Sagen Sie es bitte mit Blumen!
No öppis …
Passend zur Zeit des Frühjahrsputzes ein paar Gedanken über ungebetene Gäste im Küchenschrank – und wie mit ihnen umzugehen ist.
Der kleine Kerl hatte es sich im Küchenschrank gemütlich gemacht. Gut versteckt, im Fach über dem Dampfabzug oben hinten rechts. Unbemerkt verbrachte er vermutlich Jahre im Schutz der Dunkelheit hinter dem Glas mit den Pfefferkörnern, bis ihn ein Frühlingsputz unvermittelt ans Licht beförderte.
«Raclette & Gratin» stand auf seiner Etikette. Das Glas war ungeöffnet und hatte sicher schon mehrere Geburtstage in unserer Küche gefeiert. Das war mit Blick aufs Ablaufdatum «06.2022» unschwer zu erkennen. Und es war nicht etwa allein.
Ganz in seiner Nähe entdeckte ich ein Glas, das mit «Kräutersalz» angeschrieben war. Inhalt: neben «Jurasalz» verschiedene durchaus gebräuchliche getrocknete Kräuter, «mindestens haltbar bis 11.2025». Daneben und in transparente Schutzfolie eingeschweisst eine Plexiglas-Mühle, beschriftet mit «Salad & Co.».
«Salad & Co.» bestand aus Meersalz und getrocknetem Basilikum. Und weder meine Frau noch ich konnten uns daran erinnern, jemals das Bedürfnis verspürt zu haben, so etwas zu besitzen.
Trotzdem ergab eine kurze Überprüfung verschiedener Schubladen und Schränke, dass wir Gewürzmischungen für allerlei Einsatzzwecke besitzen: für Raclette, für Pommes frites, für Salat, für Fischgerichte und, und, und.
Ungebetene Gäste in unserer Küche, grösstenteils ungeöffnet, die uns irgendwann zugelaufen waren – als Mitbringsel vom Städtetrip, als Dankeschön für einen kleinen Gefallen oder als Teil eines Geschenke-Sets.
Wer braucht Gewürzmischungen, und wie ist mit ihnen umzugehen? Lassen sie sich irgendwie verhindern? Oder bleibt Entsorgen die einzige Möglichkeit? Wenn ich das Verlangen verspüre, ein Gericht mit Salz und Basilikum zu würzen, dann greife ich zum Salz und zum Basilikum. Das gilt grundsätzlich für alle Arten von Kräutersalz.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Raclette: Vor der im Jahr 2022 abgelaufenen Mischung steht eine weitere Mühle: Raclettegewürz, absurde 85 Gramm furztrockenes Gestrüpp, unter anderem Pfeffer, Koriander, Rosmarin, Kreuzkümmel, Chili, abgelaufen am «30.04.2023».
Einst in unseren Haushalt eingeführt von – keine Ahnung. Irgendwann trotz allem in Betrieb genommen, das war an den Gebrauchsspuren des Mahlwerks zu erkennen. Dabei mag ich mein Raclette gerne einfach so, allenfalls mit einem Hauch Paprika oder Muskat.
Um diese kleine Kolumne zusammenzufassen: Wenn Sie mir jemals eine kleine Freude machen wollen, tun Sie es bitte mit Blumen. Die dürfen gerne frisch sein.
In unserer Kolumne «No öppis …» machen wir uns Gedanken über die grossen und kleinen Dinge des Lebens – und teilen diese mit Ihnen.