Tschau Grüezi
Zugegeben, eigentlich ist es zu heiss, um jetzt zu spazieren oder zu wandern. Doch bei so schönem Wetter sollte man der eigenen Gesundheit wegen ja mal wieder raus und sich bewegen. In Frage kommen höchstens Touren, die grösstenteils durch den Wald führen oder die in windigen Höhenlagen abgewickelt werden können. Ausser Traktanden fällt damit auf jeden Fall die Runde um den Pfäffikersee. Einerseits fehlt es da am Schatten und auf eine kühlende Brise ist auch kein Verlass. Andererseits wird dieser Umstand Hunderte andere genau nicht davon abhalten, um den See zu marschieren, und damit wird diese Strecke völlig übervölkert sein.
Genau, bei der Routenwahl muss auch das Verkehrsaufkommen berücksichtigt werden. Zum Wandern gehört für mich dazu, dass ich geniessen kann, und das geht nun mal nur, wenn ich mich nicht in einem Pulk bewege. Ich habe gar nichts gegen ein «Grüezi» hier und eine «Grüezi mitenand» da. Ich finde es sogar sehr sympathisch, dass ausserhalb von Häuserschluchten Wert auf Augenkontakt mit den Passanten gelegt wird, verbunden mit einem Austausch von Begrüssungsfloskeln. Und wenn sich die Begegnung etwas abseits von ausgetrampelten Pfaden abspielt, kann sich daraus manchmal selbst ein nettes Gespräch ergeben.
Aber eben, wir sind nun an diesem heissen Tag, der mich ins Ambitzgiriet zwischen Wetzikon und Hinwil geführt hat, weil es viel Wald und wenig Leute verspricht. Das erste «Grüezi» fällt schon beim Aussteigen aus dem Auto. Auf der Aufwärmstrecke – obwohl Aufwärmen ja heute nicht wirklich nötig ist – folgen zwei weitere und sogar ein «Hoi» an einen Bekannten. Und wie soll ich nun die beiden Englisch Sprechenden begrüssen? Ist da ein «Hi» angebracht?
Nach rund einem Kilometer folgt eine unfreundliche Begegnung: Trotz zwei «Grüezi», das zweite erfolgt von mir schon fordernd und verlangt deutlich nach einer Bestätigung, bleibt der an uns vorbei schlendernde Passant stumm wie ein Fisch. Die Einsicht über das Verhalten dieses Mannes kommt mir etwa drei Kilometer und gefühlte 100 «Grüezi» später: Auch ich wechsle nach Kreuzen mit zwei Wandergruppen in den Stummmodus und sage mir für heute «Tschau Grüezi». Zuviel ist zuviel: Ich habe offensichtlich die Beliebtheit dieser Tour unterschätzt.
