Tierische Liebe
Eine Begegnung mit Getier kann ganz unterschiedliche Reaktionen bei uns hervorrufen. In erster Linie kommt dies natürlich auf die Tier-, in zweiter auf die Menschengattung an. Für Insekten mag sich kaum jemand erwärmen, vor allem wenn sie sich als Ungeziefer gebärden. Zugegeben, in jüngerer Zeit wird ein Trend herbeigeredet und geschrieben, der uns Heuschrecken, Grillen oder Mehlwürmer wenigstens in gekochter Form auf dem Teller näherbringen möchte. Aber eben, die Nachfrage nach solchen Viechern in dieser Form dürfte sich in einem sehr überschaubaren Rahmen halten.
Andere Tiere geniessen da schon viel grössere Beachtung, zum Beispiel die Vögel. Eine ganze Menschengattung, die Ornithologen, begeben sich sogar ganz gezielt auf die Suche nach den gefiederten «Freunden» und versuchen, sie irgendwie vor die Linse oder aufs Tonband zu kriegen.
In unseren Breitengraden kriegen auch Nutztiere wie Hühner, Kühe oder Schweine ihre Wertschätzung, sofern die Menschen nicht den Kategorien Vegetarier oder gar Veganer angehören. Die übrigen Homo sapiens schätzen im Kern diese Nutztiere nämlich ganz besonderes, weil sie Eier, Milch oder vor allem das Fleisch auf dem Teller liefern.
Obwohl Pferde eigentlich auch zu dieser Gruppe gehören, sind sie in unserer Gesellschaft irgendwie Zwitter. So richtig als Nutztier werden sie nämlich kaum mehr eingesetzt, sondern sie geniessen schon vielmehr den Status eines Haustieres, auch wenn man sie da drin nicht wirklich haben möchte. Die Menschen der Spezies Reiter, und dazu gehört ja fast jedes Mädchen und gefühlt die halbe Redaktion der Zürcher Oberland Medien AG, sind viel mit diesen Viechern unterwegs und vermögen zu ihnen eine enge Beziehung aufzubauen.
Was aber Emotionen beim Menschen anbelangt, bewegen sich die Haustiere in Katzen- oder Hundeform in einer eigenen Liga. Gut, auf den Katzenkack im eigenen Garten oder auch den Köter, der nach einem im Vorbeigehen schnappt, kann jeder gut verzichten. Aber generell erhalten diese pelzigen Vierbeiner so viele «herzig» und «jöh» wie keine anderen Tiere. Das wohlgemerkt nicht nur von ihren Besitzern, sondern auch von Passanten.
Das Maximum an Begeisterung gibt es, wenn sie noch jung und vor allem klein sind. Voller Stolz führte heute ein Redaktor seinen frisch erworbenen Mini-Aussie «Luke» im Haus vor. Innert kürzester Zeit waren die beiden umringt von vielen gestandenen Leuten, die den Hund auch mal noch kurz streicheln oder halten wollten und es gar genossen, wenn dessen Zunge über die eigene Backe strich. In solchen Momenten stelle ich fest, wie ungerecht der Mensch ist: Die eingangs erwähnten Insekten sind doch noch viel kleiner und trotzdem hat sie keiner gern.
