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Überfluss nach Ladenschluss wird gespendet

Nach Ladenschluss bleiben jeweils weniger Lebensmittel unverkäuflich zurück, als gemeinhin vermutet wird. Die Migros Uster zeigte am Mittwochabend, 24. August 2016 einem interessierten Publikum, wie sie damit umgeht.

Die Bestellmenge ist mitentscheidend, wie viel abends in den Gestellen bleibt: In der Migros Illuster wurde erläutert, wie man mit dem Thema Foodwaste umgeht. (Bild: Seraina Boner)

Überfluss nach Ladenschluss wird gespendet

Etwa vier Dutzend Brote liegen noch auf den Gestellen vor der Hausbäckerei in der Migros Illuster in Uster. Es ist 21 Uhr, die Filiale ist seit einer Stunde geschlossen. Es handelt sich um nicht verkaufte Lebensmittel.

Um diese ging es am Mittwoch an der Veranstaltung «Überfluss nach Ladenschluss» des Vereins Projekt 1816 und der Migros Illuster – um sogenannten Foodwaste, um verschwendete Lebensmittel also.

Vereinspräsident Hans Thalmann und Filialleiterin Annemarie Roth hatten sich dafür ins Zeug gelegt. Mit 70 Anmeldungen war der Anlass ausgebucht, die Wiederholung in einer Woche sei es ebenfalls, hiess es. Im Ganzen hätten sich über 200 Personen gemeldet.

Verschwendung bekämpfen

1816, im «Jahr ohne Sommer», hungerten die Menschen im Zürcher Oberland, und selbst in normalen Erntejahren mussten vor 200 Jahren drei Viertel eines Familienbudgets für Lebensmittel ausgegeben werden, gab Thalmann einleitend zu bedenken. Heute dagegen bekämpft man die Verschwendung.

Die grossen Verschwender sind aber nicht die Grossverteiler, erläuterte Irina Huss, die Leiterin Qualitätsmanagement bei der Genossenschaft Migros Zürich, sondern – die Haushalte. In der Migros würden 98,6 Prozent der Lebensmittel auch als Lebensmittel verwendet.

Zu viel wird weggeworfen

Huss präsentierte Zahlen des Vereins Foodwaste. Dieser schätzt die in der Schweiz pro Jahr verschwendeten Lebensmittel auf 2,3 Millionen Tonnen. 45 Prozent davon werfen die Haushalte weg, 30 Prozent fallen bei der Verarbeitung an, 13 Prozent bei den Produzenten, 2 Prozent im Grosshandel und je 5 Prozent im Detailhandel und in der Gastronomie.

In den Haushalten fehle es manchmal an der Einkaufsplanung und an Know-how, meinte Huss, «kreative Restenverwertung geht vergessen». Insbesondere bei den Jungen diagnostizierte sie fehlendes Wissen. Die Migros habe «kein Interesse, viel wegzuwerfen, denn das kostet», betonte Huss. Das Wichtigste beim Vermeiden von Foodwaste seien sorgfältige Bestellungsentscheide der Mitarbeitenden.

Täglich 17,1 Tonnen Spenden

Zu den Abnehmern von einwandfreien, nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln gehört die Organisation Schweizer Tafel. Joana Wöstenfeld, die Leiterin der «Tafel»-Regionen Zürich und Aargau, beschrieb die Arbeitsweise der Non-Profit-Organisation. Dank Geldspenden und freiwilligen Helfern vermittelt sie täglich 17,1 Tonnen gespendete Lebensmittel gratis an Notunterkünfte, Gassenküchen und weitere Hilfswerke. Ihre Fahrer fahren auch bei der Migros in Uster vor. Sie wissen genau, wo die für sie bestimmte Ware bereitsteht.

«Jeden Freitag zwischen 12 und 13 Uhr kommt die Schweizer Tafel zu uns», sagte Sandra Fausch vom Frauenhaus Zürcher Oberland. Die gespendeten Lebensmittel würden dann die Grundlage für die Menüplanung der Bewohnerinnen abgeben.

Nicht zu viel, nicht zu wenig

Auf einem Rundgang durch den Laden erklärten Migros-Illuster-Filialleiterin Roth und ihre Mitarbeitenden, wie sie arbeiten. Rosa Benedito ist für die Molkereiabteilung zuständig. Sie trägt die Verantwortung für die Bestellungen – nicht zu viel und nicht zu wenig, lautet dabei die Devise. Wetterprognosen, Wochen- und Festtage oder der bevorstehende Zahltag beeinflussen die Kaufentscheide der Kundschaft. All das muss Benedito mit einbeziehen.

Eine mobile Datenerfassung erleichtert die Bestelladminis­tration. Das System dahinter unterstützt mit Statistiken, zum Beispiel mit dem Hinweis, wie viel von einem Produkt in der gleichen Woche des Vorjahrs gekauft wurde.

Verstand walten lassen

In der Metzgereiabteilung plädierten Chefmetzger Peter Stieger und Peter Tellenbach, der Verantwortliche für Charcuterie und Käse, dafür, dass jeder und jede beim Kochen den gesunden Menschenverstand walten lasse und nicht einfach wegwerfe, was abgelaufen sei. Und: Das Verbilligen liege im Ermessen des Abteilungsleiters. «Mit Verbilligen bringen wir alles weg», sagte Stieger aus Erfahrung.

Er sortiere den ganzen Tag über Früchte und Gemüse aus, die nicht mehr regulär verkauft werden können, sagte Hakim Mehdaoui, der Leiter Früchte und Gemüse, und stelle die Ware für die Schweizer Tafel bereit.

Auch die übrig gebliebenen Brote der Hausbäckerei landen dort. Leiter Stefan Bergamin meinte, es werde weniger Brot gegessen als früher. Aber wenn, dann verlange die Kundschaft ganz frisches, noch warmes. Es sei Geschäftspolitik der Migros, kein (deklariertes) Brot vom Vortag zu verkaufen. (Anna Eh. Guhl)

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