Im Video: Kommissar-Rex-Stimmung in Dübendorf
Zico von der Lobdeburg möchte man nicht unbedingt allein mitten in der Nacht begegnen. Denn dann sähe man wohl nur seine langen weissen Zähne – und hätte auch etwas ausgefressen. Heute allerdings sitzt der schwarze Schäferhund mit dem makellosen Fell neben Stefan Meister und gähnt.
Sein Hundeführer erklärt gerade das spezielle Verhältnis zwischen Polizist und Hund. «Die Diensthunde gehören überall zur Familie. Auch mit meinen zwei Kindern ist das absolut kein Problem», sagt Meister am Tag der offenen Tür am Samstag im frisch sanierten Diensthundezentrum an der unteren Geerenstrasse im Süden Dübendorfs.
Erst als Meister ein Zeichen gibt, explodiert Zico förmlich und rennt auf dem Hindernisparcours eine steile Holzleiter hoch. Überhaupt folgt dieser Diensthund jedem Wort – Disziplin wird im Polizeidienst selbstverständlich hochgehalten.
24-Stunden-Bereitschaft
Wenn nicht gerade ein Tag der offenen Tür stattfindet wie an diesem Samstag, fristet das Diensthundezentrum seit 1971 ein unbeachtetes Dasein zwischen Wald und Reitplatz – und das sei auch gut so, meint Jean Vollenweider, der Dienstchef in Dübendorf. «Je weniger wir an diesem Standort durch Lärm, beispielsweise Hundegebell, auffallen, desto besser.» Von hier aus leisten zehn Polizisten mit Hunden rund um die Uhr Bereitschaftsdienst. Vollenweider leitet seit 18 Jahren den Diensthundebetrieb.
Freude für Steuerzahler
In den letzten neun Monaten sind in die Sanierung der zwei flachen Gebäude rund 800 000 Franken geflossen. Auf einem Rundgang nehmen am Samstagmorgen geladene Gäste einen Augenschein im aufgefrischten Zentrum: darunter der amtierende Zürcher Regierungspräsident Mario Fehr als Vorsteher der Sicherheitsdirektion, Dübendorfs Stadtpräsident Lothar Ziörjen sowie viele hochrangige Polizeikommandanten.
Die Aussenfassade und das Dach der Dienstgebäude wurden energiesparend isoliert, die Fenster und Böden im Zwingerbereich im Innen- und Aussenbereich ersetzt. Zudem mussten die Waschräume modernisiert werden. Im Innenbereich scheint indes sonst vor lauter Zweckmässigkeit ein wenig die Zeit stehen geblieben zu sein –den Steuerzahler dürfte das freuen, wie Jean Vollenweider mit einem Augenzwinkern bemerkt.
Perfektes Team im Dienst
Am Nachmittag beweist der grosse Aufmarsch der Bevölkerung auch von weiter her, wie interessiert die Leute an der dienstlichen Symbiose zwischen Polizist und Hund sind. Die Vorführungen auf der Wiese hinter dem renovierten Bungalow sind nicht nur für «Hündeler» eindrücklich – es kommt schnell Kommissar-Rex-Stimmung auf. Die Hundeführer demonstrieren, wie viel Training vonnöten ist, um als perfektes Team im harten Polizeialltag bestehen zu können. Die Hundeführer arbeiten daher ausschliesslich mit ihren eigenen Tieren.
«Das Erfolgsgeheimnis ist die feine Nase», verrät Jean Vollenweider. Er ist Züchter und hat selbst nicht weniger als vier Hunde zu Hause – davon drei Diensthunde mit dem feinen Geschlecht «von der Wolfsgrube». «Nyra findet Drogen und Geld. Rhino ist ein Schutzhund und spürt Vermisste, Täter oder Gegenstände wie Waffen auf. Und Voli, der Jüngste, ist ein Personensuchhund», zählt der Chef auf.
Der Umstand, dass der agile Vierbeiner in brenzligen Situationen einen Grossteil des Risikos übernehmen kann, macht Hunde wie Zico unglaublich sympathisch. Aber streicheln lässt sich der Herr von der Lobdeburg natürlich nicht von jedem – nur sein Meister Stefan zählt für ihn.
(James D. Walder)