Eltern fordern mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung
Simone und Sandro Biaggi waren bei ihrem Zuzug vor einem Jahr sehr erstaunt, dass die Krippe in Tann nur ein abgestuftes Tarifmodell für ganz kleine Einkommen hat. Denn in Dürnten zahlen Eltern, die mehr als 60 000 Franken jährlich verdienen, den vollen Betrag von 120 Franken pro Tag für den Krippenaufenthalt eines Kindes.
Wettbewerbsfähigkeit stärken
«Immer mehr Mütter und Väter arbeiten Teilzeit und viel mehr Mütter sind erwerbstätig. Diesem Fakt muss die Gemeinde Rechnung tragen», sagt Sandro Biaggi. Ein abgestuftes Tarifmodell müsse doch nicht nur eine, sondern verschiedene Einkommensklassen und Familiensituationen, beispielsweise alleinerziehender Mütter und Väter, berücksichtigen, findet Biaggi. So könne Dürnten für normal- und weniger verdienende Eltern wettbewerbsfähig bleiben, sagt der 42-jährige Vater. «Die Gemeinde ist dadurch auch für künftige Zuzüger attraktiv.»
Der Blick auf andere Gemeinden stimmt die Tannerin Seher Akcay nachdenklich: «Wenn ich sehe, dass Bekannte, die in Rapperswil-Jona oder Hinwil leben, Subventionsbeiträge erhalten, finde ich es schon schade, dass dies in unserer Wohngemeinde fast nicht möglich ist», sagt die 31-Jährige, die ihre Söhne zwei Tage pro Woche in der Gartenkrippe in Tann betreuen lässt. In umliegenden
Gemeinden wie Hinwil, Rüti oder Gossau sind die Hürden für Subventionsbeiträge tatsächlich kleiner. In Rüti erhalten Ehepaare und Alleinerziehende, die weniger als 110 000 Franken einnehmen, Unterstützung. «Wer mehr verdient, bezahlt den vollen Preis von 112 Franken inklusive Mittagessen», sagt Corine Weninger, pädagogische Krippenleiterin des Zentrums Breitenhof in Rüti.
Alleinernährer verschwinden
Die Biaggis appellieren an den Realitätssinn der Gemeinde. «Das klassische, gerne auch romantisierte Alleinernährermodell hat seine Vorherrschaft verloren», sagt Sandro Biaggi. Auch aus ökonomischer Sicht, sei es ein Nachteil, wenn die Erwerbstätigkeit von ausgebildeten Arbeitskräften aufgrund fehlender Kinderbetreuungsangebote erschwert oder gar verhindert werde, so Simone Biaggi.
Konzept kommt vors Volk
Die Gemeinde ist sich dieses Problems bewusst und arbeitet an einem umfassenden Konzept für die schulergänzende Betreuung und die Kinderbetreuung durch Krippen und Tagesfamilien. «Um die Attraktivität der Gemeinde zu erhöhen, müssen wir uns den umliegenden Gemeinden anpassen», sagt Kurt Lang, Abteilungsleiter Gesellschaft. Er vermutet, dass die Einführung des Reglements sowie die Annahme höherer Subventionsbeiträge nicht nur vom Gemeinderat, sondern auch an einer Gemeindeversammlung entschieden werden müssen. «Ich rechne damit, dass die Geschäfte nach allen Abklärungen nächsten Sommer entscheidungsreif sind.»