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Fällander Jeanshändler hat sich etabliert

Guido Weltert, Geschäftsführer von Jeans.ch, betreibt in Fällanden den grössten Jeansladen der Schweiz. Er ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich das On- und Offline-Geschäft geschickt verbinden lassen.

Grösster Online-Anbieter von Bluejeans: Jeans.ch-Gründer Guido Weltert in seinem Fällander Laden. (Bild: Markus Zürcher)

Fällander Jeanshändler hat sich etabliert

Pessimisten würden Guido ­Wel­tert vielleicht sagen, sein ­Geschäft stehe unter einem schlechten Stern. Sein Internetshop Jeans.ch ging online, als Giganten wie Zalando kleineren Versandhändlern bereits das ­Leben schwer machten, und in Zeiten des grossen Ladensterbens eröffnete er den Jeansstore mit dem umfangreichsten Angebot im Land.

Sein Erfolg zeigt allerdings, dass Weltert keine Schnapsideen hat: Dieses Jahr wird der Laden im Industriequartier seine ­Fläche um weitere 550 auf
1300 Quadratmeter ausbauen.

Selber machen statt auslagern

Auf die Frage nach seinem Erfolgsrezept sagt Guido Weltert, was ihn 20 Jahre Erfahrung als Unternehmer in der Modebranche gelehrt haben: «Retail
is ­detail.» Übersetzt bedeutet es, dass im Detailhandel auch auf Details achten muss, wer Erfolg haben will. Für Weltert und sein Team heisst das in erster Linie, dass man alles, was den Kunden ­direkt betrifft, auch persönlich erledigt.

Unter Versandhändlern ist es gang und gäbe, die Debitorenbuchhaltung und das aufwendige Geschäft der Logistik auszu­lagern. Für Weltert käme das nie infrage. Sämtliche Pakete werden in Fällanden geschnürt, auch um die Debitorenbuchhaltung kümmert sich das kleine Team selbst. Wenn Kunden anrufen, landen sie nicht in der Warteschlaufe eines Call Centers, sondern oft beim Chef persönlich.

Rationalisten mögen dem entgegenhalten, dass dies vielleicht das Tüpfelchen auf dem i, aber bestimmt keine Überlebens­strategie sei. Weltert sieht das anders. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass Persönlichkeit punktet, gerade im Netz, wo nichts greifbar scheint. In unserer schnelllebigen Zeit, wo Quantität oft über Qualität siege, sei es wichtig, als Unternehmen Gesicht zu zeigen. «So vermitteln wir Wertschätzung, aber auch Verlässlichkeit», sagt Weltert.

Geschickt auf dem Markt positioniert

Dass Weltert ein Händchen dafür hat, seine Marken geschickt zu positionieren, bewies er vor allem im hart umkämpften Internetmarkt. 2012 startete Jeans.ch – das riesige Sortiment umfasst mittlerweile über 20 000 Paar Jeans, rund 500 Modelle von 13 Herstellern.

Dass Jeans.ch einen soliden Start hatte, verdankt Weltert auch Mcjeans.ch, einem Onlineshop, den er bereits 2011 gegründet hatte. Weltert sah davon ab, das alte Portal zugunsten des neuen vom Netz zu nehmen: Mcjeans.ch war gestartet, als im Online-Geschäft die Goldgräberstimmung zumindest noch nicht verflogen war, und ­sicherte ihm einen verlässlichen Kundenstamm. So zog Weltert ­Mcjeans.ch weiter, nicht als Klotz am Bein, sondern mit der gleichen Sorgfalt wie Jeans.ch.

Dank Internetpräsenz auf zwei Kanälen und geschicktem Contentmarketing schaffte er es, sein Unternehmen bei Google als Nummer eins beim Stichwort Jeans zu etablieren.

Das Warenlager zum Laden umfunktioniert

Seinen zweiten Coup landete Weltert mit der Idee, zweigleisig zu fahren. Nun, da er Hosen in rauen Mengen im Haus hatte, wollte er mehr machen aus seinem Warenlager – warum nicht gleich einen Laden? Im Indus­triequartier sei zwar nicht mit Laufkundschaft zu rechnen, sagt Weltert, «aber für uns stimmt der Platz: grosse Fläche, günstige Miete, genügend Parkplätze».

2015 eröffnete im Warenlager von Jeans.ch der gleichnamige Store. Weil keine Scharen am Schaufenster vorbeiziehen, sieht auch das Konzept anderes vor: Kunden melden sich online für einen Besuch an. Shopping auf Termin, ohne Gedränge und den üblichen Trubel, dazu eine persönliche, aber unverbindliche Beratung – das, glaubt Weltert, mache seinen Laden einzigartig.

Der Tanz auf vielen Hochzeiten scheint Weltert im Blut zu liegen. Startklar ist auch sein neues ­Online-Konzept der persönlichen Stilberatung für Männer. Auf Bebasic.ch können Männer einen Termin bei der Stilberaterin buchen, die in einem persönlichen Gespräch nicht nur Körpermasse, sondern auch per­sönliche Präferenzen möglichst detailgetreu elektronisch dokumentiert. Danach erhält der Kunde seinen persönlich zusammengestellten Outfit-Vorschlag per E-Mail – immer dann, wenn er es möchte. (Virginia Nolan)

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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