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Intime Details

Mehrere Stunden täglich ist jeder unterwegs. Diese Zeit bietet die Chance auf viele Begegnungen. Im Blog «Unterwegs» werden solche Erlebnisse thematisiert. Zum Beispiel der ungewollte Einblick in Dramen und Freuden.

In jedem Zugabteil können sich menschliche Abgründe auftun. (Bild: key), Ein leerer Wagen verspricht keine Unterhaltung. (Bild: key), Gibt es von diesen Passagieren das Neuste aus deren Privatleben zu hören? (Bild: key), Auch beim Warten dringen einem viele Gesprächsfetzen ins Ohr. (Bild: np), Im Bus kann ein Gespräch ein noch grösseres Publikum unterhalten. (Bild: Marcel Vollenweider)

Intime Details

«Gerade hat mir mein Augenarzt bestätigt, dass ich auch den grauen Star habe», erzählt eine junge Frau, wohl so um die 20, ihrem männlichen Begleiter. Ich sitze im Abteil gegenüber und kriege noch mit, dass diese Krankheit in ihrer Verwandtschaft weit verbreitet sei. Und beim Aussteigen zeigt sich, dass die Trübung ihrer Augen tatsächlich schon weit fortgeschritten sein muss. Unsicher tappt sie durch die dunkleren Passagen.

Keine Langeweile

Anderer Zug, anderer Tag: Drei jüngere Damen, ziemlich herausgeputzt, unterhalten sich lautstark über ihr letztes Wochenende. Eine hat eine grosse Neuigkeit zu erzählen. Der Typ, den sie eine Woche zuvor kennengelernt habe, sei jetzt ihr Freund. Jedenfalls hätten sie nach dem Ausgang die Nacht zusammen verbracht. Danach folgten einige intime Details, wie sie sich denn beschäftigt hätten.

Da soll mir noch einer erzählen, Zug fahren sei langweilig. Zwischen all den verstöpselten Musikkonsumenten und den Mail- und SMS-Tippern findet doch immer wieder noch direkte Kommunikation statt. Ungewollt wird man zum Mitwisser von besonderen Glücksmomenten, aber auch eigentlichen Dramen.

Abserviert am Telefon

Das passiert sogar auf dem Perron. Diesmal sind es zwei jüngere Herren, von denen der eine sich gerade in ziemlich despektierlicher Art über seine Freundin auslässt. Und wie es der Zufall so will, ruft diese just in diesem Moment an. Als etwas abseits stehender Mithörer kriege ich nur die Voten des Mannes mit, doch das reicht durchaus, um die Dimension des Gesprächs zu erfassen: Da entledigt sich soeben eine Frau ihres ruppigen Partners. Ohne diese Dame jemals kennengelernt oder nur schon gesehen zu haben, geniesst sie meine volle Sympathie. Einen solchen Typen kann man nur schwer gerne haben.

Ich habe diese Einblicke in die Abgründe und die Höhenflüge des Lebens nicht gesucht. Mir käme es wohl auch nicht in den Sinn, mein Herz einfach so in der Öffentlichkeit auszuschütten. Doch irgendwie gefällt mir gerade das an Fahrten mit Bahn oder Bus: Auch als stiller Mitfahrer wird man gut unterhalten.

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