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30'000 Besucher an Armeeliquidation erwartet

Am Donnerstag hat in Wetzikon Dicks Army Shop mit Armeeliquidationsmaterial in der Eishalle Wetzikon seine Pforten geöffnet. Er rechnet mit einem Grossaufmarsch während zwölf Tagen.

Prüfender Blick: Nicht alles ist Armeematerial und nicht alles ein Schnäppchen in der Wetziker Eishalle.(Bild: Seraina Boner)

30'000 Besucher an Armeeliquidation erwartet

«Na, du alter Heimwehsoldat!», «Hast du einen Nostalgieanfall?» Zwei ältere Männer begrüssen sich grinsend vor der Eishalle Wetzikon. Deren Tor ist mit Tarnnetzen dekoriert, die Pforte besteht aus einem über zwei Meter hohen Wellblechbogen. Draussen bildet sich langsam eine Schlange. Um 10 Uhr wird Dicks Army Shop eröffnet, der hier während zwölf Tagen auf 2000 Quadratmeter Armee- und Campingwaren verkauft.

Als die Pforte geöffnet wird, strömen gut 100 Personen in die Halle. Sie stehen sich schon bei den Ledergurten eingangs des Rundgangs auf den Füssen herum. Bis die ersten zur Kasse gelangen, wird es noch eine Weile dauern. Das gibt dem Chef, Fritz Dick, Zeit, einige Worte mit Bekannten oder den Medien zu wechseln.

Zum dritten Mal in Wetzikon

Er ist mit seinem Liquidationsunternehmen zum dritten Mal in der Wetziker Eishalle – weil sie im Sommer jeweils verfügbar sei und auch die weiteren Bedingungen für sein Geschäft erfülle. «2000 Quadratmeter sind gerade ideal für uns. Zudem gibts viele Parkplätze neben der Halle. Für uns ist das essenziell.» Die Kunden würden teils grössere Ladungen an Material aus der Halle schleppen. «Da darf das Auto nicht zu weit weg stehen.»

In der Wetziker Eishalle werden Armeematerialien feilgeboten. (Video: Christian Brütsch)

Sein Angebot zieht. Egal wo. Die  gut 100 Personen, die auf die Eröffnung gewartet haben sind die übliche Zahl. «Hätten wir am Freitag eröffnet, wärens 200 gewesen, am Samstag 500», sagt er. In Genf sei er mal derart überrannt worden – insbesondere von Franzosen –, dass die Kunden teils fast zwei Stunden vor der vollen Halle warten mussten. «Das ist weder für sie noch für uns angenehmen, wir wollen das verhindern.»

Samstag und Sonntag: 5000 Besucher pro Tag

Zwölf Tage dauert nun der Verkauf in Wetzikon. Das scheint eine geraume Zeit. Aber Dick sagt, dass dabei permanent viel Kundschaft in der Halle anzutreffen sei. «Wir rechnen mit insgesamt 30’000 Kunden über die ganze Zeit hinweg. Am Wochenende erwarten wir täglich 5000.»

Was die Heimwehsoldaten und Armeenostalgiker rasch erkennen werden: Das Material der Schweizer Armee sieht teils markant anders aus, als jenes, das in diesem Liquidationsshop veräussert wird. Fritz Dick sagt: «Was nach Armee aussieht, ist auch von der Armee. Aber nicht unbedingt aus der Schweiz. Wir beziehen Material von zwölf verschiedenen Armeen.» Die Campingartikel stammen indes aus Liquidationscontainern aus Holland, Belgien und Dänemark. «Mit Armee hat das natürlich nichts zu tun, ins Angebot passt es aber wunderbar.»

Keine Blachen

Das wissen auch die beiden Rütner Jungscharleiter Patrick Guyer und Florian Hotz. Sie ziehen mit zwei Einkaufswagen durch die Halle und füllen sie sukzessive. Schon nach der Hälfte des Rundgangs haben sie kaum noch Platz für weitere Artikel. «Wir wollen den Materialraum unserer Jungschi füllen und für uns selber ein bisschen was mitnehmen. Wir sind beide Outdoorfreaks», erzählen sie. Man finde hier alles und das zu recht günstigen Preisen – «günstiger als im Katalog», so Hotz.

Alles? Nein, fast alles. Etwas fehlt. Die berühmte Armeeblache, das wichtigste Gut für eine Jungschar-, Pfadi- oder Cevigruppe. «Die Armee produziert die Blachen nicht mehr. Das ist ein Elend», sagt Guyer. Und auch hier im Ausverkauf ist sie nicht zu finden. Alternativen gibts für die Rütner Jungschar nicht. «Es existieren zwar Replika, aber zu 40 Franken pro Blache. Bei unserem Mengenbedarf und dem Budget ist das keine Option.»

Der Preis stimmt

Aufs Budget schaut auch Hans Scherrer aus Bäretswil. Er hat sich bereits eine Leuchtjacke gekauft, damit man ihn auf seinem Roller besser sehe. «Der Preis ist nicht schlecht», sagt er. «Das ist aber nicht bei allen Artikeln der Fall. Man muss sich ein bisschen auskennen, damit man die echten Schnäppchen erwischt.» Scherrer ist durchaus vom Fach, ging früher auch regelmässig im Military Megastore in Wallisellen ein und aus. «Aber die sind ja jetzt umgezogen», sagt er. Deshalb versuche er sein Glück nun in Wetzikon. Die Ausbeute scheint ihn zufrieden zu stellen. Und er ist erst in der Hälfte. «Mal schauen, was ich noch finde», sagt er und schiebt seinen Einkaufswagen durch die mit Tarnnetzen eingekleidete Eishalle weiter.

Vor einer Woche hatten die Aufbauarbeiten begonnen, davor hatten Fritz Dick und sein Armeematerial in Zug logiert. Nach Wetzikon wird er Richtung Lyss weiterziehen. Fünf bis sechs Grossverkäufe pro Jahr stehen auf seinem Programm. Sind die zwölf Tage in Wetzikon durch, könnte es also wieder ein paar Jahre dauern, bis er das nächste Mal im Zürcher Oberland – oder in «Züriost», wie er es nennt – Halt macht.

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