«Gerade hat mir mein Augenarzt bestätigt, dass ich auch den grauen Star habe», erzählt eine junge Frau, wohl so um die 20, ihrem männlichen Begleiter. Ich sitze im Abteil gegenüber und kriege noch mit, dass diese Krankheit in ihrer Verwandtschaft weit verbreitet sei. Und beim Aussteigen zeigt sich, dass die Trübung ihrer Augen tatsächlich schon weit fortgeschritten sein muss. Unsicher tappt sie durch die dunkleren Passagen.
Keine Langeweile
Anderer Zug, anderer Tag: Drei jüngere Damen, ziemlich herausgeputzt, unterhalten sich lautstark über ihr letztes Wochenende. Eine hat eine grosse Neuigkeit zu erzählen. Der Typ, den sie eine Woche zuvor kennengelernt habe, sei jetzt ihr Freund. Jedenfalls hätten sie nach dem Ausgang die Nacht zusammen verbracht. Danach folgten einige intime Details, wie sie sich denn beschäftigt hätten.
Da soll mir noch einer erzählen, Zug fahren sei langweilig. Zwischen all den verstöpselten Musikkonsumenten und den Mail- und SMS-Tippern findet doch immer wieder noch direkte Kommunikation statt. Ungewollt wird man zum Mitwisser von besonderen Glücksmomenten, aber auch eigentlichen Dramen.
Abserviert am Telefon

