Reisen macht gluschtig
Da ist es wieder, das Knurren im Bauch, der trockene Mund, die Unterzuckerung. Seltsamerweise treten diese Reaktionen immer dann gehäuft auf, wenn ich mich in einem Tankstellenshop befinde, am Bahnhof auf den Zug warte oder am Flughafen die Zeit totschlagen muss, bis mal endlich das Gate geöffnet wird.
Das Seltsame dabei ist nur, dass ich eine halbe Stunde zuvor meinen Durst bereits mit einem grossen Schluck Hahnenwasser und meinen Hunger vor zwei Stunden mit einem Sandwich gestillt habe. Ist es der Überlebensmodus, auf den mein Körper umschaltet, wenn ich unterwegs bin? Zur Sicherheit schnell noch etwas Nahrung aufnehmen, man weiss ja nie, wann es wieder etwas gibt?
Die Erklärung ist wohl simpler: Diese Gefühle treten nämlich eher auf, wenn sich mein Weg mit einem Selecta-Automaten oder einer grossen Kioskauslage kreuzt. Die Verkaufspsychologen haben es geschafft, mit einem Angebot die Nachfrage auszulösen. Man kann dem auch einfach, mindestens auf Schweizerdeutsch, Gluscht sagen.
Nun scheint es so, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der so reagiert. Das nutzen ebendiese Verkaufspsychologen erbarmungslos aus. Für sie gilt es, das Konkurrenzangebot an exponierten Stellen nicht zu gross werden zu lassen, denn nur so lassen sich höhere Preise erzielen. Entlang von Strassen und an Bahnhöfen lässt sich diese Isolation der Kunden nur beschränkt umsetzen.
Ganz anders an Flughäfen. Während vor der Passkontrolle der Markt noch einigermassen spielt – sofern ein Grossverteiler eine Dependance vor Ort hat –, sieht es nach der Personenkontrolle düster respektive teuer aus. Der letzten Flüssigkeitsreserven im Handgepäck beraubt, können die Anbieter den dürstenden Passagieren fast alles abverlangen. Ein «Gütterli» kostet schnell mal das Doppelte oder Dreifache wie vor der Kontrolle. Das kann einem glatt den Appetit verderben.
