Bezirk Uster droht Fluglärm
Gemeinden und Städten südlich des Flughafens Zürich droht deutlich mehr Fluglärm. Denn künftig sollen bei Nebel und Bisenlagen Südstarts geradeaus möglich sein. Dies ist dem gestern Dienstag vom Bundesamt für Zivilluftfahrt vorgestellten angepassten Objektblatt Flughafen des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL2) zu entnehmen.
Beim Bund rechnet man mit rund 13 000 Geradeaus-Südstarts pro Jahr, verteilt auf ungefähr 30 Tage, an denen eine Bisen- oder Nebellage herrscht. Mehr als die Hälfte der startenden Jets würden dabei Richtung Osten abdrehen und unter anderem Uster und Fehraltorf überfliegen.
Grosses Misstrauen
Die Reaktion des Fluglärmforums Süd, das die Interessen der im Süden des Flughafens gelegenen Gemeinden vertritt, ist heftig: Die Absicht mit den Südstarts sei gegen die Interessen der Bevölkerung im Süden des Flughafens gerichtet, schreibt es in seiner Stellungnahme. «Damit entsteht ein weiterer Konflikt in der Flughafenpolitik, welcher tragfähige Lösungen für Jahre blockieren wird.»
Nicht zuletzt befürchtet das Fluglärmforum, dass Südstarts in der Folge nicht nur bei Nebel und Bise zur Option werden. «Wenn wir die Entwicklung der Südanflug-Route in den letzten Jahren zum Vergleich nehmen, würden die Ausnahmen auch bei den Südabflügen geradeaus schnell zur Normalität werden. Skyguide handelt autonom und scheint politisch nicht kontrollierbar. Entsprechend hoch bleibt unser Misstrauen», kommentiert Lothar Ziörjen (BDP), Präsident des Fluglärmforum Süd die heutige Situation.
Für das Fluglärmforum Süd ist klar: Sollte ein zusätzlicher Bedarf an Startmöglichkeiten bei Bise und Nebel ausgewiesen sein, müssten zuerst verschiedene, ebenfalls kreuzungsfreie Lösungen wie der gekröpfte Nordanflug oder der Westanflug ausgearbeitet und geprüft werden. Das Fluglärmforum behält sich vor, auf politischem und juristischem Weg gegen die Einführung von Südstarts vorzugehen.
Zu jeder Tageszeit denkbar
Lothar Ziörjen ist nicht nur Präsident des Fluglärmforums sondern auch Stadtpräsident von Dübendorf. Für seine Stadt befürchtet er Schlimmes: «Südstarts sind bei Nebel oder Bise immer möglich, morgens, mittags und abends. Dübendorf würde das enorm belasten. Zuerst die Südanflüge, jetzt die Südstarts und dann vielleicht auch noch der Militärflugplatz als vierte Zürcher Piste – stets ist Dübendorf mitten drin.» Für Ziörjen steht ausser Frage, dass ein Flugregime eingerichtet werden müsste, bei dem die Flugbewegungen über das am wenigsten und nicht über das am dichtesten besiedelten Gebiet geführt würden.
