Jööö – oder wie aus der Kuschelkatze ein Raubtier wird
No öppis …
Meine Katze beherrscht zwei Disziplinen perfekt: Zärtlichkeit – und das Gegenteil davon. Während sie eine arme Maus erledigt, lerne ich sie von einer anderen Seite kennen.
Meine Katze Yoko löst selbst bei abgeklärten Menschen etwas aus. So sehr, dass sie die Stimme verstellen und «Jööö» sagen, während sie ihr Gesicht in dieses weiche Fell drücken, als liesse sich dort eine spezielle Portion Geborgenheit und Kuscheltier-Feeling abholen.
Doch wenn sie eine Maus nach Hause bringt, lerne ich meine Katze erst richtig kennen. Es beginnt meist mit einem leicht veränderten Miauen. Es klingt dringlich. Ich höre es sofort und schliesse schnell die Schlafzimmertür. Nicht dass die arme Beute noch unter den Schrank verschwindet und für immer da wohnt.
Wenn Yoko dann die Treppe hochkommt, trägt sie nicht einfach irgendein Objekt im Maul, sondern einen meist noch lebenden ungebetenen Gast. Sie legt ihn mit einer Selbstverständlichkeit auf den Teppich vor meine Füsse. Hier wird ein Ablauf eingehalten, der ohne mich bestens funktioniert – mit mir als Zuschauerin allerdings offenbar vollständiger wirkt. Ein Geschenk oder ein Lehrstück für mich.

