Zu hoch gepokert
Am Montagmorgen muss ich gar nicht erst versuchen, den Weg durchs Aatal in Angriff zu nehmen. Da fängt das Warten schon an, bevor ich richtig losgefahren bin. Die Gstalderstrasse, Zufahrt zur Zürichstrasse im Tal, ist eine der steileren Strecken im Oberland. Offenbar hält das im Morgenverkehr viele nicht davon ab, trotzdem diese Route zu wählen. Die Folge davon: Der Rückstau vom Rotlicht unten reicht fast bis in den Ortsteil Sack hoch.
Gefangen im «Sack»?
Und die Folge: Mir könnte es blühen, dass ich im Sack stecken bleibe. Gäbe es da nicht noch die Alternativroute hintenrum. Diese verspricht zwar im ersten Teil eine behinderungsfreie Fahrt. Im zweiten Teil aber bremsen eine lange 30er-Zone und vor allem eine Barriere, die die Angewohnheit hat, immer dann unten zu sein, wenn ich komme, mein Rollen empfindlich ab. Meine potenzielle Zeitersparnis gegenüber der Route über die Hauptstrasse schmilzt rasch dahin.
Fliessen wie Wasser
Die Meinung, dass sich die Autofahrer wie Lemminge verhalten und einfach einander hinterherfahren, stimmt nicht, auch wenn ich mich verfluche, genau eines dieser Viecher zu sein, wenn ich wieder einmal im Stau stecke. Vielmehr sind Autofahrer wie Wasser: Sie suchen sich den besten Weg, um vorwärtszukommen – mit der Folge, dass die Nebenstrassen, die ich selbst ja auch suche, immer öfter verstopfen.
Also habe ich meine Strategie bei der täglichen Routenwahl, um möglichst rasch an meinen Arbeitsort zu gelangen, etwas geändert. Ich setze wie beim Pokern auf die gute Mischung zwischen Glück und Können. Ich meine, meine Gegenspieler zu kennen, die an diesem Tag um diese Zeit sicher nicht dicht an dicht durchs Aatal rollen. Und wirklich, die erste Runde geht noch auf. Ich fahre störungsfrei durchs Aatal. Dann kommt die Ortstafel Wetzikon und hinter ihr die leichte Rechtskurve, die einem die Sicht auf die lange Gerade auf der Zürichstrasse noch nimmt. Was dahinter folgt ist das, was an diesem Tag und um diese Zeit eigentlich gar nicht hätte sein dürfen – eine lange Kolonne. Und ich habe wieder einmal zu hoch gepokert.
