Politik

Schock für Wetzikon: Café und Confiserie Kofler vor dem Aus

Der Ausverkauf in der Wetziker Gastroszene nimmt kein Ende. Jetzt erwischt es die traditionsreiche Confiserie Kofler. Die heutige Kleiner-Filiale schliesst Ende Juni. Die Suche nach einem Nachfolger ist schwierig.

Trotz Bahnhofnähe: Der Confiserie Kofler droht ab Juli ein Leerstand. (Bild: Christian Merz), Richard Kofler bangt um die Zukunft des ehemaligen Familienbetriebs. (Bild: Christian Merz)

Schock für Wetzikon: Café und Confiserie Kofler vor dem Aus

Eigentlich läuft der Pachtvertrag zwischen Richard Kofler und der Gastronomiegruppe Zürcher Frauenverein (ZFV) für Café und Confiserie Kofler an der Wetziker Bahnhofstrasse 11 noch bis Ende 2018. Trotzdem zieht sich der ZFV mit seiner Bäckerei-Konditorei-Kette Kleiner bereits Ende Juni zurück.

Unrentabel

Die Wetziker Filiale rentierte nicht. Es sei gar billiger, das Lokal leer stehen zu lassen, als den Betrieb weiterzuführen, sagt Peter Waltenspühl, Marketing- und Kommunikations-Chef des Zürcher Gastroriesen. Von der Schliessung seien fünf zum Teil langjährige Angestellte betroffen. Man habe allen Betroffenen Stellen in anderen Betrieben angeboten, aber nicht alle hätten sich dafür entscheiden können. «Wir mussten Kündigungen aussprechen.»

Waltenspühl ist auch Projektleiter für die «strategische Neuausrichtung der Kleiner-­Bäckereien». Er reduziert aus wirtschaftlichen Gründen das Filialnetz. «Wir konzentrieren uns auf die Stadt Zürich», sagt er. Nebst Wetzikon schliessen auch die Filialen Dietikon und Niederrohrdorf. Einzig Uster bleibt. Dort läuft es gut.

Falsche Erwartungen

Seit Richard und Edith Kofler den traditionsreichen Wetziker Familienbetrieb Anfang 2011 in fremde Hände gaben, ist er keine Goldgrube mehr. Zwar trifft sich nach wie vor ein Stammpublikum zu Kaffee und Spezialitäten wie Wetzikerli oder Glaces. Doch immer häufiger blieben die Tische in der Gaststube leer.

Rückblickend sind sich die Beteiligten einig: Die Übernahme des Familienbetriebs durch die Kleiner-Kette war ein Fehler. «Es zeigte sich: Wenn eine Kette einen Familienbetrieb übernimmt, geht etwas Identitätsstiftendes ver­loren – dem ‹Kofler› fehlte der Patron», sagt Orlando Kofler, der den Deal vor sechs Jahren eingefädelt hatte. Es müsse jemand den Betrieb führen, «der sich zeigt und den man kennt oder eine Marke, die Identität schafft».

Zurück zum Ursprung

Richard und Edith Kofler seien eine Institution gewesen mit grossem Netzwerk in Wetzikon, bestätigt Waltenspühl. Das waren zu grosse Fussstapfen für die Kleiner-Filialleitung. «Die lokale Verankerung in der Bevölkerung fehlte.»

Die Gastrogruppe ZFV sucht nun einen Nachpächter. Auch Koflers sind aktiv geworden. «Wir vermieten den ‹Kofler› neu», prangt auf einer Werbeblache an der verglasten Terrasse. Angeboten werden das Ladenlokal mit Café und Terrasse, die Backstube und die Kofler-Glaceproduktion.

Schwierige Pächter-Suche

Es hätten sich bereits Interessenten gemeldet, sagen Waltenspühl und Kofler. Sie räumen aber ein, dass eine Weiterführung des Betriebs nicht ganz einfach ist. Eine Chance sähen sie, wenn ein Hiesiger übernehme und viel Herzblut in den Betrieb stecke.

Findet sich kein geeigneter Nachpächter, droht dem Traditionsbetrieb das übliche Schicksal: Er verwandelt sich in einen anonymen Schnellimbiss oder in ein Bürogebäude.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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