Wenn Kinder an der Stange tanzen
Knapp bekleidet tanzen sie um eine Stange und vollführen akrobatische Kunststücke. Ein Bild, das lange Zeit nur im Rotlichtmilieu oder im Zirkus zu sehen war. Heute ist Pole Dance (deutsch: Stangentanz) in der Schweiz als Sportart etabliert. Doch nicht nur erwachsene Frauen, und seltener Männer, klettern an der Stange hoch, auch Kinder möchten mittanzen.
Das stösst teilweise sauer auf: So entbrannte Ende Februar in England eine Debatte, nachdem Mädchen zwischen acht und elf Jahren in der TV-Show «This Morning» ihre Künste demonstrierten. Ein Problem ist, dass die Tänzerinnen knappe Kleidung tragen müssen: Man braucht die Haut für den Halt an der Stange.
Das Skelett wächst noch
Auch in Winterthur haben Minderjährige die Möglichkeit, die Sportart Pole Dance oder Pole Fitness auszuprobieren. Der Unterschied zwischen den beiden Formen ist, dass Pole Dance mehr aufs Tänzerische ausgelegt ist.
Jenny Vaccaro Leone, Mitinhaberin des Polestudios Polelicious, unterrichtet seit September 2015 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren. Einen Kurs für Jüngere anzubieten, ist für sie keine Option: «Ich denke, dass man Kinder nicht mit solchen Kraftaufwänden, die beim Pole Dance unerlässlich sind, konfrontieren und belasten sollte.»
Bei Kindern ist das Skelett jedoch noch nicht ausgewachsen, Überlastungen können zu Gelenkschäden führen. «Verletzungen bei Kindern merkt man zum Teil nicht sofort, erst über die Jahre machen sie sich bemerkbar», erklärt die ausgebildete Tanz- und Bewegungspädagogin für Kinder.
Eine Möglichkeit wäre es, den Unterricht der Kinder noch stärker auf den Aspekt des Tanzes zu legen. Darin sieht Jenny Vaccaro Leone aber wenig Sinn: «Dann sind sie in einer Jazz-, Modern- oder Balletttanzstunde idealer betreut.» Die Choreografien für die «Pole 4 Teens»-Klasse schreibt die Winterthurerin für diese Altersklasse, damit sich die Kinder kindergerecht bewegen können.
«Grosser Wert auf Sicherheit»
Im «Loft 1» in Winterthur können seit Neuestem sogar Kinder im Alter von10 bis 14 Jahren Pole Fitness betreiben. Ältere Schülerinnen tanzen in den regulären Erwachsenenklassen mit. «Wir haben viele Anfragen erhalten und führen deshalb eine Schnupperstunde für Kinder durch», erzählt Daniela Baumann, Gründerin und Inhaberin der «Loft 1-Studios».
«Wir entscheiden nach dem Schnuppern, ob wir einen Kurs für Kinder einführen.» Die Kinder lernen in den Stunden einzelne Tricks sowie Choreografien. Die Choreografien werden zu Musik getanzt, die den Kindern in diesem Alter gefällt, so wie Justin Bieber.
Gesundheitliche Bedenken hat Daniela Baumann keine: «Wir legen grossen Wert auf Sicherheit.» So würden die Trainerinnen speziell für Kinder geschult, damit diese nicht überfordert werden. «Es ist ein spielerisches Lernen, speziell für Kinder angepasst.» (Sandra Klein)