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Tösstaler übernehmen die Konditorei Kofler

Es geht weiter, aber erst im Februar: Die traditionsreiche Konditorei Kofler wird von einem Ehepaar aus Wila übernommen. Die Newcomer aus dem Tösstal bringen nun ihr Brot ins Oberland.

Übergibt Bäckerei, Café und die beliebtesten Rezepte: Richard Kofler (links) und sein Nachfolger Christian Deppeler vor der Wetziker Confiserie Kofler. (Bild: Seraina Boner)

Tösstaler übernehmen die Konditorei Kofler

Wila–Wetzikon retour: Familie Deppeler-Janz, die in Wila seit März eine Bäckerei betreibt, übernimmt die Konditorei Kofler in Unterwetzikon. Die grössere Backstube, der gute Ruf, ein Schuss Nostalgie und eine alte Freundschaft liessen den Deal zustande kommen.

Orlando Kofler, der Sohn des pensionierten Konditoreibetreibers Richard, arbeitete vor Jahren zusammen mit Christian Deppeler in einer Zürcher Confiserie. Ihre Wege trennten sich danach. Deppeler arbeitete bei einem Grossbetrieb, der junge Kofler sattelte um und liess die Backstuben hinter sich. Erst als Richard Kofler beschloss, seinen Betrieb in andere Hände zu übergeben, wurde Orlando wieder aktiv – allerdings in organisatorischer Weise. Er kümmerte sich mit seinem Vater um die Nachfolge. Das ist nun schon mehrere Jahre her.

Zweiter Anlauf für Nachfolge

Eine seiner ersten Anlaufstellen war sein alter Kollege Christian Deppeler. Doch der hatte damals andere Pläne. So kam die Bäckerei Kleiner zum Zug, die den Betrieb aber kurz vor den Sommerferien dieses Jahr einstellte. Und so gelangte Orlando Kofler erneut an seinen alten Berufskollegen. Der hatte sich mittlerweile neu orientiert und Anfang März mit seiner Frau, Kathrin Janz, in Wila eine eigene Bäckerei eröffnet (wir berichteten).

«Ich war sehr angetan von der Idee», erzählt Deppeler. «Wir hatten in Wila einen guten Start. Unsere Backstube stösst bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. Eine grössere käme uns gelegen.» Zudem habe er als Kind oft nach dem Minigolfen bei Kofler ein Glace gegessen. «Ich habe beste Erinnerungen an den Betrieb.» Schliesslich habe Kofler immer einen guten Ruf genossen – und die Lage am Bahnhof bedeute viel Laufkundschaft. «Das ist ­interessant.»

Seine Frau hingegen habe den Vorwärtsdrang etwas gebremst. «Sie ist bedachter als ich und fand, wir sollten die Sache langsam und sauber geplant angehen.» Das tut das Ehepaar nun auch. Café und Bäckerei werden erst im nächsten Februar wieder öffnen. Die Backstuben will das Ehepaar voraussichtlich diesen Herbst in Betrieb nehmen, um das Weihnachtsgeschäft in Wila stemmen zu können.

Eröffnung ohne Druck

«Wir sind froh, dass Richard Kofler uns nicht unter Druck setzt, sofort zu eröffnen. Sonst hätten wir womöglich absagen müssen», sagt Deppeler. Kofler erwidert, dass ihn letztlich die Qualität und das Konzept der Bäckerei Janz überzeuge. Sie produzieren fast ausschliesslich mit regionalen Zutaten und verzichten komplett auf künstliche Präparate für Färbung oder Volumen des Brots. «Das ist ganz in meinem Sinn», sagt Kofler. «Insofern ist es mir auch wert, ein paar Wochen länger zu warten.» Er sei selber mittlerweile Stammkunde in Wila geworden.

Dort wird künftig allerdings nur noch das Brot gebacken. Die Produktion von Patisserie und Confiserie sieht das Ehepaar in der grösseren Backstube in Wetzikon vor. Die Kofler-Kassenschlager wie Glace und Wetzikerli wird das Ehepaar ebenfalls herstellen. Kofler überträgt dem jungen Ehepaar demnächst die Rezepte. «Ich habe mich zwar in den Teig, ins Brot verliebt», sagt Deppeler. «Aber ursprünglich komme ich doch von der Confiserie her.» Kofler lacht und fügt an: «Da sind wir uns ähnlich. Ich kam auch als Confiseur in die Backstube.»

In Wetzikon ist der Konditorei ein grösseres Café angehängt. Ein kleines Café führt das Ehepaar auch in Wila schon. «In der Grösse wie in Wetzikon ist das für uns aber Neuland.» Deshalb benötigt er Personal. «Das lange Zeitfenster bis Februar kommt uns entgegen.» Denn er will Servicepersonal im Café einstellen, das mit Begeisterung zur Sache geht. «Wir sind mit verschiedenen Personen im Gespräch», sagt er. «Aber es braucht etwas Zeit, um das ideale Team zusammenzustellen.»

Wila bleibt wichtig

Wann das Paar in welcher ­Backstube arbeiten wird, kann Deppeler noch nicht exakt sagen. Aber eines weiss er: «Wir werden den Betrieb in Wila sicher nicht vernachlässigen. Wir wurden im Dorf freundlich aufgenommen und konnten in kurzer Zeit eine grosse Stammkundschaft aufbauen, das schätzen wir enorm.»

Stammkundschaft will er auch in Wetzikon aufbauen – ­respektive zurückholen. Deshalb bleibt das Café mehr oder weniger so, wie es war. «Die Leute identifizieren sich mit diesen Möbeln», sagt Richard Kofler. «Ich denke, es wäre ein Fehler, wenn man alles rausreissen würde.» Ein bisschen frischer Wind kommt dennoch in die nostalgische Café-Atmosphäre. «Die Polster und der Teppich werden ersetzt», sagt Kofler. «Zudem gibts eine neue Beleuchtung und einen frischen Anstrich.»

Herausforderung Logistik

Etwas anders als bisher ­könnte auch das Mittagskonzept werden. «Wir planen keine grossen Menüs; aber Toasts, Sandwiches, Salate über den Mittag wollen wir anbieten. Gerade auch, um die Schüler aus dem Umkreis anzulocken», sagt Deppeler.

Das Mittagsgeschäft steht für ihn momentan aber noch nicht im Vordergrund. Eine der grössten Herausforderungen der Übernahme wird der Weg zwischen den beiden Betrieben sein. 20 Minuten muss man mindestens von Wetzikon nach Wila rechnen. Da sich die Bäckerei Frische auf die Flagge schreibt, wird an beiden Standorten mehrmals täglich gebacken – und somit auch gefahren. «Das bedeutet sicherlich einen gewissen Aufwand für uns.» Täglich zwei- oder dreimal: ­Wila–Wetzikon retour.

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