Tarif-Dschungel bei Krippenplätzen
Externe Kinderbetreuung ist eine praktische Sache. Besonders für Mütter, die ihre Karriere nicht unterbrechen wollen. Gratis ist sie aber nicht. Für die Eltern stellt sich daher schnell die Frage: Wieviel kostet mich das? Und werde ich dabei vom Staat unterstützt?
Doch wer sich einen Überblick über Kosten und Finanzierungs-Möglichkeiten im Kanton Zürich verschaffen will, verwirft sein Vorhaben schnell. Die Ansätze sind von Hort zu Hort verschieden und die Höhe der Subventionen ist in jeder Gemeinde anders geregelt.
Verschiedenste Faktoren
Das Problem hat einen politischen Hintergrund. Im Gegensatz zu anderen Kantonen regelt und berechnet in Zürich nicht der Kanton die Höhe der Beiträge, sondern jede Gemeinde nach eigenem Gutdünken.
Die Beiträge hängen von vielen Faktoren ab wie Vermögen, Einkommen und Familiengrösse. Mal ist das steuerbare, mal das Bruttoeinkommen, mal das Nettoeinkommen mit Prozentabzug ausschlaggebend. Und berücksichtigt man Geschwister-Rabatt und Steuerabzüge, so verliert man die Übersicht vollständig.
Fehlende Statistik
Die Kantonsräte Markus Bischoff und Laura Huonker von der Alternativen Liste wollten deshalb in einer Anfrage vom Regierungsrat wissen, wieviel eine vierköpfige Familie im Kanton Zürich für die Betreuung von zwei Kindern erhält. Dies im Hinblick auf die von ihrer Partei eingereichten Volksinitiative, über welche im Kanton Zürich im September abgestimmt wird.
Die Kantonsräte fragten ausserdem, warum der Kanton seit 2013 keine Zahlen zur Kinderbetreuung mehr veröffentlicht. Bis dahin ermöglichte der sogenannte Kinderbetreuungsindex einen Vergleich zwischen den Gemeinden.
Unvollständiger Eindruck
Der Index werde nicht mehr erhoben, weil er auf freiwilligen Angaben der Gemeinden und der Horte beruhte und daher einen «unvollständigen und verzerrten Eindruck» hinterliess, schrieb der Regierungsrat in seiner Antwort vom März dieses Jahres. Und kam zu einem ernüchternden Schluss: «Aufgrund der Einflussfaktoren und der Unterschiede zwischen den Einrichtungen ist es nicht möglich, eine Aussage zur durchschnittlichen Belastung zu machen.»
Er erwähnt eine Studie des Bundes, wonach der Tagesansatz im Kanton Zürich im Schnitt 112 Franken beträgt. Allerdings sind diese Daten schon fünf Jahre alt.
Grosse Unterschiede
Orientierung findet man auch in der Region nicht, wie eine Umfrage zeigt. Uster hat zwölf private Krippen. Bei acht können die Eltern Unterstützung beantragen. Der Höchsttarif bewegt sich zwischen 102 bis 118 Franken.
In Wetzikon sind es zwei private Krippen. Der Volltarif bei der Tagesfamilie Zürcher Oberland beträgt 11 Franken pro Stunde. Eine vierköpfige Familie mit einem Netto-Einkommen bis 45’000 Franken erhält eine Reduktion von 80 Prozent, bei 70’000 Franken 50 Prozent und ab 105’000 Franken keine Unterstützung.
Nicht beitragsberechtigte Mönchaltorfer bezahlen für die gemeindeeigene Krippe 110 Franken am Tag. Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern und einem Netto-Einkommen von rund 110’000 Franken, das seine zwei Kinder an 3,5 Tagen pro Woche in die Krippe schickt, erhält rund 600 Franken Reduktion. Ab einem Einkommen von 130’000 Franken bezahlen die Eltern den Volltarif.
In Seegräben wiederum gibt es keine Kita. Die Eltern schicken ihre Kinder in die Krippe einer Nachbarsgemeinde und erhalten dafür Zulagen. Dies ist möglich, weil die Gemeinden zwar verpflichtet sind, ein «bedarfsgerechtes Angebot an schul- und familienergänzender Betreuung zu gewährleisten», nicht aber, eine bestimmte Anzahl von Betreuungsplätzen auf dem eigenen Gemeindegebiet zur Verfügung zu stellen. Für einen Zuschuss darf das Bruttoeinkommen einer vierköpfigen Familie in Seegräben höchstens 90’000 Franken betragen.
In der Gemeinde Hinwil gibt es nur eine Kita. Eine vierköpfige Familie mit einem Bruttoeinkommen bis 40’000 Franken bezahlt 15 Prozent der effektiven Hortkosten. Bei einem Einkommen von 70’000 Franken etwas mehr als die Hälfte, ab 115’000 Franken den vollen Tarif.
Gossau hat eine Kinderkrippe und die ist privat. Der Tarif beträgt 113 Franken am Tag. Gossau wendet den gleichen Beitragsschlüssel wie Hinwil an.
Transparenz in Fehraltorf
Die Beispiele zeigen: Für junge Eltern aus dem Kanton Zürich ist es schwierig, sich ein objektives Urteil darüber zu machen, wo sie wie viel für einen Krippenplatz bezahlen müssen. Für sie wäre mehr Transparenz wünschenswert.
So etwa wie in der Gemeinde Fehraltorf. Dort können Eltern zwischen vier Einrichtungen auswählen und die Kosten auf der Gemeinde-Webseite mit einem Tarifrechner berechnen. Sie brauchen dafür die Angaben zu ihrem Einkommen, ihrem Vermögen und ihrer Pensionskasse. (Lukas Elser)
