Hohe und Blutgerichtsbarkeit. (zvg), Die eine kulturgeschichtliche Wanderung führt auch am Ritterhaus in Bubikon vorbei. (Monika Cadosch), Der Lützelsee mit dem Menzihaus gehört zu den Stationen der Wanderung. (Reto Schneider)

Blutige Spuren durchs Oberland

Manche Grüninger wissen, dass sie an einem Ort wohnen, wo früher viel Blut floss. Flurbezeichnungen wie Hauptgrueb, Haarhüsli oder Galgenacher erinnern daran. Allen anderen erklärt dies die Archäologin Gisela Nagy in ihrem neuen Buch «Ausflug in die Vergangenheit: Archäologische Streifzüge durch den Kanton Zürich».

Schnelles Sterben als Privileg

Grüningen gehörte eine Zeitlang den Habsburgern und wurde von ihnen 1408 an Zürich verpfändet. Die Stadterhob es zur Landvogtei. Der Vogt hatte die Hohe oder Blutgerichtsbarkeit. Er durfte also Todesurteile fällen und tat dies auch. Diese mussten vollzogen werden. In der Hauptgrueb wurden die Verurteilten geköpft. Diese «schnelle» Todesart war ein Privileg der Adligen.

 

Im Haarhüsli, das im Töbeli liegt, wurden die Todgeweihten für ihre Hinrichtung hergerichtet. Und im Galgenacher beim Botanischen Garten stand der Galgen; hier wurden die Verbrecher niedriger Abkunft gehenkt – und dann zur Abschreckung von «Gesindel» und zur Warnung der Ortsbewohner eine Weile hängen gelassen.

Gräber aus der Eisenzeit

Grüningen ist Ausgangspunkt eines von insgesamt 22 kulturgeschichtlichen Streifzügen durch den ganzen Kanton. Bevor die Wanderer das Städtchen verlassen, kommen sie auf dem Marktplatz, dem Chratz, an einem Sodbrunnen vorbei, der die Grüninger bis vor 90 Jahren mit Wasser versorgte.

Im Strangenholz, der nächsten Station, geht es dann nicht mehr um den Strang, also das Werkzeug des Henkers, aber immer noch um Tote. Den Verstorbenen wurden Gefässe, Bronzeschmuck und ein Dolch aus Eisen mitgegeben. Die Funde sind etwa 2000 Jahre älter als die Landvogtei und werden sorgfältig konserviert in einem Depot.

Am Lützelsee, am Dienschbach bei Bubikon und am Ritterhaus vorbei gehts nach Rüti. Der Klosterhof, die ehemalige Seidenweberei sowie Fabrikantenvillen stehen am Ende des Streifzugs, der beim Bahnhof endet.

Dem Aabach entlang

Im Kapitel «Streifzug durch die Zeit»  schildert Nagy anschaulich die Besiedlungsgeschichte des Kantons Zürich. Dasselbe tut sie mit dem Untergrund. Die Geologie hat im Streifzug «dem Aabach entlang» einen prominenten Auftritt, auch wenn es darin vor allem um die Fabriken und die Industrialisierung im 19. Jahrhundert geht. Das Aatal selber ist eine bemerkenswerte geologische Formation.

Ebenso anschaulich werden die übrigen Kantonsteile beschrieben (Nagy, Gisela. Ausflug in die Vergangenheit: Archäologische Streifzüge durch den Kanton Zürich. ISBN 978-3-9524300-2-6). Im Anhang des Buches gibt es einen Überblick über die Erdzeitalter und der Kulturepochen in Tabellenform, ein Museumsverzeichnis, ein Literaturverzeichnis und ein Glossar. Eine App fürs Mobiltelefon hilft dabei, die Kulturgüter und Fundstellen auch tatsächlich zu finden. (Anna E. Guhl)

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