Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Meinung

No öppis ...

Ich habe genug von einem Sport voller Respektlosigkeit

Jetzt während der Fussball-WM können wieder Gross und Klein vor den Bildschirmen kleben und mit ansehen, wie mit Schiedsrichtern umgegangen wird: Warum mich das zur Weissglut treibt.

Diskussionen ohne Ende wie hier im WM-Gruppenspiel zwischen Österreich und Jordanien sind Alltag. Das muss aufhören.

Foto: AP Photo/Jeff Chiu

Ich habe genug von einem Sport voller Respektlosigkeit

Jetzt, während der Fussball-WM, können wieder Gross und Klein vor den Bildschirmen kleben und mit ansehen, wie mit Schiedsrichtern umgegangen wird: Warum mich das zur Weissglut treibt.

Ein klares Halten am Trikot hier, eine Grätsche mit offener Sohle gegen den Knöchel dort und dann das Geschrei und Gejammer. Nicht nur vom Gefoulten. Sondern in erster Linie vom Foulenden. Nichts gemacht.

Es wird wild gestikuliert und gefuchtelt. Auf dem Rasen. Von Fussballspielern, die sich schnell mal zu grossen Menschentrauben sammeln. Aber auch von Trainern, Co- und Co-Co-Trainern an der Seitenlinie. Gerichtet? Gegen den Schiedsrichter. Und vor den Bildschirmen dieser Welt schauen alle zu – und nehmen sich ein Beispiel.

Ich habe noch nicht viele Spiele dieser WM gesehen, doch in jedem Spiel gab es mindestens eine solche Szene. Und ich frage mich: Wie konnte es so weit kommen?

Selber als Schiedsrichter unterwegs – in der für mich deutlich cooleren, schnelleren und dynamischeren Sportart Unihockey –, weiss ich, wie es ist, Entscheidungen in Sekundenbruchteilen zu fällen. Ich weiss, wie nahe Glück und Pech beieinanderliegen können, um ein Foul als solches zu sehen und zu ahnden.

Zwei Unihockey-Spielerinnen reden mit einem Schiedsrichter.
Auch ich muss bisweilen meine Entscheide erklären. Allerdings sammelt sich um mich keine Spielerinnentraube.

Emotionen gehören zum Sport. Ohne Frage. Aber: Wo ist im Fussball der Respekt geblieben? Wenn Schiedsrichter Spielern gefühlte 30 Meter hinterherlaufen müssen, um ihnen eine gerechtfertigte gelbe Karte zu zeigen, nur um dafür eine abwertende Handbewegung zu ernten, werden sie zum Gespött auf dem Rasen.

Und warum soll ich mich als Junior bei meinem FC anders verhalten, wenn ich doch während Wochen sehe, wie sich die grossen Stars gebärden können? Der Fussball hat es verpasst, seine Schiedsrichter zu schützen und sie dabei zu unterstützen, von allen Akteuren Respekt einzufordern. Und das notabene im grössten Sport auf dem hiesigen Kontinent.

Auch medial gehört es «zum guten Ton», Schiedsrichter für ihre Entscheide anzuzweifeln, zu kritisieren, in jeder Form der Berichterstattung. Oder wie oft können Sie sich erinnern, nach einem Spiel gelesen oder gesehen zu haben, wie Schiedsrichter gelobt wurden?

Dabei heisst es so schön: No refs, no game. Keine Schiedsrichter, kein Spiel. Und es gäbe Sportarten, grosse Sportarten, bei denen es auch um viel Geld geht, die es besser machen. Schon mal Rugby geschaut? Da wird nicht mit Schiedsrichtern diskutiert, ihre Entscheide werden fast schon ehrfürchtig respektiert.

Auch im Unihockey ist nicht alles Gold, was glänzt. Durch eine immer grösser werdende mediale Berichterstattung steigt auch der Druck auf uns Schiedsrichter. TV-Bilder legen schonungslos offen, ob und wo gefoult wurde.

Doch bei über 100 zu fällenden Entscheiden pro Spiel passieren Fehler. Das ist nur menschlich. Und dennoch: Wir spüren den Support eines Verbands, das Einfordern von Respekt von Spielerinnen und Spielern sowie Trainern ist seit mehreren Jahren Saisonschwerpunkt.

Gleiches wünsche ich mir auch für meine Kollegen: Denn ein respektvoller Umgang miteinander auf und neben dem Feld macht jeden Sport attraktiver.

Vielleicht wird aber ja ab dem 1. Juli 2027 alles besser. Ab dann gilt nämlich für alle Wettbewerbe die zuerst an der Euro 2024 getestete Kapitänsregel. «Damit der Schiedsrichter wichtige Entscheidungen erläutern kann, dürfen sich ihm nur die Kapitäne nähern, sofern sie sich dabei respektvoll und angemessen verhalten», heisst es in der Leitlinie zur Regel.

Jeder Kapitän müsse dafür sorgen, dass seine Mitspieler eine ausreichende Distanz zum Schiedsrichter wahrten und sich nicht in den Austausch zwischen dem Schiedsrichter und den Teamkapitänen einmischten. Jeder Spieler, einschliesslich des Kapitäns, der mit Worten oder Gesten protestiert, wird mit einer gelben Karte verwarnt.

In unserer Kolumne «No öppis …» machen wir uns Gedanken über die grossen und kleinen Dinge des Lebens – und teilen diese mit Ihnen.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns