Das eingeschränkte Gefühl der Freiheit bei Regen
Zugegeben, den Wind in den Haaren zu spüren, ist mir als Töfffahrer nur kurz gegönnt gewesen. Mit der Einführung der Helmtragpflicht 1981 musste die Mähne – und sei sie auch noch so lang – unter dem Topf verschwinden. Trotz der Einengung blieb aber das Gefühl der Freiheit auf zwei Rädern. Ich kann ohne Blechhülle um mich herum unterwegs sein, spüre die wärmende Sonne und den Fahrtwind und wenn noch einige schöne Kurven hinzukommen, bleiben kaum mehr Wünsche offen.
Auch das kurze Störfeuer, das der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger mit seiner Vision Zero im Jahr 2000 unternahm, vermochte den Spass nicht nachhaltig einzudämmen. Als Verkehrsminister wollte er doch tatsächlich die Motorradfahrer ausbremsen und sie fortan auf 80 Stundenkilometer begrenzen. 35’000 Demonstranten vor dem Bundeshaus und über 200’000 Unterschriften unter einer Petition liessen ihn zur Besinnung kommen. Und so kann wenigstens auf Autostrassen und Autobahnen auf zwei Rädern weiterhin im wörtlichen Sinn erfahren werden, was Luftwiderstand heisst.
In den letzten Jahren ist der Plausch am Töfffahren zwar durch den immer dichteren Verkehr getrübt worden. Selbst eine Passfahrt verkommt immer häufiger zum Kurvengezuckel. Die grössten Stimmungskiller auf dem Töff sind allerdings nicht neue Vorschriften oder die vielen Autos, sondern das Schweizer Wetter. Trotz bester Ausrüstung mit garantiert wasserfester Kleidung – die dann doch nicht hält, was versprochen worden ist – weicht das Gefühl der Freiheit beim Biken durch den Regen mehr dem Wunsch nach einem Dach über dem Kopf. Und wenn in der Töffsaison, in der wir ja jetzt eigentlich sind, noch Kälte und Schnee (Ende April und im Flachland!) hinzukommen, hört der Spass endgültig auf.
