Jung, sexy, erfolgreich
Sein Wohnort neben dem Illuster mitten in der Einkaufszone von Uster passt zu ihm: Steven Epprecht lebt von der Modebranche. Der 26-Jährige arbeitet seit einem halben Jahr Vollzeit als Model, läuft Shows für Marken wie PKZ, Vögele und Globus und wird bald als Superheld auf den Plakaten von Oh là là zu sehen sein, der sexy Tanzshow von Gregory und Rolf Knie. An diesem Tag hat er für einmal keinen Auftrag. In Jeans und weissem T-Shirt öffnet Epprecht die Tür und gibt den Blick frei auf eine moderne Wohnung mit dunkelbraunem Parkett. Sie ist edel, aber etwas karg eingerichtet. Auffällig ist die menschengrosse Freiheitsstatue im Wohnzimmer. «Meine zwei Mitbewohner und ich haben sie aufgestellt, weil wir alle Amerika-Fans sind», sagt Epprecht.
Ein paar Monate in Barcelona
Die Statue ist zudem ein Symbol für Epprechts Ziele als Model: in Amerika oder auch ganz generell im Ausland Fuss zu fassen. Als Erstes wird er vermutlich ein paar Monate in Barcelona wohnen, bei verschiedenen Agenturen konnte er sich dort bereits vorstellen. In einem Jahr plant er zudem, längere Zeit in Kapstadt zu verbringen. Dort ist das Wetter für Outdoor-Shootings besser geeignet als in der Schweiz, wo er sich mittlerweile als Model etabliert hat. Epprecht verdient heute etwa so viel, wie er auch bei der Bank verdienen würde. «Nur muss ich dafür weniger arbeiten», sagt er und lächelt verschmitzt.
Model-Scout ist begeistert
Dass der Ustermer überhaupt anfing, als Model tätig zu werden, verdankt er ebenfalls einem Auslandaufenthalt. «2010 verbrachte ich einige Wochen auf Hawai für einen Sprachaufenthalt», erzählt Epprecht. «Am Strand wurde ich von einem Mann angesprochen, der sich als Model-Scout herausstellte. Ich hätte ein interessantes Gesicht und soll bei ihm in der Agentur vorbeischauen.» Zuerst zögerte er, wollte die Chance dann aber doch nicht verstreichen lassen. «Ich ging zusammen mit einem Kollegen vorbei, da ich nicht sicher war, wie seriös das Ganze war.»
Der Mann entpuppte sich jedoch als vertrauenswürdig. Er wollte Epprecht unter Vertrag nehmen wenn er abnahm und sich mehr Muskeln antrainierte. «Er gab mir einen Fitness- und Ernährungsplan mit und sagte, ich solle in sechs Wochen wieder vorbeikommen.»
10 Kilogramm leichter
Epprecht entschied sich dann aber gegen diese Option, weil ?er seinen Aufenthalt geniessen wollte. Die Begegnung habe aber «einen Schalter umgelegt». Epprecht begann nämlich trotz seiner Absage intensiv zu trainieren und gesünder zu essen. «Ich ging morgens und abends joggen und kam schliesslich zehn Kilogramm leichter in die Schweiz zurück.» Vorher hatte er nie daran gedacht, Model zu werden. Er habe zwar immer zu den «Schönlingen» der Klasse gezählt, selber habe er sich aber nie als besonders hübsch empfunden.
Zurück in der Heimat begann sich der 1,86 grosse und 82 Kilogramm schwere Epprecht, bei verschiedenen Model-Agenturen zu bewerben. Die Time Model Agency eine der grösseren in der Schweiz nahm ihn in ihre Kartei auf und verhalf Epprecht zu einigen Aufträgen. 2012 nahm er dann an den Mister-Schweiz-Wahlen teil und wurde Dritter. Die Wahl bestätigte ihn in der Entscheidung, ganz auf die Model-Karte zu sezten. «Es brauchte auch ziemlich viel Mut, aber der abwechslungsreiche Alltag lockte mich.» Heute ist Epprecht ziemlich gut gebucht sodass er beinahe froh ist, keine Freundin zu haben. «Ich glaube, in diesem Business ist das momentan einfacher», sagt er. Zudem seien die meisten Models, die er an den Modeschauen treffe, ohnehin in einer Beziehung, so Epprecht, der beinahe etwas enttäuscht klingt. Wie lange er das noch mache, könne er nicht sagen. «Männer sind auch mit grauen Haaren noch attraktiv», sagt Epprecht und zwinkert.