«Mein Morgen» mit Energy-Moderatorin Fabienne Wernly
Es ist kurz vor 3.30 Uhr, als Fabienne Wernly die Tür ihrer Wohnung in Ebmatingen in einem pinken Seidenmorgenmantel öffnet. Die Moderatorin von Radio Energy Zürich sprüht wie in ihrer Show «Mein Morgen» auch jetzt vor guter Laune. «Guete Morgeeee», begrüsst sie uns mit ihrer markanten hellen Stimme und plaudert gleich drauflos. «Ich muss nur noch das zweite Auge fertig schminken, dann bin ich parat, seht euch nur um. Wollt ihr einen Kaffee? Ich bin gleich bei euch.»
Fabienne Wernlys Wohnung ist stilvoll eingerichtet. Die weissen Möbel, das braune Stoffsofa und der dunkle Holztisch passen perfekt zusammen. Es ist derselbe Holztisch, der auch im neu eröffneten Café des Medienhauses Ringier steht, von dem man ins verglaste Radio-Studio blicken kann. «Wenn ich hier sitze, habe ich immer das Gefühl, ich sitze im Bistro.» Während wohl die meisten Leute zu Hause nicht an ihre Arbeit erinnert werden wollen, lächelt Wernly beim Erzählen. Auch nach drei Jahren bei Energy empfinde sie ihre Arbeit nicht als Arbeit.
Studium abgebrochen
2013 begann Fabienne Wernly ein Praktikum beim Sender, der seit Anfang Jahr das meistgehörte Privatradio der Deutschschweiz ist. Als ihr danach eine Festanstellung angeboten wurde, brach sie ihr Studium Journalismus und Kommunikation an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ab. «Anfangs dachte ich, dass ich es mal noch beenden werde, aber es kam genau so, wie alle mir sagten: Je länger ich weg bin, umso weniger reizt es mich, zurückzukehren.»
Kurz nach 4 Uhr fahren wir mit ihrem schwarzen Audi Richtung Zürich. Das Parkhaus von Ringier ist um diese Zeit praktisch leer. Im Studio angekommen, wird die 26-Jährige zum ersten Mal schweigsam. Sie muss die Show jeweils von 5 bis 6 Uhr allein bestreiten; um diese Zeit wird sie nicht nur lokal im Raum Zürich, sondern auch für Energy Bern und Basel ausgestrahlt. Das Programm steht zwar bereits; die Lieder, die ausgestrahlt werden, hat die Musikredaktion ausgewählt, und die Unterhaltungselemente werden am Vortag produziert. Fabienne muss aber gleich zu Beginn den offiziellen ZDF-EM-Song von Marc Forster ankünden und übt ihre Moderation kurz ein. Fussball interessiere sie überhaupt nicht, sagt Wernly im Gespräch und später auch zu den Hörern.
Ihre Offenheit im Radio und ihre Herzlichkeit gegenüber jedem, den sie trifft, wirken echt. Aber wirklich persönlich wird die nette Blondine doch nie. Später an diesem Morgen sagt sie, dass sie nur wenige Freunde habe , diese dafür oft sehe. Ob sie eine Beziehung hat oder nicht, will Wernly nicht sagen.
Mit Roman Kilchsperger und Patrick Hässig im Studio
Als Patrick Hässig eintrifft, der abwechselnd mit Roman Kilchsperger «Mein Morgen» moderiert, verlässt Wernly den Platz hinter den vier Bildschirmen und wechselt an die Seite des Studio-Tresens. Sie ist Co-Moderatorin, oder auch der Sidekick der Morgenshow. Wie eine Art Kommentatorin wirft Wernly Zwischenbemerkungen ein, begrüsst die Hörer, die anrufen, und ist dafür zuständig, die Wetterprognosen ins Mikro zu sprechen.
Wenn Kilchsperger und Hässig die Zuhörer auch mal auf die Schippe nehmen, ist Wernly meist diejenige, die sich auf die Seite der Hörer schlägt. Aber sie hat ebenfalls eine fiese Seite, die sie beim Unterhaltungselement «Voll daneben» zeigt. Da geht sie auf die Strasse, spricht Passanten an und versucht, sie auf die Schippe zu nehmen. In der heutigen Sendung geht es um das Thema Blowjob. Fabienne will wissen, wie teuer so ein Blowjob ist. Ein Mann sagt, er würde maximal 15 Franken bezahlen. Er hat das Wort Blowjob wohl aber mit «Blow Dry» verwechselt, einer Haar-Styling-Methode.
Der Mann ist nicht der Einzige, der ohne zu zögern und scheinbar ohne zu überlegen Auskunft gibt; und es ist nicht die einzige «Voll daneben»-Sendung, die den Eindruck entstehen lässt, dass die Menschheit ziemlich dumm ist. Das denke sie aber gar nicht, betont Fabienne Wernly – schliesslich sorge sie absichtlich für Verwirrung, wenn sie die Fragen stelle. Ihr sei aber bewusst geworden, dass sie etwas mache, bei dem andere Skrupel empfinden, als sich zwei Radiopraktikantinnen geweigert hätten, auf die Strasse zu gehen, um Leute auf diese Weise zu veräppeln.
Wernly will Unterhaltung bieten
«Voll daneben» soll, wie die ganze Morgenshow, die Leute unterhalten. Fabienne Wernly will keine News produzieren; man werde ohnehin ständig mit schlechten Nachrichten bombardiert. Zudem nehme sie sich auch selber nicht so ernst und könne gut über sich selbst lachen.
Der erste Eindruck, den Patrick Hässig von Fabienne Wernly hatte, war: «Ou, ein Girly». Er habe gedacht: «Noch eine mehr, die ins Radio will.» Die Skepsis habe sich aber schnell gelegt, als er gesehen habe, wie sie arbeitet: «Gut, schnell und sehr viel.» Fabienne habe das Flair, das es brauche, wenn man Radio machen wolle. «Wir sprechen hier in diese trockenen Knochen rein und reden in der Tat zu mehreren Hallenstadien voll Leuten. Fabienne schafft es, mit den Hörern zu sprechen, als ob sie im selben Raum wären.»
Wernly hat einen Mailordner mit dem Titel «Nette Mails». Die liebsten Komplimente sind ihr Nachrichten von Frauen, die ihre Meinung schätzten. «Meinen Tag empfinde ich als gelungen, wenn jemand schreibt, dass meine fröhliche Art ihn aufgeheitert habe.»
Diese gute Laune, die sie jeden Morgen von Montag bis Freitag ausstrahlt, sei nicht gespielt, auch wenn sie wie die meisten ebenfalls ab und zu schlechte Laue habe. «Aber sobald das rote Licht im Studio einschaltet und wir live auf Sendung sind, bin ich tatsächlich gut drauf.»
Nach der Sendung um 10 Uhr komme dann aber schon die Müdigkeit. Bis 14 Uhr arbeitet Wernly an der Produktion für die nächste Sendung mit. Danach ist Freizeit, das heisst für die Moderatorin Fitness im hauseigenen Studio oder ein Spaziergang mit ihrer Mutter in Maur. Oft trifft sie sich auch mit einer Freundin, die wie Wernly in der Nacht arbeitet. Dass ihr Sozialleben durch die Arbeitszeiten eingeschränkt ist, nimmt sie in Kauf: Um 20 Uhr geht Fabienne Wernly ins Bett. Zuvor checkt sie jedoch noch einmal ihre Geschäftmails – zu Hause an ihrem braunen Holztisch.