Fast pünktlich – aber dann kam das Znünitäschli
Der Anblick eines Kindergärtlers führt bei Redaktorin Karin Sigg zu einer kurzen philosophischen Auszeit – unerwartet, doch hochwillkommen im persönlichen Kampf gegen die Zeit.
Der Dienstag ist mein Redaktionstag. Ich fühle mich leicht gehetzt, denn ich bin ein bizeli spät dran – wie eigentlich immer, wenn ich pünktlich sein sollte. Die zermürbende Parkplatzsuche ist endlich doch noch von Erfolg gekrönt.
Ich juble innerlich. Vielleicht bin ich dieses Mal doch früher als sonst? Dass für dieses ambitionierte Ziel die Uhren rückwärtslaufen müssten, ignoriere ich in diesem Moment.
Die anschliessenden 500 Meter Fussmarsch führen mich jeweils durch die Unterführung des Bahnhofs Wetzikon. Hoch motiviert gehe ich in den Laufschritt über. Und werde jäh ausgebremst: Rushhour am Bahnhof. Natürlich gerate ich direkt in die wogende, reissende Menschenmenge – wie immer, wenn ich pünktlich sein sollte.
Es ist ein Hecheln, Husten und Hetzen zu hören. Und zu spüren. Ganz zu schweigen von den vielen Ellbogenremplern. Pendler vor, hinter und neben mir rennen um ihr Leben. Doch etwas weiter entfernt scheint es ein Hindernis zu geben. Die hetzenden Menschen weichen – ungebremst und teilweise im letzten Moment – aus.

