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Kissen zum Aufwecken

Mehrere Stunden täglich ist jeder unterwegs. Diese Zeit bietet die Chance auf viele Begegnungen. Im Blog «Unterwegs» werden solche Erlebnisse thematisiert. Heute geht es um falsche Bilder, ängstliche Offroad-Fahrer und Beruhigendes, das temporär beunruhigt.

Dieses Kissen im Seegräbner Ortsteil Sack rüttelt einen wach. (Bild: Christian Brändli), Nicht alle Unterböden haben es ohne Kontakt über das Kissen geschafft. (Bild: Christian Brändli), Mit einigen Blumen wirkt das Kissen schon viel sympathischer. (Bild: Christian Brändli), Vom Boden sieht das Kissen noch nicht einmal so hoch aus. (Bild: Christian Brändli), Ein kleiner Fahrtest über ein Triple-Kissen. (Bild: Christian Brändli)

Kissen zum Aufwecken

Welche Bilder bringen Sie mit einem Kissen in Verbindung? Richtig, schön flauschig, Ruhe, ja, Geborgenheit spendend. Vor rund 25 Jahren wurde in Deutschland aber eine neue Gattung von Kissen entwickelt, die als Krefelder oder variantenreich auch als Berliner Kissen in die Geschichte Eingang gefunden haben. Diese Kissen finden mittlerweile auch in der Schweiz eine immer stärkere Ausbreitung. Gemeinhin sind diese aber nicht mehr im Haus auf Betten oder Sofas zu finden, sondern sie liegen buchstäblich auf der Strasse. Gehäuft anzutreffen sind sie auf Gemeindestrassen im ganzen Oberland.

Die Eigenschaften dieser Kissen unterscheiden sich grundlegend von jenen, die einem in den Schlaf begleiten. Sie sind nicht nur relativ gross, sondern auch pickelhart und bewirken bei deren Benutzung das pure Gegenteil der daheim eingesetzten Kissen: Sie schütteln einem wach. Den direkten Anwohnern mögen sie den gewünschten Effekt einer Beruhigung bringen. Bei mir als Autofahrer sorgen sie dagegen für eine erhöhte Pulsfrequenz.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Bodenschwellen, die übrigens im angelsächsischen Raum auch die hübsche Bezeichnung «sleeping policeman» tragen – als würde ein Polizist jemals schlafen! – lassen die Strassenkissen Raum für Fahrstilvarianten, da sie ja eben nicht die ganze Strassenbreite einnehmen, sondern links und rechts den Velos Platz für ein hindernisfreies Passieren lassen. Der eine Autofahrer nun bevorzugt die klassische, den Beifahrer schonende Variante mit den linken Rädern oben und den rechten unten, die anderen möchten sich als Fahrer schonen und ziehen den kollisionsträchtigeren Weg auf der Gegenspur vor, der mit den linken Rädern am Hügel vorbeizieht. Und schliesslich gibt es noch jene, die die Wenn-schon-denn-schon-Art wählen und die erhöhte Fläche mit allen vier Rädern in der Mitte überrollen.

 

Fahrtest über eine Triple-Schwelle (Video: Christian Brändli)

Zu meinen Erfahrungen – jetzt wird mir auch klar, welchen Ursprung dieses Wort hat – gehört, dass sich unsere nahe an der gesetzlich zulässigen Maximalhöhe liegenden Kissen am besten mit Tempo 41 überrollen lassen. Offenbar kommen dann die Stossdämpfer optimal zur Wirkungen. Etwas darüber, und vor allem viel darunter: Da rumpelt das Auto viel stärker. Eine weitere, stark irritierende Beobachtung habe ich auch noch gemacht. Die «Höger» scheinen bei Lenkern von Offroadern am meisten Eindruck zu hinterlassen, gehören diese doch fast ausnahmslos zu der Gattung, die das kleine Hindernis im Schneckentempo bewältigen. Das treibt bei mir die Pulsfrequenz dann nochmals hoch, wenn ich hinter solchen Ungetümen herschleichen muss. Für mich aber der absolute Gipfel, die Kumulation aller drei Kissen, die sich auf meinem Arbeitsweg auf kürzester Strecke hintereinander finden, sind jene Spezialisten, die sich mit lautstarken Gas-Brems-Manövern von Kuppe zu Kuppe vorkämpfen, ganz im Militärstil «seckle, warte, seckle». Na dann, gut‘ Nacht.

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